steil berghoch...
das Pässe Blog
Freitag, 17. Februar 2012
Ziele 2012
Glocknerkönig unter 1:45 h, wenn es keine Probleme oder Verletzungen im Training gibt ist die 1:40 h mein festes Ziel. Auch wenn es nur ein erster Wettkampf ist um auch die "bergfestigkeit" für den schweizer Radmarathon zu erlangen, sollte das theoretisch drin sein. Allein durch verbessertes Material sollte ich ca. 2 Minuten gewinnen. Letztes Jahr bin ich 1:48:38 h gefahren, also muss ich mich mental und körperlich noch um 6 Minuten verbessern. Da ich 2011 nicht optimal drauf war, schätze ich dass ich rein physisch noch drei bis vier Minuten finden muss, wenn ich mental top drauf bin.
20h Radmarathon "Rund um Fell" als Vorbereitungswettkampf für den schweizer Radmarathon. Ziel 550 Km. Auch wenn ich es locker angehen will mit Hinblick auf den ersten Saisonhöhepunkt, so will ich doch, ausgehend von meinem Ergebnis bei Trondheim - Oslo 550 Kilometer dort erreichen. Ich hoffe dort viel zu lernen für die 720 Km in der Schweiz und für die 24h von Kehlheim. Wenn es zuviele Höhenmeter werden, bin ich aber auch mit etwas weniger Kilometern zufrieden.
Schweizer Radmarathon Bern - Bodensee - Bern 720Km Radmarathon Strecke. Mein erster Saisonhöhepunkt für 2012. Das erste richtige Ultracycling Event für mich überhaupt. Ich habe mich für die Radmarathon Variante entschieden, da ich definitiv kein Randoneur bin, mir die RAAM Quali Variante aber zu aufwändig ist (Follow Car und zwei, drei Leute Team). Ca. 25 Stunden ist mein Ziel, mit 25:55 h wäre ich sicherlich hoch zufrieden. Ob das komplett ohne eigene Betreuung machbar ist weiß ich nicht. Ich werde es einfach probieren. Leider sind dort nicht sehr viele Teilnehmer, so dass im Gegensatz zu Trondheim - Oslo letztes Jahr der größte Teil der Strecke im Alleingang zu bewältigen ist. Vielleicht sollte ich da doch lieber gleich auf die RAAM Qualifier Variante wechseln...
24h Rennen Kehlheim, mein erstes 24 Stunden Rennen überhaupt. Ein etabliertes Event, deshalb gehe ich von guter Organisation aus. Mein Ziel sind 650 Km innerhalb der vierundzwanzig Stunden zu fahren. Wenn es orthopädisch keine Probleme gibt traue ich mir das durchaus zu.
Peakbreak, der zweite Saisonhöhepunkt. Für Freizeitfahrer ist es nicht so einfach ein wirklich anspruchsvolles Etappenrennen zu finden. Peakbreak wird dem aber auf jeden Fall gerecht. Erstes Ziel ist es überhaupt durchzukommen. Wenn ich mich gut fühle, möchte ich auf einer Etappe vorne mitfahren, zwar nicht um einen Etappensieg, das ist ja völlig unrealistisch, aber um Platz 20 möchte ich kämpfen können. Insgesamt möchte ich in der oberen Hälfte des Gesamtklassements landen. Allerdings wird das die wohl härteste Herausforderung der ich mich bis dahin gestellt haben werde. Auf jeder Etappe gibt es Anstiege, die selbst Radprofis abgrundtief hassen: Monte Zoncolan, am nächsten Tag Kronplatz und auch das Kitzbühler Horn darf nicht fehlen. Härter geht es nicht mehr, selbst in England nicht...
