Sonntag, 16. September 2012

Die nicht höchste Passstraße Europas

Es ist immer wieder faszinierend was Menschen tun um das Größte, Schnellste, oder eben auch Höchste für sich reklamieren zu können.

Wer auch immer die Idee hatte oben an einem Berg, der schon eine sehr hohe Passstraße hat, nochmal eine Schleife zu bauen um die "höchste Passstraße Europas" für den Col de la Bonette bzw. die Cime de la Bonette zu proklamieren, hatte dabei aber wohl kaum die Rennradfahrer im Blick.

Trotzdem profitieren gerade die davon, denn so gibt es einen weiteren Pass "den man gefahren haben muss". Wegen der weiten Anfahrt hatte ich dieses Passkonstrukt aber bis jetzt ausgelassen. Stattdessen bin ich 2009 den Col de l'Iseran gefahren, der mit 2764 Metern Höhe tatsächlich höchste Passübergang der Alpen. (Wobei man natürlich noch höher hinauskommt auf asphaltierter Straße, z.B. Gletscherstraße Sölden, das sind dann allerdings keine Pässe).

Da ich nun dieses Jahr wieder nach Granada fahren "muss", denn das jähe Ende meines letzten Aufenthaltes dort kann so nicht stehen bleiben, und ich keine 2500 Kilometer mit dem Auto durchfahren werde, nutze ich die Zwischenübernachtung um den Col de la Bonette in Angriff zu nehmen.

So bin ich heute nach knapp 1000 Kilometern Autofahrt inkl. Gegurke über den Col de Var (Pässe fahren mit dem Auto ist eine qual) in Jausiers, dem Startort für die Tour morgen, angekommen. Das Wetter ist perfekt, wenn es bis morgen so bleiben würde wäre das traumhaft.

Das Hotel ist ok und hat Internet, und beim Essen trifft das Klischee bei den Franzosen so zu wie bei den Italienern mit dem Cappuccino. Nur mit dem Frühstück morgen muss ich mal schauen. Wahrscheinlich werde ich mit einem Milchcafe und einem Croissant in den Aufstieg starten. But so what!





Der Col de la Bonette wird überhaupt der erste Pass für dieses Jahr den ich erkunde. Der Glockner ist ja eher so mein Hausberg, alle anderen neuen Anstiege bin im ich Rahmen eines Rennens oder Marathons gefahren, da nimmt man ja nicht so viel von der Landschaft wahr.

Ich freue mich also sehr darauf, werde morgen aber möglicherweise zwischendurch mal ganz schön fluchen, denn die Col de la Bonette / Cime de la Bonette Kombi hat es schon in sich. Vor allem am Schluss nochmal ein Kilometer mit 14% das wird hart.

Samstag, 15. September 2012

Statistik 12. Schottener Bergzeitfahren

Kilometer: 7,9 km
Zeit: 0:19:20,69 h
Schnitt: 24,5 km/h
Höhenmeter: 330 (offiziell 300)
Durchschnittliche Temperatur: 12,4°C
Durchschnittlich getretene Leistung an der Kurbel: 403 Watt
Rückstand auf den Sieger: 3:00,36 min
Rang Gesamt: 25 (von 158)
Rang Sen. II Jedermann: 10 (von 32)
Durchschnittlicher Puls: 175 (max 186)
Durchschnittliche Trittfrequenz: 96
Maximale Leistung an der Kurbel: 722 Watt

Fahrrad:
Rahmen: Specialized Roubaix SL3 2011
Laufräder: Mavic R-SYS SL 2012 mit Tune Schnellspanner DC 14
Schaltung: Shimano Dura Ace 7970 Di2 mit
SRM - Dura Ace 7950 Kompakt 34/50 vorne, SRAM (MTB) XX Kassette 11-32 hinten
Bremsen und Kette: Shimano Dura Ace 7900
Pedale: Shimano Dura Ace SPD-SL
Lenker: Syntace Racelite CDR 7075 Alu
Sattel: Selle SMP Avant
Radcomputer: SRM Powercontrol 7 und Garmin Edge 800 

Fahrradgewicht: 8,5 kg inkl. Luftpumpe und Radcomputer
Fahrergewicht: 76,40 kg
Kleidung und Nahrung: 2,1 kg
Gesamt(system)gewicht ca. 87 kg

12. Schottener Bergzeitfahren "Auf den Vulkan"

Heute steht nun also der wahrscheinlich letzte Wettkampf der Saison 2012 auf dem Programm. Ein Bergzeitfahren über 7,9 Kilometer mit offiziell 300 Höhenmetern.

