Samstag, 19. Mai 2012

Trainingslager Rhön/Glockner Tag 3

Da ich morgen evtl. mit Julian mit dem Rad nach Hause fahren will, und es am Dienstag schon zum Glockner geht habe ich für heute eher eine lockere Einheit eingeplant. Das ist in der Rhön natürlich nicht so einfach, aber mehr als 1200 Höhenmeter will ich eigentlich nicht fahren, und die auch nur gemächlich.

Da die anderen in der Gruppe auch eher lockerer fahren wollen als die zwei Tage zuvor passt das gut. Wir fahren so mit ca. zehn Leuten los, zwei trennen sich dann von der Gruppe um Ebersburg zu fahren, der Rest rollt locker dahin. Zwischendurch gibt es zwar immer wieder Steigungen an denen das Wattmeter mal so in Richtung 300 ausschlägt, aber meist lässt sich das vermeiden. Einige Zwischenstopps zur Navigation unterstützen den regenerativen Charakter der Ausfahrt.


Wie die beiden Tage zuvor, auf jeden Fall eine nette Truppe, auch wenn ich die Leute eher nur vom Sehen kenne. Ein recht langes Stück rollen wir auch auf dem Rhönradweg, der nur mäßiges Gefälle oder Steigung hat. Als Höhepunkt gibt es dafür einen nicht zu kurzen Radwegtunnel.

Kurz vor Tann der erste Reifendefekt und ein Kilometer weiter in Tann im Museumscafe machen wir eine Pause mit lecker Rhabarberstreuselkuchen und Milchcafe. Ich könnte auch gut sitzen bleiben und die aufkommende Sonne genießen, aber ein bischen Radfahren wollen wir schon, so geht es weiter auf einem Streckenabschnitt den ich gestern schon gefahren bin.

In Hilders kommen wir an die Steigung an der ich gestern gut 400 Meter auf die anderen drei verloren habe, diesen Abschnitt fahre ich dann doch mal im Bereich zwischen 280 und 320 Watt. Etwas lockerer als gestern, aber doch mal ein kleiner Weckruf an die Beine. So haben wir an der 5,2 Kilometer langen Steigung immerhin 287 Watt im Schnitt geleistet.


Mittlerweile scheint die Sonne richtig und auch in der Abfahrt ist es angenehm warm. Ich versuche ein paar Fotos und Filme während der Fahrt mit dem Handy zu machen, aber so richtig gelungene Aufnahmen sind letztlich nicht dabei.

Zum Abschluss der Tour fahren wir noch zur Wasserkuppe hoch, und so kommen doch über 1400 Höhenmeter zusammen.



Freitag, 18. Mai 2012

Trainingslager Rhön/Glockner Tag 2

Heute morgen schließe ich mich einer kleinen Gruppe an, die etwas später startet. Wir fahren zu viert, und die anderen drei sind richtig gut. Mit Markus bin ich gestern schon gefahren, Rüdi kommt als "Guide" hinzu und Stefan.

Da wir nun jemand mit Ortskenntnis dabei haben fahren wir insgesamt mehr auf verkehrsärmeren Strecken als gestern. Aber ärmer an Höhenmetern ist die Strecke natürlich nicht. Berghoch treten wir oft über längere Zeit deutlich über dreihundert Watt, und ich frage mich wie lange ich mit den drei mithalten kann. Aber zunächst geht es sehr gut.

Einzige etwas heikle Situation ist ganz am Anfang der Fahrt ein offensichtlich betrunkener Autofahrer, der mit knapp 30 km/ in leichten Schlangenlinien vor uns her fährt und die Fahrt etwas einbremst. Aber der biegt zum Glück recht schnell ab, und wir können die herrliche Landschaft und das Fahren genießen.


Das Auf und Ab ist hier nun mal durch die Topographie vorgegeben und so sammeln wir recht schnell Höhenmeter um Höhenmeter. An einem etwa drei- bis vierhundert Meter langen Steilstück erreicht die Steigung sogar mal 18%, also seine bergfestigkeit kann man hier ganz gut testen. Vor allem gibt es auch einige etwas längere Steigungen, mal über fünf, sechs Kilometer, etwas das mir für das Training zu Hause etwas fehlt, wenn es da mal bis 8% steil wird, ,dann ist nach ein, zwei Kilometern normalerweise Schluss.