Alpenbrevet Platin Strecke. Mit diesem Event habe ich aus 2011 noch eine Rechnung offen. Nach dem Peakbreak bleibt Zeit um sich etwas zu erholen und neu aufzubauen, so dass ich dort fitter antreten sollte als letztes Jahr, und vor allem will ich klüger fahren und besser essen. Das Ziel ist die 11:40 h. Elfeinhalb Stunden halte ich für unrealistisch, "unter zwölf" ist als Ziel zu niedrig gesteckt. D.h. natürlich ich muss mich gegenüber 2011 um 50 Minuten verbessern. Ein ambitioniertes, aber nicht unmögliches Ziel.
Um die oben genannten Ziele auch wirklich erreichen zu können müssen einige Leistungsparameter deutlich besser werden als letzte Saison.
Mein Ziel für die Leistung an der individuellen anaeroben Schwelle ist mindestens 285 Watt.
An der aeroben Schwelle möchte ich deutlich über 200 Watt kommen.
Als Abbruchleistung bei der ergometrischen Leistungsdiagnostik will ich die 380 Watt knacken. Das ist vor allem auch eine mentale Geschichte. Auch wenn die Abbruchleistung gar nicht so eine große Bedeutung hat, sie ist auf jeden Fall ein Indikator für die Fähigkeit sich zu quälen, bzw. das vorhandene Potential auch wirklich bis zur Grenze ausnutzen zu können.
Winterblues
Der Kampf gegen den Winterblues ist hart. Jedes Jahr wieder. Die beeindruckende Anpassungsfähigkeit des menschlichen Körpers funktioniert nun mal in beide Richtungen, d.h. genauso wie man sich in relativ kurzer Zeit daran gewöhnen kann am Tag viertausend Höhenmeter zu fahren ohne an seine Grenzen zu gehen, gewöhnt man sich in noch kürzerer Zeit daran maximal zwei Stunden locker Grundlage auf einem Ergometer zu treten und zu denken "das reicht jetzt aber".
Auch wenn der Formverlust im periodisierten Trainingsaubau eingeplant ist, ist es psychologisch jedesmal hart die beobachtbaren Körperparameter wegdriften zu sehen. Gewicht, Ruhepuls, subjektives Belastungsempfinden, VO2max, Laktatkurve usw. alles ist "schlechter".
Im Gegensatz zum Hochleistungs bzw. Profisportler, bangt man als Freizeitsportler jedes Jahr erneut, ob man wirklich die Zeit zum geplanten Training findet, ob man genügend Zeit zur benötigten Regeneration findet, ob man ein Trainingslager mit beruflichen und privaten Interessen vereinbaren kann, ob das Wetter in der heimischen Region einigermaßen so ist, dass man die gewünschten langen Einheiten gut über die Bühne kriegt ob man überhaupt das richtige im richtigen Umfang trainiert, ob die Wettkämpfe, die man sich vorgenommen hat überhaupt machbar sind.
Am meisten leide ich im Fitnessstudio. Nicht etwa wegen des Trainings, im Gegenteil das macht richtig Spaß, aber die Dauerbeschallung mit elend schlechter, viel zu lauter Musik ist immer am Rande des erträglichen. Das es Radfahrer gibt, die sich selbst beim Rennradfahren in den Alpen noch Ohrhörer in die Ohren stecken ist mir unbegreiflich.
Aber genauso wie ich den Juni herbei sehne fürchte ich auch, dass bis zur ersten großen "Kraftprobe" die Zeit viel zu knapp ist um rechtzeitig in Form zu kommen.
Wie gesagt, Winterblues, dunkle Gedanken, nur unterbrochen von Tagträumen mit Bildern der Sierra Nevada, dem großen Ziel für 2012. Unabhängig von allen geplanten Wettkämpfen, fiebere ich eigentlich nur dem Saisonabschluss in Spanien entgegen damit ich das 2011 so jäh abgebrochene zu Ende bringen kann. Den Pico Veleta auf der Standardstrecke unter drei Stunden fahren, die Abfahrt nach Monachil erst mal heil runterbringen und dann die sich dort bietende Gelegenheit mal richtig schnell zu fahren zu nutzen, Calar Alto noch zu fahren, und dann wenn das alles genossen, und eben auch geschafft ist zwei Tage einfach nur sinnlos am Strand zu liegen...