Schon letztes Jahr habe ich daran teilgenommen. Die Strecke ist mir also bekannt. Auch Marco hatte sich angemeldet, so dass wir zusammen dorthin gefahren sind. Unsere Startzeiten lagen nur sechs Minuten auseinander, das passte also perfekt.

Zwei Rennboliden warten auf Ihren Einsatz

Die Atmosphäre in Rudingshain, wo die Startrampe aufgebaut ist, ist sehr entspannt. Auch die Stimmung unter den Fahrern ist locker und freundlich. Das hatte mich beim Kriterium "Rund um das Stadttheater" in Gießen ja etwas irritiert, dass alle so verbissen waren dort.

Die Organisation klappt ebenso gut wie letztes Jahr, und nachdem ich mich eine gute Viertelstunde auf der Straße von Rudingshain nach Schotten warmgefahren habe stehe ich um 14:52 Uhr am Start.

Warmfahrstrecke

Die Temperatur ist mit knapp 13 Grad C nicht gerade sommerlich, aber es ist trocken und nicht so windig wie letztes Jahr, also optimale Bedingungen.

Startrampe

Da ich es bis gestern einfach vergessen hatte, musste ich mich heute morgen entscheiden, entweder noch die Lightweights montieren oder Fitnessstudio. Ich entscheide mich für's Fitnessstudio und stehe nun mit den R-SYS SL am Start. Für den ersten Abschnitt der Strecke sicher kein Nachteil, ob ich im flacheren Schlussteil dadurch einen Nachteil habe weiß ich nach den bisherigen Erfahrungen nicht so recht. Einen wirklichen Vergleichstest mit Leistungsmessung unter vergleichbaren Bedingungen bin ich noch nicht gefahren.

Vorgenommen habe ich mir für heute natürlich auf jeden Fall mich zu verbessern gegenüber letztem Jahr. Da war ich zum Saisonende ziemlich gut in Form und bin 00:20:22,68 h mit einer durchschnittlichen Leistung von 338 Watt gefahren. Allerdings bin damals etwas zu vorsichtig angegangen.

Ich setze mir als Ziel die 19-Minutenmarke (also 00:18:59h) und denke, dass ich da so einen Schnitt von 360 bis 380 Watt leisten muss.

Da ich der Kurbel nicht traue beschließe ich laut Anzeige so 380 bis 390 Watt zu treten, dann sollte ich wohl in dieser Region liegen.

Als das Startsignal kommt haue ich auch ordentlich rein, aber schon nach ein paar Metern denke ich , oje wie elend anstrengend ist das denn?, das wird hart heute. Aber ein paar hundert Metern weiter hat sich der Körper vom Schock erholt und die Systeme regeln sich ein.

Ich trete so um 420 Watt laut Anzeige. Ich ändere spontan meinen Plan und versuche das zu halten, bzw. nicht unter 400 zu kommen. Also die Kurbel übermittelt bestimmt zu hohe Werte, zumindest gegenüber der alten Kurbel mit der ich letztes Jahr gefahren bin.

Die Strecke ist mir ja noch einigermaßen in Erinnerung. Spektakulär ist sie nicht, aber es geht schon ganz brauchbar bergauf. Ein Ziel ist es, bloß nicht vom nachfolgenden Starter eingeholt zu werden, und vielleicht den einen oder anderen der in 30 Sekunden Abständen vor mir gestarteten aufzuschnupfen.

Aber auf den ersten Kilometern sehe ich erst mal keinen vor mir. Dann aber so bei Kilometer drei kann ich einen der anderen Fahrer vor mir sehen. Ich bin  nicht sehr viel schneller, aber ich nähere mich schon.