An einer dieser längeren Steigungen muss ich dann aber leider mal etwas reißen lassen. Die Jungs fahren da ziemlich konstant um die 320 Watt hoch, und ich muss so auf knapp unter 300 nachgeben, so dass ich Meter für Meter zurückfalle und so letztlich fast 400 Meter bis obenhin verliere. Aber danach geht es wieder sehr gut, so dass das die einzige Schwäche für heute bleibt.

Ein Teil unserer Strecke führt über die Hochrhönstraße, wo sich wirklich herrliche Ausblicke bieten. Auch wenn ich manchmal mehr damit beschäftigt bin das Hinterrad meines Vordermannes zu halten, aber ich bin ja auch nicht zum Gucken hier, sondern um ein paar Höhenmeter zu sammeln, und mal einen etwas intensiveren Block zu fahren, nachdem ich bis jetzt ja bis auf das Radrennen in Eschborn nur Grundlage gefahren bin.





Am Ende summieren sich die Höhenmeter, die Dauer, und die gefahrenen Kilometer  auf praktisch die gleichen Werte wie gestern. Selbst die durchschnittliche Leistung ist ganz ähnlich. Das passt sehr gut. An 4000 Höhenmeter pro Tag wie bei meinem Aufenthalt in Andermatt letztes Jahr ist momentan überhaupt nicht zu denken. Ich habe auch wirklich schweren Respekt vorm Glockner nächste Woche, mal schauen wie das wird.

Die zweite Trainingseinheit des Tages besteht aus lockerem in der Sonne sitzen im Cafe in Gersfeld, ordentlich Latte Machiato (den Milchcafe kann man nicht drinken), und anschließend noch ein kleiner Spaziergang durch den Schlosspark.






Donnerstag, 17. Mai 2012

Trainingslager Rhön/Glockner Tag 1

Dieses Jahr gibt es leider kein Trainingslager mit Sonne und Meer in Sardinien, aber ich versuche mir doch so etwas wie eine Trainingslagerwoche  zusammenzustellen. Ziel ist es ein paar Höhenmeter zu sammeln und mich für den Glocknerkönig etwas vorzubereiten.

Nachdem Februar und März von zwei grippalen Infekten überschattet waren ist das Grundlagentraining bisher nicht ganz so gelaufen wie ich mir das vorgestellt hatte, aber immerhin der April war einigermaßen ok.

Für den ersten Teil des Trainingslagers schließe ich mich den Lahnlaendern an, einem Ausdauersportverein mit Schwerpunkt Triathlon. Ziel ist Gersfeld in der Rhön, unweit der Wasserkuppe, dem höchsten Berg Hessens.

Die Anstiege werden hier wohl nicht so lange sein, aber um die ersten Höhenmeter (abgesehen vom Feldberg bei Rund um den Finanzplatz) zu sammeln sicher geeignet. Einzig das vermutlich hohe Niveau der Triathleten macht mir etwas Sorge. Schließlich haben die üblicherweise eine sehr gute Grundlagenausdauer, und sind auch oft ziemlich stark  auf dem Rad.

Aber ich werde sicherlich eine Gruppe finden mit der ich mithalten kann, und ein bischen fordern will ich mich ja auch.

Die Anfahrt dauert kaum anderthalb Stunden, so dass auch dieser erste Tag voll genutzt werden kann. Schnell die Taschen aus dem Auto ins 12-Mann Zimmer der Jugendherge (nur mit sieben Mann belegt zum Glück), in die Radklamotten und rauf aufs Rad.

Wir fahren zunächst in einer sehr großen Rennradgruppe alle gemeinsam los, und kriechen zum aufwärmen etwas die erste Steigung hoch, denn flache Strecken zum Einfahren gibt es hier, von Gersfeld aus, praktisch keine. Dann findet sich eine fünf Mann/Frau Gruppe, mit der ich mich auf Erkundungsfahrt über die Hügel der Rhön machen kann.