Aber natürlich habe ich auch "richtige" sportliche Ziele für 2012. Die werde ich in einem separaten Eintrag posten, dann kann ich da immer wieder einen Blick draufwerfen, falls der verdammte Winterblues mir wieder mal das Training schwer machen will!
Auch wenn der Formverlust im periodisierten Trainingsaubau eingeplant ist, ist es psychologisch jedesmal hart die beobachtbaren Körperparameter wegdriften zu sehen. Gewicht, Ruhepuls, subjektives Belastungsempfinden, VO2max, Laktatkurve usw. alles ist "schlechter".
Im Gegensatz zum Hochleistungs bzw. Profisportler, bangt man als Freizeitsportler jedes Jahr erneut, ob man wirklich die Zeit zum geplanten Training findet, ob man genügend Zeit zur benötigten Regeneration findet, ob man ein Trainingslager mit beruflichen und privaten Interessen vereinbaren kann, ob das Wetter in der heimischen Region einigermaßen so ist, dass man die gewünschten langen Einheiten gut über die Bühne kriegt ob man überhaupt das richtige im richtigen Umfang trainiert, ob die Wettkämpfe, die man sich vorgenommen hat überhaupt machbar sind.
Am meisten leide ich im Fitnessstudio. Nicht etwa wegen des Trainings, im Gegenteil das macht richtig Spaß, aber die Dauerbeschallung mit elend schlechter, viel zu lauter Musik ist immer am Rande des erträglichen. Das es Radfahrer gibt, die sich selbst beim Rennradfahren in den Alpen noch Ohrhörer in die Ohren stecken ist mir unbegreiflich.
Aber genauso wie ich den Juni herbei sehne fürchte ich auch, dass bis zur ersten großen "Kraftprobe" die Zeit viel zu knapp ist um rechtzeitig in Form zu kommen.
Wie gesagt, Winterblues, dunkle Gedanken, nur unterbrochen von Tagträumen mit Bildern der Sierra Nevada, dem großen Ziel für 2012. Unabhängig von allen geplanten Wettkämpfen, fiebere ich eigentlich nur dem Saisonabschluss in Spanien entgegen damit ich das 2011 so jäh abgebrochene zu Ende bringen kann. Den Pico Veleta auf der Standardstrecke unter drei Stunden fahren, die Abfahrt nach Monachil erst mal heil runterbringen und dann die sich dort bietende Gelegenheit mal richtig schnell zu fahren zu nutzen, Calar Alto noch zu fahren, und dann wenn das alles genossen, und eben auch geschafft ist zwei Tage einfach nur sinnlos am Strand zu liegen...
Aber natürlich habe ich auch "richtige" sportliche Ziele für 2012. Die werde ich in einem separaten Eintrag posten, dann kann ich da immer wieder einen Blick draufwerfen, falls der verdammte Winterblues mir wieder mal das Training schwer machen will!
Freitag, 30. Dezember 2011
Saisonfazit 2011
2011 war ein wirklich ereignisreiches steilberghoch Jahr. Auch wenn es abrupt geendet hat, so kommt es mir in der Rückschau doch sehr lange vor. Ich kann kaum glauben, dass Trondheim - Oslo dieses Jahr war und nicht etwa schon 2010.
Wenn ich die Augen schließe habe ich andererseits sofort die Bilder vor mir, wie ich mich an der letzten Steigung auf der abgesperrten Autobahn kurz vor Oslo am Berg davon mache, und dann auf der riesigen, leeren, beleuchteten Straße alleine dem Ziel entgegen fahre. Und dann die Zieldurchfahrt, locker nach 540 Kilometern. Mein erster 500er in ganz ordentlicher Zeit. Ein wunderbares Rennen, ein herrliches Gefühl. So eindrucksvoll, dass noch viele weitere Bilder immer wieder vor meinem geistigen Auge auftauchen: das Racing auf den ersten 250 Kilometern, die Einsamkeit bei der langen Alleinfahrt zwichen Kilometer 300 und 400, das seltsame Gefühl auf dem Tacho 420 Km zu lesen, die jubelnde Menge bei einem Zwischensprint an einem Kontrollpunkt irgendwo zwischen Lillehammer und Oslo, die Lagerfeuer mit tanzenden, betrunkenen, anfeuernden Menschen vor Oslo, und so viele mehr, dass ich diesen ganzen Artikel nur mit Bildern vom styrkeproven füllen könnte.
