Samstag, 27. Juni 2015

Albula und Julier

Heute stehen zwei gestandene Alpenpässe auf dem Programm. Macht Vier Auffahrten und so geschätzte 3800 bis 4000 Höhenmeter. Mit Julier und Albula habe ich mir zwei Pässe ausgesucht die jeweils eine recht lange und eine recht kurze Seite haben.

Da es um halb acht Frühstück gibt im Hotel habe ich mir den Wecker auf sieben Uhr gestellt, aber ich bin schon um viertel nach sechs wach und so setze ich mich ohne Frühstück auf’s Rad.

Da die Julierpassstraße direkt an meiner Unterkunft in Silvaplana beginnt fahre ich erst ein Stück in Richtung Malojapass, drehe dann um, und nach einer kurzen Kalibrierung vom Leistungsmesser geht es los. Direkt am Kreisel starte ich die Zeitmessung.

Diese Seite des Julierpasses ist nur gut sieben Kilometer lang, dabei überwindet man aber immerhin 469 Höhenmeter.

Zunächst geht es im Dorf recht steil nach oben. Oberhalb von Silvaplana folgen ein paar Serpentinen, so dass man sich immer höher über den See schraubt und jedesmal mit einer besseren Aussicht belohnt wird.

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Dann ist Schluss mit Serpentinen und die Straße führt jetzt recht gerade nach oben, zunächst noch durch bewaldetes Gebiet, dann wird die Landschaft etwas kahler, bleibt aber noch grün. Dafür flacht es auch mal etwas ab. Es gibt leichten Gegenwind, aber alles im Rahmen.

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Auch ohne Frühstück sind die Beine gut. Da ich gerade von Shimano auf Look Pedale umstelle um mit der Leistungsmessung etwas flexibler zu werden, war ich ein bisschen besorgt, denn meine rechte Wade hatte die Look Experimente zu Hause auf dem Kickr mit dem Roubaix SL4 nicht so gemocht. Nun aber auf dem Cannondale SuperSix Evo mit unveränderter Einstellung und Shimano Pedalsystem ist alles in Ordnung.

Da die Straße so wenig Kurven hat, fühlt es sich etwas anstrengender an, aber ich komme ganz gut voran, auch wenn es zwischendurch immer mal wieder ordentlich steil ist. Der Leistungsmesser zeigt etwas komische Werte an, das nervt etwas, ich werde dazu in einem separaten Post mal meine Erfahrungen mit den diversen Leistungsmessern und deren Herstellern veröffentlichen, das ist wirklich eine ganz eigene Geschichte wert.

Anyway, da ich ja gestern bei der Anreise mit dem Auto schon aus der anderen Richtung über den Julierpass musste (mit dem Auto über Passstraßen fahren macht keinen Spaß), freue ich mich auf die Baustelle die vor mir auftaucht, denn jetzt kann die Passhöhe nicht mehr weit sein.

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So ist es dann auch. Der erste Anstieg für heute ist in gut 29 Minuten bewältigt. Es ist noch nicht mal acht Uhr. Das war schön, auch wenn es doch erstaunlich viel Verkehr schon um diese Uhrzeit gab.

Zu meiner Überraschung hat der Kiosk an der Passhöhe schon geöffnet und so gönne ich mir einen Cafe und eine kleine Nussschnitte. Das sollte für die Abfahrt mit den Gegenanstiegen reichen, eventuell kann ich ja in Tiefencastel noch ein Brötchen essen. Ist ja kein Rennen sondern Genussfahrt.

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Jetzt geht es aber erst mal bergab. Ich bleibe drei-, viermal stehen für einen Fotostopp, ansonsten lasse ich das Rad laufen. Allerdings werde ich dabei nicht besonders schnell, denn es herrscht jetzt doch ein ganz ordentlicher Gegenwind. Wenn das nachher beim Aufstieg auch so schiebt, dann natürlich von hinten, ist mir das nur recht.

Die Abfahrt zieht sich ganz schön. Zum einen ist sie ca. 35 Kilometer lang, zum Anderen gibt es einige flache Passagen wo ich ganz ordentlich gegen den Wind treten muss. Außerdem ist ein Gegenanstieg am Anfang des Stausees zu bewältigen.

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Kurz vor dem Tunnel mache ich noch einen Fotostopp. Dabei werde ich von zwei Bussen und einem Auto überholt. Sehr dumm, denn nach dem Tunnel kommen Serpentinen und ich hänge jetzt hinter den Bussen. Da am Julierpass sehr viel Verkehr herrscht gibt es keine Gelegenheit zu überholen. Dann aber ist die Ampel rot an der Baustelle kurz vor Mulegns. Ich rolle außen vorbei, und gerade als ich vorne bin springt die Ampel auf grün. Sehr gut.

Durch das Dorf hindurch kann ich etwas Vorsprung aufbauen, dann aber geht es doch recht flach mit leichtem Gegenwind weiter. Ich gebe jetzt richtig Gas, denn ich will unbedingt verhindern, dass mich die Busse wieder überholen bevor es in die nächsten Serpentinen geht.

Es ist allerdings ganz schön lange flach. Hoffentlich verschieße ich hier nicht zu viele Körner, denn ich habe diesen Teil in meinen Plänen ja als eher lockere Abfahrt gewertet. Und noch liegen drei nennenswerte alpine Anstiege vor mir…

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Die Busse tauchen aber nicht mehr auf. So kann ich die letzten Kilometer der Abfahrt sehr genießen, vor allem da es nun wieder steiler bergab geht und ich nicht mehr so viel „arbeiten“ muss. Nach 56 Minuten erreiche ich den Kreisel am Ortseingang von Tiefencastel, wo Julier- und Albulapassstraße sich treffen.

Da ich keinen großen Hunger habe und es noch früh ist, beschließe ich auf der Albula Passhöhe oder in La Punt richtig zu frühstücken.

Der Albula Pass wird bei quäldich.de ab Filsur gerechnet und hat dann knapp 22 Kilometer Länge, allerdings beginnen die Kilometersteine in Tiefencastel und auch Geser rechet in seinem Pässebuch ab dort. Ich halte es mit der langen Variante, dann sind es gut 30 Kilometer bis zu Passhöhe.