So fahren wir über Städtchen, bzw. Dörfer wie Ebersburg, Motten, Bad Brückenau, Riedenberg und Wildflecken. Dabei geht es entweder berghoch oder bergrunter, flach ist eher selten. Es ist zwar nicht so schön warm wie letztes Jahr auf Sardinien, aber ähnlich windig und immerhin regnet es nicht und die Sonne scheint oft.


Dann kommen wir an den Kreuzberg, der erste richtige Anstieg, eine Stichstraße hinauf zum Kloster Kreuzberg. Da wir von Wildflecken her kommen, ist der Weg zum 12 bis 13% steilen Schlussanstieg locker zu fahren. Aber der letzte Anstieg hat es schon in sich. Über ca. zwei Kilometer geht es im zweistelligen Prozentbereich nach oben. Da ich natürlich an Markus dem offensichtlich stärksten Fahrer unserer Gruppe dranbleiben will, habe ich keine Motivationsprobleme und erreiche erstmals dieses Jahr meinen Maximalpuls.


Der Gedanke, dass ich am Glockner in gut zwei Wochen fast zwanzig Kilometer diese Steigung bewältigen muss, schießt mir kurz in den Kopf, aber auch nur kurz, den die ersten richtigen Steigungen sind sowieso jedes Jahr wieder eine Qual. Aber zum Glück ist dieser Anstieg ja nicht so lang und so ist es schnell vorbei.

Nach kurzem Verschnaufen geht es wieder hinunter, und wir fahren jetzt eine schöne etwas längere Abfahrt bis Bischofsheim. Dort geht es aber gleich wieder bergauf, wenn auch recht sanft. Eine schöne lange gut dosierbare Steigung bis kurz vor Ehrenberg führt uns dann nach einer kurzen Zwischenabfahrt hinauf zur Wasserkuppe. Zwischendurch wird es nochmal etwas steiler, und da wir mittlerweile bei ca. 1700 Höhenmetern für diesen Tag angelangt sind überlege ich am letzen Abzweig zur Wasserkuppe kurz ob es nicht genug ist für heute, aber wir beschließen, mittlerweile sind wir nur noch zu zweit, diese zwei Kilometer auch noch zu fahren.

Letztlich geht es dann doch noch recht locker, und so haben wir heute sogar noch einen "Gipfel" erreicht. Nicht das gleiche Gefühl wie eine erreichte Passhöhe in den Alpen, aber ein "Passchildfoto" darf schon sein.




Nachdem wir kurz die schöne Aussicht genossen haben, wird es doch recht kühl, und so machen wir uns in die letzte Abfahrt zurück nach Gersfeld. Und nach dem Duschen können wir noch etwas bei Milchkaffee und Kuchen auf dem Marktplatz in der Sonne sitzen.

Alles in allem also ein schöner Auftakt für das Rhön Trainingslager. Über 1800 Höhenmeter auf 92 Kilometer sind nach dieser langen Zeit seit Oktober ohne Berge ein guter Einstieg.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Fazit "Rund um den Finanzplatz"

Dafür, dass es nur ein Trainingsrennen war, bin ich wirklich zufrieden. Überspitzt formuliert könnte man sagen ich bin nur 20 Minuten hinter dem Sieger des Profirennens im Jahr 2000 angekommen. Denn Kai Huntertmarck ist als Rennradprofi a.D. dieses mal beim Jedermann Rennen gestartet...

Ok, Spaß beiseite, auch wenn es nur der 587. Platz geworden ist hat es nicht nur tierisch Spaß gemacht, sondern auch Lust auf mehr geweckt. Wenn man die Chance hat weit vorne zu starten und Anschluss an einer schnellen Gruppe hält, ist da sicher noch mehr drin. Da muss man sich allerdings Jahr für Jahr nach vorne arbeiten, mit meinem guten 33er Schnitt kann ich nächstes Jahr immerhin einen Startblock weiter vorne starten. Das reicht allerdings noch nicht um sich an eine schnelle Gruppe vorne dranzuhängen, das geht wohl nur aus dem A-Block oder ganz vorne im B-Block.