Dabei habe ich ja die ersten schönen Bilder schon im Mai verinnerlichen können. Mit Marco auf der frisch geteerten Straße zum Fährhafen nach Carloforte auf San Pietro. Die bergige Landschaft Sardiniens auf der einen Seite, das Meer auf der anderen, dazu blauer Himmel und Sonne bei angenehmen Temperaturen. Einfach fantastisch. Dieses "Trainingslager" war eine wirklich gute Idee und hat sehr geholfen den Arbeitsstress vorher zu verarbeiten.
Dabei fing das Jahr nicht so richtig gut an, denn schon früh hatte ich mir beim Krafttraining eine Verletzung zugezogen, so dass ich nicht trainieren konnte wie ich es eigentlich geplant hatte. Ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass ich trotzdem durchgehalten habe, und mich auch nicht von dem dummen Geschwätz des Orthopäden habe einschüchtern lassen.
Meine Ziele für 2011 waren vielleicht etwas optimistisch gesteckt. Während ich anfangs nur mein Level vom Vorjahr halten wollte, hatte ich doch schnell die Idee ich könnte einen Sprung machen in meiner Leistungsfähigkeit. Aber gerade im Ausdauersport, und vor allem wenn man erst in hohem Alter mit umfangreicherem Training beginnt, geschehen Fortschritte nur allmählich, schließlich muss ich ja auch noch gegen den altersbedingten Kraft- und Fitnessverlust ankämpfen. So hatte ich mir für den Glocknerkönig eine zu ehrgeizige Zeit gesetzt, und obwohl ich mich verbessert hatte eine herbe Enttäuschung erlebt.
Ein bisschen enttäuscht war ich auch zunächst von meiner Zeit beim Alpenbrevet. Aber im nachhinein war das völlig ok. Ich habe doch einiges gelernt, gerade aus diesem Event. Erstens werde ich 2012 mehr Rennen fahren, der Trainignseffekt ist doch enorm, und ich bin nicht mehr so ängstlich mich zu überfordern. Zweitens weiß ich jetzt, dass ich nicht nur 500 Kilometer am Stück fahren kann, sondern auch, dass bei 7000 Höhenmetern am Tag noch nicht Schluss sein muss. Das hat mir das Selbstvertrauen gegeben mich für den Schweizer Radmarathon Bern-Bodensee-Bern anzumelden und die 720 Kilometer Strecke zu versuchen. Drittens habe ich gelernt, dass es tierisch Spaß macht vorne mitzufahren, und dass ich viertens von Anfang an mehr essen muss, sonst gibt es einen Einbuch wie am Lukmanier.
Aber das schönste am Alpenbrevet war wohl der Fakt, dass ich dadurch und durch das Training vorher die Schweizer Alpen, vor allem das Berner Oberland kennengelernt habe. Nicht zuletzt dadurch habe ich elf neue Pässe kennengelernt, mit ca. 30 Auffahrten. Allein diese Zahl zeigt schon was für ein intensives steilberghoch Jahr hinter mir liegt.
In diesem Zusammenhang möchte ich mich auch für die netten Kommentare und Emails bedanken die ich von den Lesern von steilberghoch.com bekommen habe. Ich hoffe meine Berichte und Bilder sind nützlich für eure eigenen Touren, und unterhaltsam für die, die nicht selbst fahren.
Nicht nur die Schweizer Pässe waren spektakulär, auch die Kosten die anfallen, wenn man sie erleben will sind spektakulär. Somit habe die zwei sicher teuersten Radfahrländer Europas dieses Jahr bereist, nämlich Norwegen und die Schweiz.