Zunächst geht es eine Rampe hoch, vertretbare Steigungsprozente, aber ich muss jetzt erst mal wieder in den Bergauffahrmodus schalten. Dann flacht die Straße ab und die erste Baustelle taucht auf. Die Ampel ist aber grün, so dass ich durchziehen kann. Allerdings muss ich ein paar Meter durch den Schotter fahren, aber alles unproblematisch.

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Meine Trinkflaschen mit dem geliebten Sponser Competition hatte ich bis jetzt noch nicht angerührt, nun fange ich aber an zu trinken, denn nur ein kleiner Cafe ist sicher nicht genug Flüssigkeit für mein heutiges Vorhaben…

Die Strecke bis Filsur enthält viele flache Passagen, so kann man sich für die schweren Passagen schonen oder Tempo aufnehmen, je nach Lust und Form.

Die Landschaft ist schöner als am Julier, und schon früh trifft man auf die Räthische Bahn, die die Passstraße über weite Strecken begleitet. Nach einem idyllisch gelegenen Golfplatz geht es etwas bergab hinunter bis Filsur. Dann steigt die Strecke erst mal ordentlich an.

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Der sanfte Start wirkt etwas einschläfernd, so dass man zunächst gar nicht so recht steilberghoch fahren mag, aber das ändert sich schnell. Ich kann noch drei Radfahrer überholen, die ersten die ich für heute sehe, aber eher so Randonneure, auch vom Tempo her.

Die Landschaft ändert sich und die Albula nähert sich der Straße. Nach der nächsten Baustelle mit einer kurzen Schotterpassage aber ohne Ampel zieht die Steigung an und man nähert sich einer engen Schlucht. Ein sehr schöner Streckenabschnitt mit überhängenden Felsen und toller Aussicht.

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Auch nach dieser Passage bleibt die Strecke recht steil. Nachdem die Eisenbahn in einem Tunnel verschwindet fährt man aber recht flach auf Bergün zu. Innerhalb des Ortes gibt es dann ein recht steiles Stück mit ruppigem Kopfsteinpflaster, aber nur so zweihundert Meter, aus dem Dorf raus geht es dann erst mal wieder flach weiter.

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Das Wetter ist fantastisch. Es hatte sich schon heute morgen abgezeichnet, obwohl ich so bei ca. 7° C gestartet bin. Auch jetzt ist es noch kühl, aber das ist mir nur recht, dieses Jahr mag ich keine Hitze, da fahr ich lieber bei unter 10° C. Jetzt ist es aber schon wärmer.

Als die Straße wieder steigt geht es vorbei an einem kleinen Wasserreservoir. Man gewinnt nun wieder deutlich schneller Höhenmeter, was es auch anstrengender macht. So langsam merke ich schon, dass ich schon eine Weile unterwegs bin. In diesem Abschnitt kreuzen sich Passstraße, Bahngleise und Albula mehrmals. Die Züge fahren über Viadukte, man überquert mehrere Brücken, eine sehr schöne, wenn auch anstrengende Passage.

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Die Steigung gibt dann zwar etwas nach, wird aber nicht mehr so flach wie zuvor. Auch wird der Belag nun deutlich schlechter, recht holprig. Man durchquert das Dorf Preda und die Steigung gibt nicht nach. Es geht vorbei an einem schön schimmernden Bergsee.

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Man verlässt nun zusehends das bewaldete Gebiet, dabei bleibt die Straße steil und führt recht gerade nach oben, ohne entlastende Serpentinen. Die Landschaft ist sehr schön, aber ich hätte jetzt nicht schlecht Lust auf die Passhöhe…

Aber es geht weiter kurvenarm bergauf, die Landschaft wird nun karger. Mit hoher Geschwindigkeit überholen mich ein paar Freizeitmotorsportler unter lautem Getöse. Einer fährt wirklich sehr knapp mit hoher Geschwindigkeit an mir vorbei, ich bin kurz sauer und zeige es ;) Keine hundert Meter weiter stehen die Jungs an einer Baustellenampel. Leider springt gerade auf grün als ich ankomme, so dass wir kein sachliches Gespräch führen können…

Nachdem eine schmale Brücke passiert ist, geht es weiter recht gerade steilberghoch. Die ersten kleinen Schneefelder liegen am Straßenrand. Nun überholen mich dutzende Aston Martin mit kreischenden Motoren. Der Aston Martin Club Schweiz hat heute hier seine jährliche Ausfahrt. Die Autos sehen cool aus, der Sound zerstört allerdings etwas das Bergidyll.

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Und dann nach einer kleinen Kurve und weiterem geraden Anstieg ist endlich das Passhospiz zu sehen. Nur noch wenige hundert Meter. Das kommt mir gerade recht. Und so erreiche ich nach 1:42 h die Passhöhe. Natürlich gibt es auch hier wieder ein Passschildfoto. Da ich nicht so hundert Prozent sicher bin, was sich mir in La Punt für Frühstücksmöglichkeiten bieten nehme ich im Hospiz einen Milchcafe und eine Apfelschorle, bezahle brav meine 10 Franken, und, nachdem ich noch ein paar Fotos von den Aston Martin gemacht habe die dort versammelt sind, mache ich mich in die Abfahrt.

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Bis La Punt sind es nur neun Kilometer, aber immerhin über 650 Höhenmeter, dementsprechend flott ist die sehr sehr schöne Abfahrt. Weil ich sie genießen will mache ich nur einen Fotostopp. Und nach knapp 14 Minuten inkl. Warten am Bahnübergang bin ich unten.

Unweit vom Beginn der Passstraße finde ich eine Bäckerei. Hier sind die Preise fair. Ich kaufe mir zwei Brötchen, vom Cafe habe ich aber genug. Ich will auch nicht lange hier sitzen. Ich mampfe die zwei Brötchen, teile sie mir mit den Spatzen die um mich herumhüpfen und starte dann in den dritten Anstieg des Tages.

Auch wenn er nur neun Kilometer lang ist, so gibt es doch ordentlich Kurbelarbeit zu leisten. Kurz nach dem Start überquert man einen Bahnübergang und dann beginnen auch schon die Serpentinen mit denen man sich immer weiter über La Punt hochschraubt.