Aber abgesehen davon, das Schöne an so einem Radrennen ist, dass man immer Mitstreiter oder eine Gruppe findet um ordentlich Dampf zu machen. Bei einem Radmarathon zieht sich nach dem ersten Berg, der ja üblicherweise ein Alpenpass ist alles sehr auseinander. Außerdem ist das mit den Gruppen in der Abfahrt bei den Jedermännern so eine Sache und berghoch kämpft sowieso jeder alleine. Man kann also sagen beim Radmarathon kämpft man ganz vorne um den Sieg, die meisten kämpfen gegen den Berg und die hinteren ums Durchkommen. Beim Radrennen kämpfen die vorne um den Sieg, und der Rest fightet um die nächste schnelle Gruppe in sichtweite.

Dieses Vollgasfahren auf der gesamten Strecke macht enorm viel Spaß, allerdings habe ich schon vor dem ersten Anstieg ganz schöne Rückenschmerzen im unteren Rücken und Hüfte gespürt. Das ständige Fahren in Unterlenkerhaltung, immer tief, um dem Wind nicht zuviel Angriffsfläche zu bieten, bin ich schlicht nicht gewohnt. Und berghoch fahre ich sowieso in ganz anderer Haltung. Aber in der zweiten Rennhälfte habe ich das kaum gespürt. Am Berg und bei den kommenden langen Strecken wechsle ich sowieso viel häufiger die Position auf dem Rad, das sollte also kein Problem sein.

So bin ich trotz ordentlich Übergewicht und "altem" Material doch ganz gut durchgekommen, vorderes Drittel macht Mut für die kommenden schweren Aufgaben.

Ich werde sicher versuchen dieses Jahr noch ein weiteres Radrennen zu fahren, vielleicht auch mal ein Zeitfahren. Mal schauen was sich zwischen den schweren kommenden Bergevents organisieren lässt.

Apropos organisieren, die Organisation bei "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt / Skoda Velotour 2012" (was für ein herrlicher Name) war wirklich super.

Obwohl ich mich nachts um halb zwei angemeldet habe, hatte eine halbe Stunde später jemand meine Angaben geprüft (für die Einordnung in die Startblöcke hatte ich das Trondheim-Oslo Ergebniss angegeben), die Zeit korrigiert (meine Hochrechung von 540 Kilometern mit knappem 30er Schnitt auf 103 Kilometer mit 32 Schnitt wurde nicht akzeptiert...) und die Startplatzzuordnung in den D-Block (mit 29er Schnitt) vorgenommen

Auch die Streckenabsperrung und das Start-/Zielgelände waren wirklich gut gemacht. Parkplätze gab es genug, die Startunterlagenausgabe beim Zweirad Stadler am Vortag lief wie am Schnürchen, schon klasse. Einziger Kritikpunkt ist vielleicht die Zielverpflegung, Es gab zwar reichlich Bananen, die waren aber so grün, dass die sich beim Essen noch gewehrt haben, und diese abgepackten 0,3 Cent Kekse sind wirklich keine echte Nahrung, sondern gepresstes E-irgendwas mit ordentlich Backtriebmittel, dann lieber weglassen.

Allerdings ist das kein entscheidender Kritikpunkt, nach dem Rennen kann sich ja jeder selbst versorgen, Zielverpflegung empfinde ich als reinen Luxus den man auch weglassen kann. Unterwegs gab es eine Verpflegungsstelle mit Wasser, ich habe die nicht gebraucht, weil ich zwei 1L Flaschen dabei hatte, im Prinzip reicht das meiner Meinung nach auch.

Also hier mal ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren und die vielen Helfer, und auch an die Menschen die uns angefeuert haben, in der Stadt auf den Dörfern und am Feldberg.

Schönster Moment des Rennens war übrigens für mich die Fahrt vorbei an der alten Oper durch das abgesperrte Frankfurt, der perfekte Kontrast zum Stau am Vortag...