Noch immer versuche ich die Wattanzeige über 400 zu halten, was auch ganz gut klappt. Ich glaube ich habe eine ganz gute Pace gefunden, die ich bis zum Ziel durchhalten kann. Ein paar Zweifel bleiben natürlich, ob ich nicht irgendwo einbreche, aber mein Gefühl sagt "passt schon".

Dann biegt man rechts ab und kommt auf den zweiten Abschnitt der Strecke. Hier zieht die Steigung jetzt erst mal an. Da ich aber mittlerweile weitere Fahrer vor mir habe, merke ich das gar nicht so, sondern versuche nur die Leistung kontstant zu halten. Da ich durch die große Bandbreite der Kassette recht große Sprünge zwischen den einzelnen Gängen habe, muss ich manchmal wechseln zwischen Leistung über die Trittfrequenz oder Leistung über mehr Kraft.

Das klappt aber ganz gut. Auch wenn ich jetzt so langsam in den Bereich komme, wo man mit dem Kopf die Beine überstimmen muss, und sich zwingen muss die Leistung zu halten.

Der vor mir gestartete Fahrer ist nicht mehr weit weg, überholt seinerseits erst  einen Mountainbiker (der zählt nicht, er ist auf 30 Minuten Kurs) und dann einen weiteren Rennradfahrer. Ich passiere die beiden ebenfalls und kann schließlich als die Steigung etwas nachlässt auch den vor mir gestarteten Fahrer einsammeln.

Jetzt wird es recht flach, sogar leichtes Gefälle und es ist wirklich hart die Leistung zu halten. Dann kommt nochmal etwas Steigung, hier trete ich nur noch um die 380 Watt laut Anzeige. Aber im abfallenden Schlussstück gebe ich nochmal was drin ist, immer über 400 Watt. Jetzt brennt es in der Lunge, der Puls ist bei 186, im Mund habe ich einen seltsamen Geschmack, Zeitfahren eben.

Dann noch 200 Meter, und es ist geschafft. 00:19:20 h irgendwas sagt der Sprecher. Die 19 Minuten Marke zwar nicht geknackt, aber ok. Das war trotzdem vom Pacing her schon richtig gut. Eine Spur mehr wäre vielleicht gegangen, aber ich bin auch ordentlich geschafft. Viel habe ich nicht verschenkt. Außerdem unter 20 Minuten und eine Minute besser als letztes Jahr.

Vor allem aber bin ich ziemlich froh, dass ich 186 als Maximalwert auf der Pulsuhr des Radcomputers stehen habe. Denn mit zunehmendem Alter sinkt der Maximalpuls und es schien so, als ob ich dieses Jahr wieder zwei Schläge weniger haben sollte, aber das ist nun offensichtlich nicht so, sehr schön.

Zusammen mit Marco, der auch mit seiner Zeit zufrieden ist, vielleicht sogar noch etwas schneller hätte fahren können, aber eben im Gegensatz zu mir die Strecke noch nicht kannte, fahre ich die gleiche Strecke zurück. Immer wieder interessant zu beobachten, mit welch unterschiedlicher Intensität die Teilnehmer die nach uns gestartet sind, die Strecke angehen, und wie unterschiedlich die an den etwas steileren Passagen fahren.

Alles in allem ein schönes Event zur Einstimmung auf den Saisonabschluss. Ich freue mich jetzt sehr auf den Col de la bonette und den Pico Veleta.

Peakbreak "Nachlese" Nachlese

Nachdem ich gestern noch ziemlich schlecht drauf war und sogar die Trainingsrunde mit Marco abgebrochen habe, haben wir erst mal einen Milchkaffee getrunken und etwas geplaudert. Auf dem Rückweg nach Hause hatten wir dann heftigen Rückenwind und wir haben noch mal ordentlich Gas gegeben, da konnte ich regelrecht spüren wie die Wut und der Frust verflogen sind. Radfahren ist schon ein ziemlich vielseitiges "Heilmittel".