Die Aussicht ist klasse, auch wenn es nun doch ein ganzes Stück wärmer ist und zunächst keinerlei entlastende Abschnitte kommen. Es reiht sich Serpentine an Serpentine und mein Wunsch, dass ich dieses Stück bald hinter mir lasse wird mit einer langen geraden bestraft, die eben genauso steil ist. Nochmal ein Blick zurück ins Tal, dann verlasse ich den bewaldeten Teil und die Straße führt kurvenarm in schroffere hochalpine Landschaft.

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Auch nach der nächsten leichten Kurve geht es ziemlich gerade weiter bergauf. Dabei stellt sich etwas Gegenwind entgegen. Mittlerweile kommen mir doch einige Rennradfahrer entgegen. Hier am Albulapass ist also auch an Wochentagen einiges los. Allerdings mehr Spaßverkehr mit Autoclubs, Motorradrudeln und eben Radfahrern.

Die Straße flacht etwas ab, zieht dann aber nach einer weiteren Kurve nochmal richtig an. Vor mir kann ich zwei Moutainbiker ausmachen, die habe ich in der Abfahrt schon aufsteigen gesehen. Jetzt bieten sie mir ein schönes Motivationsziel. Am Ende der Steilstufe habe ich sie überholt, jetzt flacht die Straße ab, und es geht mit nur geringer Steigung noch so ein, zwei Kilometer bis zum Hospiz, das in der Ferne schon zu sehen ist.

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Ich gebe nochmal ein bisschen Gas, kann dabei aber die Landschaft genießen und vor allem die zweite Ankunft am Albulapassschild für heute, 42 Minuten hat es von dieser Seite gedauert. Natürlich gibt es wieder ein Foto. Einkehren will ich aber nicht, auf 5 Franken-Cafe habe ich keine Lust, ich will ja eh in Tiefencastell zu Mittag essen.

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In der Abfahrt gönne ich mir ein paar Fotostopps. Versuche aber eher einen schönen Abfahrtsrhythmus zu finden, was mir aber nicht ganz gelingt, die Strecke gibt es nicht so her, an der Baustelle muss ich stehen bleiben, dann die Holperstrecke, nach der engen Schlucht geht es aber bis Filsur recht gut. Ab da muss ich dann richtig arbeiten, da es ja auch teilweise etwas berghoch geht, so das ich ganz froh bin als ich Tiefencastell endlich erreicht habe. Die Abfahrt dauert zehn Minuten länger als der Aufstieg von La Punt, die Anstiege des Albula sind doch recht unterschiedlich.

In Tiefencastell gönne ich mir ein richtiges Mittagessen, bis jetzt habe ich nur die Nussschnitte am Julier Kiosk und die zwei Brötchen vom Bäcker gegessen. Jetzt folgt ja ein 35 Kilometer langer Anstieg und ich habe auch schon ein paar Höhenmeter in den Beinen. Ich fülle noch beide Flaschen mit stark verdünnter Apfelschorle, überlege kurz ob ich wirklich beide Flaschen vollmache, was ich aber tue. Und ich werde es nicht bereuen.

Mittlerweile ist es richtig heiß geworden. Der Anstieg in den Julierpass von Tiefencastell aus beginnt mit einer leicht kurvigen Rampe, so dass es gleich ordentlich zur Sache geht. Dumm nur, dass sich die Leistungsmesskurbel verabschiedet hat. Die zeigt nur 0 Watt und keine Trittfrequenz an. Ärgerlich! Nun muss ich schon wieder was reklamieren. Gibt es denn bei Radsportteilen keine Qualitätskontrolle?

Anyway, nur weil sie nicht angezeigt wird heißt das ja nicht, dass keine Leistung da ist. Allerdings steigt das Thermometer gerade über 30° C, ich muss jetzt doch etwas kämpfen. Der Anstieg zieht sich etwas. Aber es kommen ja auch ein paar flache Abschnitte, die sehne ich gerade schon herbei.

Aber noch dauert es, dann kommt endlich die Lawinengallerie und der Tunnel. Im Tunnel nimmt die Steigung schon deutlich ab und es bläst Wind von hinten, so sind die 350 Meter schnell absolviert und dann wird die Straße auch schon flach bis zum Ort Cunter. Kommt mir wirklich gerade recht. Auch nach dem Ort bleibt es flach, noch zwei weitere Orte folgen und so kann ich doch etwas Strecke machen. Nach Tinizong (sehr witziger Name für einen Ort) zieht die Steigung dann aber langsam wieder an.

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Bis Rona geht es berghoch, dann gibt es aber nochmal ein paar flache Kilometer. Die Temperatur hatte ein paar Grad abgenommen, nimmt hier aber wieder zu, so dass wieder fast dreißig Grad warm ist. Ich habe die erste 1L Flasche schon leer getrunken. Hoffentlich reicht die zweite Flasche bis oben hin.

Kurz vor Mulegns klappt die Straße wieder nach oben. Ich versuche gerade meinen Kletterrhythmus zu finden, da muss ich stehen bleiben, da ein Bus durch die Engstelle im Dorf rangiert. Gerade als es weitergeht muss ich wieder stehenbleiben, da die Baustellenampel rot ist. Mist, das kann ich überhaupt nicht leiden. Ich habe dann tatsächlich Schwierigkeiten ordentlich in Tritt zu kommen. Ich spüre allerdings auch schon etwas die kumulierte Erschöpfung.

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Ich bin froh, als ich endlich die begrünte Staumauer sehe, noch gibt es allerdings ein paar Höhenmeter zu überwinden bis zum Stausee, an dem es wieder ein paar flache Meter gibt.

Am See angekommen versuche ich wieder etwas Tempo aufzunehmen, auch wenn es mir nicht so richtig leicht fällt. Aber es gibt am Schluss ja sogar eine kleine Zwischenabfahrt. Dann geht es allerdings nach einer weiteren Baustelle, an der ich diesmal durchfahren kann, wieder richtig berghoch.

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Die Landschaft ist schön, Man durchfährt mit Bivio einen weiteren Ort und nun folgt nach zwei Kurven eine lange steile gerade. Mittlerweile ist auch die zweite Flasche nur noch knapp halb voll. Es ist warm, ich bin einigermaßen platt, ich hätte gerne die Passhöhe, aber die ist noch weit weg.