Statistik "Rund um den Finanzplatz"

Gesamttageskilometer: 103
Gesamtdauer: 3:04:06 h
Schnitt:  32,59 km/h
Höhenmeter: 1344
Gesamte Arbeit an der Kurbel: 2667 kJ
Durchschnittliche Leistung an der Kurbel: 258 Watt
Durchschnittliche Temperatur: 15° C
Durchschnittlicher Puls: 157
Durchschnittliche Trittfrequenz: 93
Maximalgeschwindigkeit: 75 km/h
Maximale Leistung an der Kurbel: 728 Watt

Platzierung:
Gesamt Herren: 587 (1769 Finisher auf der 103km Strecke insgesamt)
Altersklasse Masters 2 Herren: 208  (700 Finisher auf der 103km Strecke insgesamt)

Fahrrad:
Rahmen: Specialized Roubaix Pro SL 2010
Laufräder: Mavic R-SYS SL 2012 mit Tune Schnellspanner DC 14
Schaltung: Shimano Dura Ace 7970 Di2 mit
SRM - Dura Ace 7800 Kompakt 34/50 vorne, SRAM (MTB) XX Kassette 11-32 hinten
Bremsen und Kette: Shimano Dura Ace 7900
Pedale: Shimano Dura Ace SPD-SL
Lenker: Syntace Racelite CDR 7075 Alu
Sattel: Selle SMP Avant
Radcomputer: SRM Powercontrol 7 und Garmin Edge 800 

Fahrradgewicht: 10,9 kg inkl. gefüllten Trinkflaschen, Luftpumpe, Flickzeug, Schlauch, Radcomputer
Fahrergewicht: 82,05 kg
Kleidung und Nahrung: 2,65 kg
Gesamt(system)gewicht ca. 95,6 kg

Dienstag, 1. Mai 2012

Rund um den Finanzplatz - Das Rennen

Genau genommen heißt das Event Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt / Skoda Velotour 2012. Soso. Da es nicht so weit zu fahren ist kann ich schön zu Hause schlafen, das Fahrrad liegt mit montiertem Transponder und der Startnummer schon im Auto und schlummert dort ebenso erwartungsfroh vor sich hin.

Die Anfahrt ist problemlos, auch wenn schon ein Großteil von Eschborn gesperrt ist. Aber die Parkplätze sind nicht weit vom Startgelände, und schließlich habe ich ja ein Fahrrad dabei...

Sonnencreme habe ich vorsichtshalber aufgetragen, auch wenn noch keine Sonne scheint und vereinzelt Schauer vorhergesagt sind. Ich fahre auf jeden Fall kurz/kurz, für das Warten vor dem Start habe ich aber eine dünne Windjacke dabei, mehr Regenschutz werde ich auch nicht brauchen, sind ja nur gut 100 Kilometer.

Es fühlt sich schon komplett anders an als die Starts bei den Radmarathons, die ich bis jetzt kennengelernt habe. Statt beeindruckender Bergkulisse und die Erwartung eines ganzen Tages mit Kampf gegen den Berg steht man in einem Industriegebiet in Eschborn vor einem Möbelhaus. Irgendwie habe ich das Gefühl, das ist nix für mich. Macht das überhaupt Sinn, dass ich hier mitmache?




Ich stehe auch ziemlich hinten in Startblock D, d.h. selbst wenn ich fahre wie der Teufel, kann ich vielleicht um Platz 1000 kämpfen. Ich spüre gar nicht diese Vorfreude wie bei den Events in den Bergen. Dafür ist mein Puls bei 78, alles sehr entspannt. Allerdings reden die Leute fast nix, komisch.

Dann fällt aber um 9:00 Uhr der Startschuss. Es dauert noch eine ganze Weile bis Bewegung in Startblock D kommt, erst mal aber gaanz laangsaam, einige schieben ihr Rad noch nach vorne. Also kommt Jungs wir müssen uns wenigstens die vom Startblock C vor uns schnappen.

Dann geht es aber los, und über die Startlinie, und es dauert genau eine Mikrosekunde bis das Rennfieber greift. Sofort schießt die Wattanzeige nach oben, denn es gilt dran zu bleiben, bzw. Gruppen vorne zu erreichen.

Ununterbrochen kämpfe ich um Anschluss an die nächste Gruppe und die nächste Gruppe, ich will einfach nur nach vorne, denn mit einem 29er Schnitt will ich hier nicht enden. Die anderen sehen das genauso, und so finden sich immer kleine Gruppen zusammen die um den Anschluss nach vorne kämpfen.