Heute hat mir dann Manfred, der Blogger bei dem ich den Bericht über den Sturz gelesen hatte, eine sehr nette Email geschrieben und er hat den Eintrag um einen Kommentar mit einem Link zu meiner Sichtweise des Sturzes ergänzt.

Jetzt ist es für mich endgültig abgehakt. Der fortdauernde Heilungsprozess und etwas schmerzende Hände werden mich zwar noch manchmal daran erinnern, aber mental ist es jetzt endgültig verarbeitet. Und auch das Abfahren wird sich wieder bessern, davon bin ich überzeugt. Am Pico Veleta werde ich sicher Gelegenheit haben daran zu arbeiten.

Freitag, 14. September 2012

Peakbreak "Nachlese"

Leider muss ich nochmal was zum Peakbreak und dem Sturz schreiben. Auf der Peakbreakwebsite ist ein Blog verlinkt in dem Manfred einer der Teilnehmer zur sechsten Etappe auch auf den Sturz Bezug nimmt.

Dort schreibt er,  "ich erfuhr später dann, dass der Fahrer seinen Sturz selbst verursachte, als er einem anderen Fahrer auf das Hinterrad auffuhr".

Als ich das gestern gelesen habe bin ich fast explodiert. Ich habe erst versucht mich zu beruhigen, dann in einem heftigen Anfall von Autoaggression soviel gegessen wie seit einem Jahr nicht mehr, um mich dann ins Bett zu legen, ewig nicht einzuschlafen, heute morgen um vier Uhr wieder aufzuwachen, bis neun Uhr wach zu liegen und mich so unbändig zu ärgern, dass ich nicht arbeiten gehen konnte und mir erst mal den Frust von der Seele schreiben muss.

Da Manfred sowas ja nicht aus der Luft greift muss er das von irgendjemandem gehört haben. Also muss es einen geben der es erzählt hat, und der einzige, der so etwas behaupten konnte, ist ja wohl der Fahrer der mich umgefahren hat.

D.h. der Typ hat mich nicht nur völlig dämlich auf einer kerzengeraden Abfahrt umgefahren, ist dann nicht mal stehengeblieben, war nicht nur zu feige sich hinterher zu melden, oder sich gar zu entschuldigen, nein, zur Beruhigung seines eigenen Gewissens erzählt er auch noch solch einen Bullshit herum.

Wenn er jetzt vor mir stehen würde, würde ich ihm echt an den Kragen gehen.

Ich muss sofort aufhören zu schreiben, sonst bereue ich was ich hier reinschreibe, ich bin unfassbar wütend. Die Vorfreude auf den Saisonablschluss ist komplett dahin. Ich bin so wütend.

Sonntag, 9. September 2012

Rund um das Stadtheater Gießen

Heute morgen auf dem Weg zum Frühstück treffe ich Marco am Stadtheater. Und entschließe mich spontan doch für das Radrennen "Rund um das Theater" zu melden.

Zwar ist ein 20 Kilometer langes, flaches Kriterium ungefähr genau das Gegenteil von dem was ich sonst so fahre, aber wenn so eine Veranstaltung schon mal bei mir vor der Haustür stattfindet, und auch noch bei strahlendem Sonnenschein, dann muss man das einfach nutzen.

Blöd nur, dass ich gestern das erste mal seit längerem wieder Beine im Fitnessstudio trainiert habe und anschließend 175 Kilometer mit 250 Watt im Schnitt gefahren bin. Eigentlich sollte ich mich heute also besser erholen.

Anyway, ich werde ein bisschen mitrollen, die Fahrt durch das abgesperrte Gießen genießen und hoffen, dass ich sturzfrei durchkomme. Die restlichen Teilnehmer scheinen durchweg deutlich jünger zu sein und alle in Radsportvereinen organisiert. Meine Ziel ist also nur, nicht überrundet zu werden.

Ich freue mich trotzdem drauf. Anschließend dann man bei den Elitefahrern noch ein bisschen schauen wie die mit einem 50er Schnitt da um die Ecken schießen...