Am Ende der Gerade kommt eine kleine Serpentinenwand. Aber das ist nicht der Schlussanstieg. So quäle ich mich etwas dort hoch. Die Serpentinen bringen immer kleine Momente der Entlastung. Aber als ich oben bin folgt nur eine weitere nervige Gerade, die ebenso steil ist, nur eben ohne die entlastenden Momente. Ich frage mich gerade ob ich nicht zu selbstverständlich von mir verlange, dass ich souverän 4000 Höhenmeter am Tag reiße. Klar, die Ansprüche steigen, aber als ich das erste mal 3000 Höhenmeter am Tag gefahren bin war ich so kaputt, dass ich nichts mehr gegessen habe, sondern mich gleich ins Bett gelegt habe. Ok, das ist eine Weile und einige Trainingsstunden her, aber trotzdem überkommt mich gerade die Lust abzusteigen…

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Am Ende der langen Gerade folgt nach einer Kurve die nächste lange steile Gerade. Ächz! Ich trinke in großen Schlucken und wünsche mir 7° C nicht 27. Dann aber endlich ein Blick auf das Hospiz, das aber am Julier unterhalb der Passhöhe liegt. Und auch der Weg bis dorthin ist noch lang.

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Am Ende der Gerade folgt eine Kurve und nach einer weiteren Serpentine fahre ich auf das Hospiz zu. Meine Flaschen sind leer, ich selbst bin auch ziemlich kurz davor. Ich rede mir ein ich würde am Hospiz stehen bleiben und meine Flaschne auffüllen, was ich natürlich nicht mache. Reine Selbsttäuschung um die Motivation hochzuhalten.

Die Straße zieht sich nochmal etwas bis endlich die Passhöhe zu sehen ist. Und dann endlich nach langen, knapp 36 Kilometern und knapp 2:05 Stunden ist der letzte Anstieg für heute geschafft! Nach dem Passschildfoto gönne ich mir noch einen Cafe und drei Minuten in der Sonne, die ich jetzt wieder genießen kann (hier oben ist es auch angenehm frisch). Fast 4200 Höhenmeter sind zusammengekommen.

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Die letzten sieben Kilometer bis Silvaplana lasse ich es dann nochmal rollen. Jetzt muss ich erst mal etwas ausruhen und checken was beim Race Across America gerade noch abgeht. Ich muss sagen der schwere Unfall von Anders hat mich doch auf dem ein oder anderen Kilometer heute beschäftigt…



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Donnerstag, 25. Juni 2015

Graubündner Passjuwelen

Auch wenn ich am liebsten den ganzen Tag vorm Tractalis sitzen würde und den Fortschritt der kleinen Punkte beobachten möchte, die die Solofahrer des RAAM 2015 repräsentieren, so will ich doch die nächsten drei Tage endlich mal wieder meiner größten Leidenschaft frönen, nämlich dem Pässe fahren. Steilberghoch also :)

Am Glockner dieses Jahr, beim Glocknerkönig, ging es mir eher schlecht. Nun möchte ich endlich mal wieder einfach so neue Pässe kennenlernen. Das habe ich schon ewig nicht mehr gemacht. Natürlich nehme ich den Trainingseffekt mit, aber es geht auch vor allem um den Spaß.

Da ich nicht zu weit fahren wollte und gerne 2+2+1 Pass fahren möchte, bin ich doch in der Schweiz gelandet, obwohl es mir hier eigentlich zu teuer ist. Am Furkapass habe ich mal 10 Euro bezahlt um meine Trinkflaschen mit Wasser zu füllen, seitdem habe ich nicht mehr so rechte Lust auf die Schweiz. Allerdings haben die nun mal unbestreitbar sehr schöne alpine Landschaft und einige herrliche Passstraßen.

Diesmal habe ich mich für Silvaplana entschieden, ein kleines Dorf nicht weit von St. Moritz entfernt. Mein Plan ist es morgen den Julier und den Albula jeweils von beiden Seiten zu fahren und übermorgen den Maloja und den Splügenpass. Für Sonntag, so kurz vor der Heimreise möchte ich mir noch ein Schmankerl gönnen und den Bernina fahren. Das gibt dann in der Summe doch ordentlich Höhenmeter.

Mal schauen ob das Wetter mitspielt. Es geht zwar nur bis ca. 2300 Meter hoch, aber es soll etwas Niederschlag geben und so richtig warm ist es ja nicht, da kann die Schneegrenze auch schnell mal unter 2000 Meter fallen.

Eine kurze Installationsfahrt heute war schon recht frisch. Aber sehr schön, ein bisschen von dem schönen Alpenfeeling das mich so sehr motiviert konnte ich schon spüren.

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Freitag, 19. Juni 2015

RAAM 2015 Kommentare und Livetracking

Das RAAM 2015 ist jetzt schon im dritten Tag für die Solofahrer, meine Gedanken und Kommentare zum Renngeschehen findet ihr auf meiner Facebookseite:

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Sonntag, 7. Juni 2015

Glocknerkönig 2015 – das Rennen

Die Nacht war nicht besonders gut. Ich habe insgesamt vielleicht viereinhalb Stunden geschlafen und bin total verschwitzt aufgewacht. Der Mund schmeckt bitter, die Zunge ist belegt. Das gibt’s doch nicht, was soll das, ich muss heute top fit sein. War das vielleicht doch kein Heuschnupfen gestern?

Anyway, ich bin schon öfter so malträtiert aufgewacht und das Rennen war dann doch in Ordnung. Beim Frühstück habe ich es schon wieder vergessen. Allerdings bin ich so hungrig. Ich esse Müsli und Käsebrot, Rührei und Marmeladenbrötchen. Vielleicht ist das in der Summe ein bisschen viel. Auch seltsam, normalerweise ist mein Körper im Wettkampfmodus nicht besonders hungrig. Aber nach zwanzig Kilometern bergauf bin ich nachher vielleicht froh über jedes Kohlenhydrat das ich aufgenommen habe.

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Ich mache mich fertig für das Rennen, den Moderator kann ich schon durch’s offene Fenster hören. Das Schöne an der Berechtigung für Startblock 1 oder 2 ist halt, dass man nicht ganz so früh hingehen muss und trotzdem relativ weit vorne starten kann.

Ich fahre mich noch fünf Minuten ein, ist hier aber nicht so wichtig, man fährt (hoffentlich) eh flach in der Gruppe bis zum Bärenwerk bzw. zur Embachkapelle, da kommt der Körper schon auf Betriebstemperatur.