So geht es eigentlich gut vorwärts, immer so mit gutem 43er Schnitt. Diese Hatz geht ohne Unterbrechung die ersten Kilometer, die Leistung liegt konstant zwischen 250 und 300 Watt. Ob da noch was für den Feldberg übrig bleibt? Egal, ich will auf jeden Fall nach vorne.

Als es durch die Häuserschluchten von Frankfurt geht kann ich für einen Moment das tolle Gefühl genießen durch die abgesperrte Stadt zu fahren. Diese Gelegenheit bietet sich sicher nur wenigen Menschen, und wir gehören heute dazu. Aber dann kommt auch schon die nächste Kurve und an jeder Kurve muss man um den Anschluss kämpfen, das hat man in den Radmarathons normalerweise kaum.

Gerade beschließe ich mit zwei weiteren Fahrern mich von der Gruppe abzusetzen und eine weiter vorne zu erreichen, da hören wir hinter uns Bremsen quietschen und fiese Geräusche. Offensichtlich ein Sturz in der Gruppe. Ein kurzer Blick zurück, aber auf die Schnelle sehe ich nichts, hoffentlich hat sich keiner ernsthaft verletzt.

Aber die Gedanken sind schnell wieder beim Kampf um den Weg nach vorne. Mittlerweile nimmt der Anteil der D-Block Starter ab und die meisten um uns herum haben C-Block Startnummern. Da wir Frankfurt schon hinter uns gelassen haben spüren wir jetzt ganz ordentlich den Gegenwind. Unerwartet zieht ein Typ mit Zeitfahrfahrrad inkl. eigentlich nicht erlaubten Zeitfahrlenkers vorbei. Ich kämpfe mich mit allem was ich habe dran und kämpfe um sein Hinterrad. Der Typ fährt wie eine Maschine. Ich muss oft deutlich über 300 Watt treten um dranzubleiben, in seinem Windschatten wohlgemerkt. Ziel ist eine größere Gruppe vor uns. Die sind zwar zu sehen aber noch ganz schön weit weg.

Während dem Kampf zur Gruppe hin schnupfen wir einige kleinere Gruppen auf, einzelne hängen sich dran, viele lassen wieder reißen, der Typ fährt wirklich brutal seinen Stiefel im Wind runter. Ich kämpfe bis zum umfallen um dranzubleiben, bis Kilometer 30 brauche ich Gruppen um nach vorne zu kommen, dann geht es berghoch. Ob ich dann noch Kraft habe? Egal, das Rennen ist nur hundert Kilometer lang, da muss man Vollgas geben von Anfang bis Ende.

Schließlich haben wir tatsächlich die große Gruppe erreicht, ich versuche dort ein bisschen zu verschnaufen. Einige B-Block Frauen haben wir überholt, und jetzt sieht man kaum noch D-Block Fahrer, neben den C-Block Startnummern sieht man auch ein paar vereinzelte B-Block Fahrer. Ich glaube wir sind ganz gut nach vorne gekommen. Bis hierhin ist es ein knapper 39er Schnitt geworden. Aber ab jetzt geht es berghoch, da wird sich das relativieren.

Ich beschließe genau so zu fahren wie ich immer am Berg fahre, 260 Watt und hohe Trittfrequenz, oder so ähnlich...

Klappt super. Trotz dem Gebolze bis hierher bin ich noch relativ fit, so dass ich mich weiter nach vorne orientiere, außerdem gibt es viele schnelle die keine Berge mögen, das hilft beim Überholen;)

Bei Kilometer 50 ungefähr müsste der höchste Punkt am Feldberg erreicht sein. noch sind es sieben Kilometer. Die Steigung ist zum Glück moderat, meist so gut 5%, so kann ich gut mit der Trittfrequenz die Leistung dosieren. Zwar habe ich die Bergkassette drauf, aber bis jetzt brauche ich die Miniübersetzungen nicht.

So ca. fünf Kilometer vor dem "Gipfel" kann ich sogar ein paar Fotos machen, das musste einfach sein. Bei dem Gebolze im Flachen geht das nicht, und in der Gruppe schon gar nicht, viel zu gefährlich.