[Update 22:00 Uhr]

Um 16:50 Uhr ist es dann soweit, der Startschuss zu meinem ersten Kriterium. Ich weiß natürlich, dass es mein Hauptziel ist nicht Letzter zu werden, aber ich denke mir, wenn ich vorne dranbleiben kann und nicht abreißen lasse, kann ich vielleicht auch mithalten.

Blöd nur, dass für mich schon vor der ersten Kurve alles gelaufen ist. Beim Start komme ich nicht richtig ins Pedal und als ich drin bin ist schon alles vorbei, ich fahre als Letzter dem Feld hinterher. Wie peinlich ist dass denn.

Ich trete zwar ordentlich rein, aber da noch an die Gruppe ranfahren, dass kann man komplett vergessen. Alleine im Wind kämpfe ich die ersten Runden, schon etwas frustrierend. Dann hole ich einen ein, der hat reißen lassen. Der hängt sich an mich dran, und ich hoffe wir können zu zweit uns vielleicht an die Gruppe ran arbeiten, aber er hängt nur im Windschatten. Einmal zwinge ich ihn vorbeizufahren, aber der fährt total langsam, strengt sich nur an wenn er in meinem Windschatten ist. Mist.

Irgendwann kann ich ihn abschütteln, und dann überholt mich der Führende, der sich wohl von der Gruppe abgesetzt hat. Ich hänge mich dran und fahre von nun an immer am Hinterrad des Führenden. Manchmal "attackiere" ich, um zu sehen was der denn so an Leistung raushaut. Er überholt mich schon wieder, aber der Unterschied ist nicht gerade groß. Also absetzen kann ich mich nicht. So bleibe ich hinter ihm und wir überholen einen weiteren Fahrer, der hat reißen lassen und noch einen weiteren, der sich aber hinten dranhängt.

Ich habe völlig den Überblick verloren wieviele Runden wir denn nun gefahren sind. Während es sich anfangs schon nicht so gut angefühlt hat in den Beinen, weil ich ja auch ordentlich überpacet habe um vielleicht an die Gruppe ranzufahren, fühle ich mich jetzt so langsam wohl, aber da sind es dann laut Sprecher nur noch vier Runden zu fahren.

Eine Runde später treffe ich dann auf Marco und überhole noch einen weiteren Fahrer. Schließlich in der letzten Runde übersprintet mich der Typ der noch am Hinterrad hing, ich halte allerdings auch nicht dagegen, ist mir dann auch egal.

Also das war zwar mein erstes Kriterium, aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Viertletzter von zwanzig Fahrern, schon recht enttäuschend. Vor allem weil ich schon in der ersten Runde alles vergeigt habe. Bei dem (relativ) hohen Tempo, von knapp 40 km/h im Schnitt hat man alleine im Wind nicht den Hauch einer Chance an die Gruppe ranzukommen.

Aber so war's halt, nächstes mal besser machen. Immerhin hatte ich die Unterstützung der Edelfans in Minimalbesetzung. Und gestürzt bin ich auch nicht.

[/Update]

Mittwoch, 5. September 2012

Sitzpositionsanalyse bei CycleFit

Nach der Absage des Alpenbrevet war erst mal die Luft raus. Zwar bin ich noch den ein oder anderen Kilometer gefahren, aber zum Teil sogar ohne Leistungsmessung, und auch ohne Trainingsziel. Für mich eher ungewöhnlich.

Heute aber hatte ich einen Termin auf den ich mich schon lange gefreut habe. Denn auch wenn ich den Ötzi ohne jegliche Probleme an den Kontaktpunkten gefahren bin, und auch wenn ich die fast 750 gefahrenen Kilometer des Schweizer Radmarathon ganz gut überstanden habe, so wollte ich mir doch nochmal ein Feedback holen von jemandem der viel Erfahrung mit der Biomechanik auf dem Rad hat und vor allem viel Kontakt zur Praxis, also den Leuten die dann auch wirklich viele zehntausend Kilometer auf dem Rad verbringen, sprich Profis und Topamateure.

Durch einen Artikel in einem Radmagazin und etwas Internetrecherche bin ich auf CycleFit in Bensheim gekommen.