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So komme ich recht spät in den Startblock. Irgendwie kriege ich keinen hundertprozentigen Wettkampfmodus hin. Ich konzentriere mich zwar, aber die Tatsache, dass ich mich wahrscheinlich nicht verbessern kann, sondern eher noch aufpassen muss die erste Startgruppe zu halten wirkt vielleicht unterbewusst etwas demotivierend.

Ich bin aber nicht unmotiviert, nur eben nicht so gepusht wie ich es schon einige Male hier war. Zum Start wird auch nicht Hells Bells von AC/DC gespielt, was ich wirklich wirklich schade finde.

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Vom Startschuss bis zum Moment an dem ich die Ziellinie überquere dauert es einen Moment (ganz hinten kann das zehn Minuten und mehr dauern…). Dann fährt das Feld neutral durch die Unterführung und in Richtung Fusch.

Ich befinde mich so ca. an 50. Position, wobei sich das Ganze natürlich immer hin und her schiebt. Das Schöne heute ist, dass keine Lücken aufreißen, bzw. wenn dann nur kleine, die ich selbst oder jemand anders schnell zufahren kann.

So gut ist es im ersten Teil noch nicht gelaufen, ich muss nie wirklich nennenswert in den Wind und komme trotzdem in der ersten, wenn auch recht großen Gruppe, im Anstieg an. Hier an der Embachkapelle zieht die Steigung gleich ordentlich an, so dass sich das Feld schnell sortiert.

Es fühlt sich nicht gut an. Ich weiß nur noch nicht ob es sich „schlecht schlecht“ oder „gut schlecht“ anfühlt. Aber ich versuche ordentlich meine Leistung zu halten. Und so bewege ich mich gefühlt etwas nach vorne im Feld, d.h. nur selten fährt einer von hinten vorbei, und ich bewege mich etwas schneller als der Hauptstrom.

Trotzdem fühlt es sich elend an. Es war offensichtlich die richtige Entscheidung mit der 34-50 Kompaktkurbel zu fahren und nicht mit der 36-52. Denn das hier ist ja nur das Intro. Und wenn es mir jetzt schon so geht, wie fühlt sich dann wohl der Rest an?

Schon nach kurzer Zeit fange ich an ziemlich Geräusche zu machen und zu keuchen wie ein Asthmapatient. Normalerweise kommt das eigentlich erst gegen Ende. In einer Kurve überholt mich ein anderer Fahrer und meint, es wäre ja alles nicht so schlimm, zu Hause würde doch die Freundin warten. Na herzlichen Dank, gebe ich schon so ein elendes Bild ab, dass man mich trösten muss?

Es zieht sich eine Weile, dann flacht es endlich etwas ab. Normalerweise mache ich hier Plätze gut, weil ich einfach konstant meine Leistung weiterfahre, aber heute ist das nicht so. Ich muss kämpfen um meine Position zu halten und mich sehr konzentrieren um nicht nachzulassen.

Die Straße steigt kurz nochmal an bevor es dann wieder flach wird, diesmal richtig, bis zur Mautstation. Natürlich bin ich mal wieder der Depp im Wind. Wechseln mag keiner, ich fluche vernehmlich, ich wollte gerne unter 30 Minuten als Zwischenzeit stehen haben, nicht dass das entscheiden würde ob ich die gewünschte Endzeit erreiche, aber praktisch alle die unter 1:30 h fahren, fahren hier 28 bis 29 Minuten.

Mein Fluchen findet aber Gehör und jemand anderes erbarmt sich, ich nehme aber jetzt eh etwas raus und quetsche mir noch ein Gel rein kurz vor der Mautstation. Die steht dort zwar ziemlich genau auf 00:30:xx h, aber da ich ja etwas später über die Startlinie gefahren bin, könnte es sogar noch hingehauen haben.

Jetzt kommt der „spaßige“ Teil der Strecke. Ordentlich steil, und das recht konstant über ca. 13 Kilometer. Und schon nach wenigen hundert Metern weiß ich, die Tour de Kärnten war keine ausreichende Vorbereitung für den Glockner. Und die Luschisteigungen in den USA letztes Jahr führen letztlich dazu, dass ich zum ersten mal seit langem wieder einen „richtigen“ Berg fahre. Und das ist nie eine gute Sache.

Ich habe eigentlich jedes Jahr versucht vor dem Glocknerkönig ein Wochenende entweder hier oder an einem anderen richtigen Berg zu verbringen. Das hat diesmal leider nicht geklappt. Genauso wenig wie überhaupt noch irgendwas klappt hier im Anstieg. Die Leistung sackt ab, ich komme überhaupt nicht mehr über dreihundert Watt. Ich kann kaum niedriges G2 halten. Verflucht was ist das denn? So elend habe ich mich lange nicht mehr gefühlt. Jetzt weiß ich, dass ist „schlecht schlecht“.

Ich kann gar nicht kämpfen, ich gurke nur irgendwie hoch. Die anderen Fahrer ziehen weg und von hinten ziehen sie an mir vorbei. Mir wird schlagartig klar, ich kämpfe jetzt nicht mehr darum die erste Startgruppe zu halten, sondern ich kämpfe um die Zweistundenmarke, also Startgruppe zwei.

Oje, das ist ja deprimierend. Ich finde keinen einzigen positiven Gedanken, mir geht es einfach nur schlecht. Der Weg bis zur ersten Kehre ist lang und steil. Als ich sie erreiche kann ich dort nicht etwa Tempo aufnehmen, nein ich lasse die Beine hängen und bin froh, dass es für ein paar Meter nicht so steil ist.

Es wird auch bei der nächsten Kehre nicht besser. Manchmal gehen solche Schwächephasen ja vorbei, aber heute scheint das nicht der Fall zu sein. Noch immer ziehen Fahrer an mir vorbei, ein nicht enden wollender Strom aus leichten Fahrern, schweren Fahrern, welchen mit Hightechmaterial und welche mit Alurädern und einfachen Mavic Laufrädern. Wie deprimierend. Aber dann kriege ich den Gnadenstoß. Eine dicke Mountainbikerin und ihre Freundin überholen mich mit ihren Elektrorädern.