Das Wetter ist klasse, die Sonne scheint etwas, die Temperaturen sind aber moderat. Berghoch mache ich sogar das Trikot auf. Und dann ist es endlich soweit noch 500 Meter bis zum Feldberg, noch 300, 100 und dann geht es endlich in die Abfahrt. Also auch berghoch hat es doch ganz ordentlich funktioniert, dafür dass ich noch keine Höhenmeter in den Beinen habe.

Die Abfahrt wird jetzt allerdings spannend. Ich fahre zwar mit dem alten 2010er Robaix Pro SL, mit dem ich 2010 den Ötzi gefahren bin, aber ich habe noch die neuen Laufräder reingemacht gestern. Die sind zwar schön steif, so dass ich 75 km/h fahren kann und mich sehr sicher dabei fühle, aber die Flanken der Felgen sind noch nicht eingebremst, so dass das Bremsverhalten noch so mittel gut ist.

Zum einen bin ich dadurch vor den Kurven etwas zu vorsichtig, zum anderen ist das Bremsverhalten nicht so exakt vorherzusagen. So verliere ich in den Kurven der Abfahrt immer wieder mal den Anschluss und muss mich mit Gewalt wieder rankämpfen an die vor mir liegenden. Insgesamt bin ich aber auch nicht ängstlich in der Abfahrt, der Sturz vom Veleta hängt mir also in dieser Hinsicht nicht nach, so dass ich insgesamt in der Abfahrt keine Plätze verliere.

Um mich herum fahren jetzt viele Block B Starter und Block C Starter und auch einige Starter aus dem A-Block. Das ist ein guter Ansporn.

Am Ende der Abfahrt geht es in eine weitere Steigung, hier reißt alles ziemlich auseinander. Insgesamt war die Abfahrt wirklich ok, die meisten haben ihre Linie gehalten, nur einmal hat mich jemand etwas geschnitten, und einmal bin ich etwas nach außen gekommen, weil ich's mit dem Bremsen nicht hinbekommen habe, aber alles im halbwegs grünen Bereich.

Auch an der zweiten Steigung kann ich noch meine Leistung einigermaßen bringen. Ich bin schon etwas erstaunt, ich hatte mir da doch deutlich weniger zugetraut. Tapfer quetsche ich auch zwei Engergie Gels in mich rein, obwohl ich keinen Hunger habe, das muss aber sein.
Am Ende der zweiten Abfahrt sind wir einige vereinzelte Fahrer in Sichtweite hinter einer größeren Gruppe. Zusammen mit einem anderen Fahrer versuche ich Anschluss zu finden. Er ist etwas stärker als ich, er wartet aber sogar nach einer Kurve auf mich, das Zusammenarbeiten ist auf jeden Fall effektiver. Im Wind arbeite ich so mit 350 bis 400 Watt, mehr geht in dem Moment nicht. Wenn er im Wind fährt muss ich kämpfen um dranzubleiben, gerade nach den Kurven. Da muss ich wirklich dran arbeiten, Kurventechnik und Abfahren...

Ich hatte schon nicht mehr dran geglaubt, noch ca. 15 Meter fehlen uns zum Anschluss (bei Tempo 40 ist das ganz schön viel), da kommt von hinten eine große Gruppe, saugt uns auf, und wir schwimmen mit bis an die Jungs vor uns, und eine riesige Gruppe geißelt jetzt durch die Dörfer.

Wenn es leicht bergab geht auch gerne mal mit 50 und mehr Sachen, am Straßenrand stehen immer wieder Leute und feuern uns an. Wirklich super. Ich weiß, dass ich das super finde, aber ich kriegs auch nicht so richtig mit, denn noch will ich weiter nach vorne und versuche am nächsten Anstieg vorne dranzubleiben, der ist irgendwie richtig steil, jedenfalls muss ich das kleinste Ritzel kurz bemühen, aber nur für ein paar Meter.

Die letzten Kilometer ist es vorzugsweise flach oder es geht nur leicht bergauf/bergab. Ich fahre in einer größeren Gruppe, und während ich anfangs in den Dörfern in den Kurven immer noch ordentlich Leistung abrufen muss um dranzubleiben, wird es in Richtung Eschborn hin immer mehr zum Rollen in der Gruppe.