Die haben, wie sich heute auch im Gespräch bestätigt hat, gute Kontakte in der Radbranche, und vor allem arbeiten die auch mit Radprofis zusammen. Also genau das was ich gesucht habe. Abgesehen davon hat mich Retül als unterstützendes Analysewerkzeug doch sehr interessiert. Mir schien, dass das nochmal mehr bringen könnte als eine normale Videoanalyse.

Das meine Position auf dem Rad prinzipiell schon ganz brauchbar ist hatte ich durchaus erwartet, denn wie gesagt beim Ötzi, der ja doch eine ordentliche Belastung darstellt hatte ich keine Probleme, aber gerade im Bereich Füße und Pedalplatteneinstellung war ich mir nicht so sicher, bzw. hatte ich im Training auf längeren Touren immer mal wieder kleine Probleme, die ich gerne abstellen wollte.

Die optimale Radschuheinlage habe ich auch noch nicht gefunden, weder bei footpower (Gießen) noch bei Schuhbert (Brixen), wobei letztere deutlich besser waren. Die Schuhbert bin ich auch bei allen Wettkämpfen gefahren.

So haben wir heute morgen nach einer Tasse Kaffee mit der Analyse begonnen.  CycleFit das ist Britta und Lloyd Thomas. Und Britta stellt auch gleich fest, dass ich etwas versetzt auf dem Sattel sitze, was vor allem von der Fußstellung links herrührt.

Auf dem Teststand mit der Retülverkabelung

So werden nach und nach die vorhandenen Schuhbert Einlagen mit zusätzlichen "Keilen" optimiert. Ebenso wird die Schuhplattenposition korrigiert und links sogar mit einem Spacer noch etwas erhöht. Auch die Sattelposition wird in der Höhe ebenso etwas korrigiert wie im Abstand zum Lenker.

Auf dem Monitor kann man sehen wie effizient und gleichmäßig der Tritt ist.

Auch die Regenschuhe, bzw. Winterschuhe werden entsprechend bearbeitet, und nachdem das SL3 Roubaix eingestellt ist nehmen wir uns dem neuen Cannondale Supersix Evo an. Da ist zwar noch nicht die richtige Gruppe drauf und auch der Lenker wird noch getauscht, aber die prinzipielle Sitzposition lässt sich schon festlegen, und da der Vorbau und Lenker identisch sein werden mit dem Roubaix kann ich die richtige Position dann einstellen.

Britta Thomas beim Einstellen der Sattelpositon

Das ganze geschieht in lockerer, entspannter Atmosphäre und dauert letztlich fast viereinhalb Stunden. Auch wenn die Veränderungen an der Sattelposition nicht riesig sind, so sind die Veränderungen doch spürbar. Vor allem die Anpassung der Einlagen und der Pedalplatten sind aber deutlich spürbar.

Auf dem Teststand habe ich meist so um 200 Watt getreten, was gut zu meinem GA1 Bereich passt. Das hat sich sehr gut angefühlt. Testen muss ich jetzt natürlich auf längeren Trainingsfahrten und vor allem bei richtiger Belastung am Berg. Ein Bergzeitfahren habe ich noch, mit ca. 20 Minuten und deutlich über 300 Watt, und dann den Saisonabschluss am Pico Veleta, da wird sich zeigen ob die Veränderungen sich auch positiv auswirken und hoffentlich meine Leistungsfähigkeit noch etwas erhöhen, oder ob noch was zu korrigieren ist usw.

Ich hatte zunächst jedenfalls mal einen sehr guten Eindruck von der Vorgehensweise und von den technischen Hilfsmitteln die eingesetzt wurden. Entscheidend ist aber letztlich vor allem was der bzw. die SitzpositionsanalytikerIn sieht, und wie das gesehene und gemessene in Optimierungen umgesetzt wird. Hier verlasse ich mich erstmal auf die Erfahrung von CycleFit und werde die nächsten Fahrten abwarten. Meine Beobachtungen und Eindrücke werde ich sicherlich hier im Blog posten.