Das ist ja die Erniedrigung schlechthin. Noch nie hat mich ein Elektroradler überholt. Auch nicht beim Training, noch nicht mal wenn ich nur G1 fahren darf. Und jetzt das! An „meinem“ Berg. In einem Rennen! Das gibt mir schwer zu kauen. Aber selbst diese Gedanken sind nicht genug Ablenkung. Die Knie mucken nicht oder so, aber ich habe überhaupt keine Power. Mittlerweile fahre ich teilweise nur noch im G1. Ich versuche zu schalten, dabei bin ich schon längst im kleinsten Gang.

Es fühlt sich mindestens genauso schlecht an wie meine allererste Auffahrt auf der Glocknerstraße. Da war ich noch etwas ramponiert vom Col de l’Iseran zwei Wochen zuvor. Das war auch übel. Dafür bin ich dann zwei Wochen später gleich wieder zum Glockner gefahren um das mal „klarzustellen“, dass war dann wieder richtig geil. Möglicherweise sollte ich mir das übernächste Wochenende schon mal reservieren.

Mir ist jetzt schlecht, ich könnte kotzen und zwar nicht im übertragenen Sinne. Aber das hält zum Glück nicht lange an. Die Elektroradler sind immer so knapp vor mir. Bald haben wir die erste Labestelle erreicht, die Piffkar. Kurz vorher überhole ich die dicke Frau mit dem Elektro-MTB. Ich muss das mal als Erfolgserlebnis verbuchen.

An der Labestelle greife ich mir gierig einen Becher von dem übersüßten Tee. Eigentlich Schwachsinn, denn ich habe ja noch KH-Getränk in der Flasche, aber irgendwie ist das ein Griff nach dem rettenden Strohhalm. Nur rettet der mich nicht. Denn jetzt geht es wieder steil berghoch.

Wir haben jetzt ca. 19,5 Kilometer hinter uns, bis zum Ziel sind es also immer noch mehr als acht Kilometer. Ich gurke dahin, noch immer werde ich überholt, gefühlt von ganzen Schwärmen von Radfahrern. Ich denke nicht mehr an irgendwelche Startgruppen. Ich denke daran aufzugeben. Ich möchte einfach vom Rad steigen. Ich versuche den Gedanken zu verdrängen. Es geht nur noch darum überhaupt oben anzukommen.

Dabei sind die Bedingungen eigentlich optimal. Der Himmel ist blau, es herrscht nur wenig (Gegen)Wind, die Temperaturen ok, einfach Traumwetter. Aber mir geht es so schlecht, dass ich nicht einmal Fotos machen kann, das habe ich selbst bei der 1:37 h 2013 gemacht.

Es gibt immer mal wieder kleine Strohfeuer, dann kann ich zweihundert Meter wenigstens ordentlich G2 fahren. Aber das hält nicht an. Im oberen Nassfeld muss ich sehr kämpfen, die Straße ist auch noch teils abgefräst, so dass es an diesem nicht enden wollenden Teil auch noch schlecht rollt. Aber bei meinem Zustand macht das keinen großen Unterschied.

Mehrmals ist mir noch nach Absteigen, aber ich bleibe auf dem Rad. Und dann habe ich tatsächlich die Edelweißwand erreicht. Hier merke ich einerseits wie gut die Bedingungen sind, denn das letzte mal haben wir uns hier vor dem Wind hintereinander versteckt, jetzt wäre es theoretisch gut zu fahren, wenn ich mich nicht so ungut fühlen würde.

Zu meinem Erstaunen muss ich aber feststellen, dass ich gar nicht sooo übel in der Zeit liege. Die Zweistundenmarke sollte ich locker packen (wenn ich nicht doch absteige und aufgebe). Das verwirrt mich sehr. Eigentlich sieht es so aus, als ob ich sogar die 1:45 h für die erste Startgruppe schaffen könnte. Oder habe ich hier einen Denkfehler? Noch immer überholen mich welche, aber jetzt versuche ich das zu beenden. Auch wenn es mir schlecht dabei geht versuche ich wenigstens das Tempo der Fahrer um mich herum zu halten.

Es sind noch ein paar Kehren zu fahren. Ich weiß, dass ich hier immer nochmal eine zweite Luft bekommen habe, aber die bleibt diesmal aus. Trotzdem kann ich noch ein paar Fahrer überholen. Ich versuche wenigstens 250 Watt zu treten. Aber es fällt schwer.

Dann, tatsächlich die letzte Kehre. Noch einmal ist es recht steil, dann knickt die Straße nach rechts, flacht etwas ab und zieht nochmal an bis zur Ziellinie. Ich quäle mich die letzten Meter hoch, kein Sprint, kein Kampf einfach nur irgendwie hochquälen. Ich schaffe es tatsächlich die 1:45 h Marke zu unterbieten. Unfassbar. Ich bin sogar einen Hauch schneller als meine bisher zweitbeste Zeit. Nach gut 1:41 h überquere ich die Zielline.

Ich kann es nicht verstehen, aber es ist so. Ich habe keine Emotionen außer, dass ich froh bin, dass es vorbei ist. Ich bin weder traurig oder enttäuscht, dass ich die 1:30 h nicht geknackt habe, noch bin ich überschwänglich froh, die 1:45 h gehalten zu haben. Ich nehme es einfach nur mit ungläubigem Erstaunen wahr. Genauso wie die Tatsache, dass ich überhaupt oben angekommen bin.

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Nach drei Bechern Tee und Abholung meiner vorrausgeschickten Jacke, rolle ich zur Kaiserschmarrnausgabe. Etwas emotionslos mampfe ich die leckere Mehlspeise weg und schaue auf den scheinbar endlosen Strom an Radfahrern, die sich noch den Berg hochquälen. Eigentlich beeindruckend. Und doch bin ich ziemlich leer. Allerdings gar nicht so erschöpft wie man erwarten würde. Ich hatte keine Chance an die hundert Prozent zu gehen, es wäre sicher auch nicht gut gewesen.

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Ich sollte wohl das nächste oder übernächste Jahr wiederkommen und das mit der 1:30 h endlich mal „klären“. Das Alter sollte mir da noch keinen Strich durch die Rechnung machen, denn immerhin kam der diesjährige Sieger aus meiner Altersgruppe. (9 Jahre und 21,5 Minuten Unterschied).