Da die Gruppe so groß ist fährt man gut geschützt vor dem Wind. Gerne würde ich noch mehr reintreten, aber wenn man rausfährt in den Wind stellt man schnell fest, dass das keinen Sinn macht. Man fährt am Anschlag und ist trotzdem langsamer als die Gruppe, also locker mitrollen, auf die Hinterräder der Vorderleute achten und heil ins Ziel kommen. Irgendwann komme ich auch gar nicht mehr aus der Gruppe raus, weil es eng zu geht.

Und so fahren wir dem Ziel entgegen. Kurz hatte ich die Orientierung verloren, weil irgendwo ein 500m Schild stand, dass aber für eine Skaterstrecke dort angebracht war. Und als wir dann kurz vorm Ziel sind hätte ich es fast nicht bemerkt. Ein gestürzter liegt dort noch am Straßenrand, wird aber bereits versorgt, so rauschen wir vorbei. Ein Sprint macht irgendwie keinen Sinn, ein bischen ziehe ich nochmal an, und dann ist es vorbei. Mein erstes Radrennen. War doch geil.

Dann Transponder abgeben, eine Finisher Medaille gibt es auch, und in der Zielverpflegungstation hole ich mir noch ein Wasser und eine Banane.

Dann schnell umziehen und ab in die Stadt nach Frankfurt, denn gleich startet das Profirennen. Und so kann ich mir noch am Opernplatz die Zeit vertreiben, regeneratives Essen mit Crepes und Erdbeeren genießen und mit Anne und Marco den Zieleinlauf der Profis anschauen. Ein gelungener 1. Mai würde ich sagen.


Sonntag, 29. April 2012

Mein erstes Radrennen

Am 1. Mai ist es soweit, mein erstes Radrennen. Rund um den Henninger Turm, oder wie es mittlerweile heißt: "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt". Naja, über die Griffigkeit des Namens lässt sich streiten.

Aber egal, das Schöne ist, neben dem traditionellen Profirennen, das schon Legenden wie Gregor Braun bestritten haben, gibt es ein Jedermann Rennen. Und da ich bei Trondheim - Oslo wirklich Lust auf Radrennen bekommen habe, nutze ich die Gelegenheit, dass dieses Event in meiner Nähe stattfindet.

Ein kleineres Rennen hätte es sicher auch getan, aber so kann ich mir hinterher noch die Profis anschauen.

Allerdings wird das Ganze nur eine Trainingsfahrt mit Wettkampfmotivation, denn die ersten drei Monate des Jahres waren vom Training her nicht so toll und ich bin immer noch in der Grundlagenphase, nur zwei mal ein kleines bisschen berghoch gefahren, und weit weg davon im Taunus was zu reißen. Auch kein Tapering oder solche Späße, sondern einfach nur mitfahren.

Da man für die Zuordnung in den Startblock eine Durchschnittsgeschwindigkeit von einem Rennen angeben musste, ich aber noch keins gefahren bin, habe ich einfach den knappen dreißiger Schnitt vom Styrkeproven angegeben. Da das über 540 Kilometer ging habe ich zwei km/h draufgerechnet und mich mit 32 km/h angemeldet. Keine halbe Stunde  später hatte das jemand überprüft und mich in den 29er Block eingeordnet. Und das über 100 Kilometer, soo schlecht geht's mir nun auch wieder nicht. Aber egal, ich habe nicht diskutiert, ich will eh nur mal gucken wie das so ist.

Bei den Rennen geht es im Unterschied zu den Radmarathons ja angeblich hoch her, und die Sturzgefahr ist hoch, so werde ich erst mal locker mitrollen und mich aus dem Gewühl raushalten wenn es geht. Nur kann ich dann sicher kaum in die obere Hälfte reinfahren, denn bis sich in meinem Startblock mal was bewegt, sind die ersten schon am Feldberg.

Gemeldet habe ich für die 103 Kilometer Strecke, die hat so ca. 1300 Höhenmeter. Dreißig Kilometer relativ flach, dann 20 Kilometer bergauf, dann den Rest bis auf zwei kleine Bodenwellen wieder flach.

Ziel ist einzig und allein eine gute Trainingseinheit zu absolvieren und ein bischen Spaß zu haben, bzw. etwas Rennatmosphäre zu schnuppern.