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Samstag, 6. Juni 2015

Glocknerkönig 2015 WarmUp

Wieder hatte ich eine problemlose Anreise, nur ein kurzer Stau. Und das trotz bedrohlich aufgebauter „Überlastung München“ Schilder mit Umleitungsempfehlung an fast jedem Autobahnkreuz. Man wollte wohl nur die Menschen vom G7 Gipfel fernhalten…

Zum Glück ist die Anreise zur Glocknerstraße aus Deutscher Sicht noch mit die kürzeste wenn man man einen richtigen Alpenpass fahren will. So ist der Glockner für mich seit 2009 so etwas wie der „Hausberg“ geworden.

Nun war ich allerdings seit zwei Jahren nicht mehr hier. Das letzte mal in den Alpen war ich auch 2013. Die Tour de Kärnten sollte mir dann dieses Jahr die Vorbereitung am Glockner ersetzen, allerdings ist der Unterschied gewaltig. Einerseits lag’s am Wetter das ich in Kärnten keine hohen Berge gesehen hatte, andererseits an den Strecken. So ist die Begegnung mit wirklich hohen Bergen, steilen Hängen und tiefen Tälern doch emotional.

Letztlich waren es ja genau diese Eindrücke die mich zu meinem Blog steilberghoch.com inspiriert haben und mir auch die Leidenschaft für das Rennradfahren gegeben haben, die letztlich sogar zur RAAM Teilnahme 2014 geführt hat. Es als „Zurückkommen“ zu bezeichnen wäre vielleicht etwas übertrieben, aber schon gestern abend bei meinem Rundgang durch Bruck konnte ich „die Berge spüren“.

Für heute hat mir Björn nochmal zwei Stunden auf den Plan geschrieben mit EB Intervallen und einem kurzen Antesten im SB Bereich. Ich setze mich früh auf’s Rad, denn nach der Hitze, die hier im Moment herrscht, soll es heute noch ordentlich gewittern und regnen.

Zunächst fahre ich in Richtung Zeller See. Allerdings zur Ostseite nach Thumersbach, denn in Zell am See auf der anderen Uferseite findet ein riesiges Vespa-Treffen statt. Der Ort ist voll mit knatternden Maschinchen und den dazugehörigen Fahrern. Die Zeller Seenrunde i eine schöne Strecke, die ich die Jahre zuvor gerne mit einem Milchcafe am Seeufer garniert habe.

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Heute drehe ich in Thumersbach allerdings erst mal um und fahre wieder zurück nach Bruck und von dort die Glocknerstraße hoch. Es sind einige Radfahrer unterwegs und ich beneide sie etwas da sie wahrscheinlich bis hoch fahren bei besten Bedingungen. Ich fahre nur bis zum Bärenwerk, wo die Steigung richtig anzieht, und fahre dort meine EB-Intervalle. Dann geht es im lockeren G1 wieder zurück über Bruck erneut nach Thumersbach.

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Leider hat mich hier der Heuschnupfen richtig heftig gepackt. Da das bei mir auch immer sehr auf die Atemwege geht, hoffe ich, dass es mich morgen nicht zu sehr einschränkt, ein zusätzliches Handycap zu meinem Gewicht brauche ich nun wirklich nicht.

Ich fahre noch ein Stück in ein Seitental und mache mich dann auf den Weg zurück ins Hotel. Den Milchcafe am Ufer spare ich mir, ich friere etwas und lege mich lieber erst mal ins Bett.

Ich versuche den Heuschnupfen einfach wegzuschlafen und zu verhindern, dass ich mich dann zusätzliche noch erkälte, was ganz oft passiert. Nach dem Aufwachen heißt es dann Startunterlagen abholen und (spätes) Mittagessen. Der Stand vom Zweiradstadler ist diesmal nicht dabei, beim Hervis Stand ist man wohl nicht ganz auf der Höhe was den Rennradbedarf angeht. Kaum Erstatzteile, Reifen und Schläuche, das meiste war sogar MTB Zeug. Wie gut, dass ich meinen eigenen Kram mitgenommen habe. Auch wenn ich noch nie was gebraucht habe hier.

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Die Startlinie zum Glocknerkönig ist jetzt sogar auf die Dorfstraße gepflastert. Wohl zur Feier des 20. Glocknerkönigs. Für mich ist es auch schon die fünfte Teilnahme seit 2010. 2014 musste ich logischerweise auslassen. Als Ziel hatte ich mir ursprünglich mal die 1:30 h Marke gesetzt, also eine 1:29:59 h. Aber das hätte ich nur mit 75 bis 76 Kg Körpergewicht realistisch angehen können. So bleibt mir für dieses Jahr als Ziel nur die erste Startgruppe zu halten. D.h. 1:44:59 h. Dann kann ich ggf. nächstes Jahr nochmal einen Versuch starten.

Ich starte auch nicht mit Lightweight Laufrädern wie beim letzten mal, sondern mit Ksyrium SL-S. Die taugen meiner Meinung nach aber nicht so viel. Obwohl ich sie gerade erst, eine Woche vor der Tour de Kärnten gekauft habe, knarzt das Vorderrad schon seit der ersten Ausfahrt. Ich dachte erst die Bremse schleift, oder es liegt am Fahrrad, aber auch im Cannondale knarzt das Ding. Dass bei Regen Wasser in die Felge läuft und dann Literweise drin bleibt ist meiner Meinung nach auch Zeichen einer Fehlkonstruktion. Das war bis jetzt noch bei keinen Laufrädern der Fall die ich besessen habe, auch nicht bei Mavic Laufrädern. Immerhin stehen sie mit 23er Reifen nicht ganz so quer im Wind wie mit den 25ern die ich in Kärnten drauf hatte.

Anyway, das Material wird’s nicht machen. Es ist zwar mit Gegenwind zu rechnen, aber die Laufräder kosten mich vielleicht ein, zwei Minuten. Das zu hohe Körpergewicht kostet mich da eher schon vier+ Minuten. Die Frage ist aber vor allem ob mein Kopf es schafft voll auf brutalen Wettkampfmodus zu schalten und anderthalb bis zwei Stunden alles zu geben. Bei der Tour de Kärnten hat es vier, fünf Tage gedauert bis ich soweit war. Björn hat das sogar schön aus den SRM Daten herausanalysiert.

Andererseits hat es beim Schmelzrennen diese Woche ganz gut funktioniert. Da wäre zwar noch eine Spur mehr gegangen, aber es hat sich gut angefühlt, dass ist ja das Wichtige.

Ich werde morgen sehen was passiert.

Der Wetterbericht lässt im Prinzip alles offen, es könnte sein, dass wir noch im Trockenen hochkommen, vielleicht gibt es aber auch Gewitter und Hagel. Momentan gießt es jedenfalls in Strömen. Je schlechter die Bedingungen, desto schlechter für die Zeit, allerdings desto besser für die Platzierung, jedenfalls ist das meine bisherige Erfahrung. Egal welche Bedingungen, ich freue mich auf jeden Fall auf morgen, auf den Kampf gegen „meinen“ Berg.



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Mittwoch, 3. Juni 2015

Tour de Kärnten 2015 Fazit

Nach einer Woche Tour de Kärnten fällt mein Fazit recht gemischt aus. Irgendwie war ich nicht hundertprozentig fit, und noch dazu wurden mir die Nachteile meines Übergewichtes deutlich vor Augen geführt.

Andererseits, habe ich gegen Ende wieder eine Ahnung davon bekommen was mich zum steilberghoch fahren gebracht hat, auch wenn ich noch nicht ganz den Enthusiasmus der letzten Jahre entwickeln konnte. Vor allem der letzte Tag hat sich richtig gut angefühlt. Gerne wäre ich noch etwas länger gefahren.

Länge ist auch genau das, was mir bei der Tour de Kärnten etwas gefehlt hat. Die normalen Etappen waren nur um 90 Kilometer lang, das ist schon ziemlich kurz. Nach ca. drei Stunden ist alles vorbei. Das lässt einem zwar viel Zeit zur Regeneration bis zum Start am nächsten Tag, aber andererseits hatte ich immer das Gefühl, gerade wenn der Motor richtig angesprungen ist kommt auch schon das „1000 Meter bis zum Ziel“ Schild.

So war für mich auch von Anfang an klar, dass ich hier keine gute Platzierung machen kann. Für mich ging es vielmehr darum den linken Oberschenkel zu testen, endlich mal wieder einen Wettkampf zu fahren, endlich mal wieder in den Alpen Rennrad zu fahren.

Ein bisschen besser hätte ich mich schon gerne geschlagen im Feld, aber die Streckenführung hat schon jeweils früh nach der Startfreigabe mit Steigungen im zweistelligen Prozentbereich das Feld sortiert, so dass die guten Bergfahrer und Topleute sich schnell absetzen konnten.

Die Streckenführung insgesamt fand ich recht gelungen, leider kam nie so wirklich alpines oder gar hochalpines Feeling auf, zum einen durch das mäßige Wetter (die Wolken verhinderten jegliche Weitsicht), zum anderen sind wir auch keine wirklich hohen Passübergänge gefahren, das „Dach der Tour“ lag nur bei 1600 Metern, das Bergzeitfahren wurde gekürzt.

Das war möglicherweise auch gut so, denn die Schneefallgrenze rutschte ja sogar unter diese 1600 Meter Marke und über mangelnden Niederschlag konnten wir uns nicht beklagen. Da die Etappenlängen aber wie gesagt nicht groß waren, war das eigentlich kein Problem. Auch die Abfahrten waren alle gut zu fahren. Selbst die vom Tourdirektor als gefährlich eingestuften Abfahrten erwiesen sich nicht als tückisch. So kam auch das ganze Feld, soweit mir bekannt, ohne größere Blessuren davon.

Das ist auch für mich letztlich das Wichtigste, dass ich ohne Sturz durch diese sechs Etappen gekommen bin, und dabei in den Abfahrten einigermaßen vernünftig gefahren bin.

Die Organisation der Tour war an sich gut. Leider gab es aber auf der Website etwas wenig Info vor allem zum Rücktransport an den Startort. Denn die Etappenziele lagen doch immer zwischen 40 Radminuten und einer Stunde von Ossiach entfernt. Ich habe mich schnell daran gewöhnt, aber wenn man alles gegeben hat und komplett verschwitzt im Ziel steht, dann nochmal auf’s Rad ist, vor allem bei schlechtem Wetter nicht optimal.

Das man die ganze Zeit im selben Hotel bleibt schien mir der größte Vorteil gegenüber dem Peakbreak, aber dafür hat man dann eben die Transportetappe nach Hause. Der Busrücktransport wurde nicht gerade offensiv vermarktet und schien auch nicht immer hundertprozentig zu funktionieren, bzw. man musste je nach Ankunftszeit sehr lange warten.

Im Vergleich zum Peakbreak fiel mir auf, dass im Ziel etwas weniger Stimmung ist, abgesehen vielleicht von der Bergankunft am 3. Tag. Möglicherweise liegt es auch daran, dass beim Peakbreak die Anforderungen einfach viel höher sind, und das Beenden jeder Etappe schon ein Erfolg ist, wobei die Streckenführung noch dazu von meist beeindruckenden Bergpanoramen geprägt ist. Es ist halt auch gefühlsmäßig ein Unterschied ob ich nach 170 Kilometern noch den Monte Zoncolan bezwinge oder das Kitzbüheler Horn, oder ob ich nach 92 Kilometern in St. Urban ankomme. Die Streckenführung bei der Tour de Kärnten ist nicht so spektakulär.

Allerdings spricht die TdK auch ein anderes Publikum an. Der Termin liegt sehr gut um die Tour als Saisonvorbereitung zu nutzen, und durch die Streckenlänge fühlen sich sicher viele Radrennfahrer angesprochen, mehr noch als die Marathonisti. Ein kleiner Kritikpunkt ist noch der fehlende Fotoservice. Da gab es gar keinen, das ist schon schade. Muss ja nicht professionell sein, aber den ein oder anderen Schnappschuss hätte ich schon gerne für das Blog gehabt.

Anyway, die Tour de Kärnten ist überstanden, jetzt heißt es sich auf den ersten Saisonhöhepunkt in zwei Wochen zu konzentrieren.

Um dort eine Chance zu haben mein ambitioniertes Ziel von „unter 1:30h“ zu erreichen muss ich nun noch etwas Gewicht verlieren und hundertprozentig gesund sein. Dann, und nur dann habe ich wenigstens die theoretische Chance in die Nähe dieser Zeitmarke zu kommen. Vor allem aber muss ich auf jeden Fall versuchen dort die erste Startgruppe zu halten um ggf. nächstes Jahr einen zweiten Anlauf auf die 1:30 h starten zu können.



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