Als Entschädigung gab es unbezahlbare Eindrücke, nicht nur wie oben beschrieben in Norwegen, sondern auch in der Schweiz. Der Blick von der Grimselpasshöhe hinunter nach Gletsch, mit gleichzeitigem Blick auf den Furkapass und den Rhone Gletscher sucht sicher seinesgleichen. Mit dem Gotthard Pass und der Auffahrt über die Tremola konnte ich einen weiteren echten Klassiker unter den Pässen in mein Palmares schreiben. Aber landschaftlich fantastisch sind alle schweizer Pässe, die ich dieses Jahr gefahren bin, und das waren wie gesagt eine ganze Menge...
Aber nicht nur die schweizer Alpen und die (für deutsche Rennradler) exotischen Orte wie Sardinien und Norwegen sind für eindrucksvolle Bilder in meiner Erinnerung verantwortlich. Auch meine Auffahrten in Österreich und Südtirol waren fantastisch. Das Hahntennjoch mit seiner wundervollen Abfahrt in Richtung Elmen, und vor allem am gleichen Tag die Auffahrt zum Rettenbachferner. Das erste mal, dass ich mich auf der Söldener Gletscherstraße nicht elend gequält habe. Vielleicht mein größter persönlicher Erfolg dieses Jahr. Aber auch das herrliche Gefühl im Gletscherrestaurant in der Sonne zu sitzen und Kaiserschmarrn zu essen, mit der Befriedigung soeben die Kaunertaler Gletscherstraße in annehmbarer Zeit bezwungen zu haben möchte ich nicht missen.
Das Wetterkapriolen wie am Stilfersjoch in Erinnerung bleiben ist klar, aber auch wenn ich am Col de l'Iseran schon fiesere Temperaturen und Eis überstanden habe, in Hagelsturm und Gewitter zu fahren bei über 2500 Metern Höhe und dann vor allem ein Sturm wie ich ihn noch nie erlebt habe, das war schon spektakulärer als mir lieb war. Die letzten Kilometer in der weißen Stille und die krasse Abfahrt im Schneematsch, solche Erlebnisse gibt es nur, wenn man sich der Natur aussetzt, und ich kenne momentan keinen schöneren Weg das zu tun als mit dem Rennrad in den Alpen. Selbstverständlich ist das Risiko kalkuliert. Aber gerade in den Bergen muss man Respekt und Demut vor der Natur und ihrer Gewalt haben, und wenn man das hat wird man mit unvergesslichen Erlebnissen belohnt.
Das man auch Respekt vor 18% Abfahrten haben sollte, habe ich bei meinem Saisonabschluss gelernt. Auf die harte Tour. Allerdings war meine "Saisonabschlussfahrt" 2011 ein echtes Highlight, trotz des abrupten Endes. Die zwei Nächte am Fuße des Mont Ventoux haben mir einen unglaublichen Fahrradtag beschert. Die drei Auffahrten hinauf auf den Ventoux waren fantastisch. Die klassische Auffahrt von Bedoin ein wirkliches Highlight. Dies nochmal zu toppen sollte eigentlich unmöglich sein, und doch, schon zwei Tage später stand ich auf dem Gipfel des Pico Veleta, bin mit dem Rennrad auf den höchsten asphaltierten Punkt Europas (präziser: höchster schlecht asphaltierten Punkt Europas) gefahren. Zusammen mit den beiden folgenden Auffahrtsvarianten über Guejar Sierra und Monachil war dies der Höhepunkt der ganzen Saison, ohne tatsächlich eine Reihenfolge meiner Erlebnisse in dieser spektakulären Saison aufstellen zu wollen.
Der Sturz in Monachil hat mir natürlich die Verletzlichkeit des Rennradlers drastisch vor Augen geführt. Aber auch die Widerstandsfähigkeit und die Heilungskräfte des menschlichen Körpers.
Von einer Sekunde auf die andere statt Hochgefühle im Kampf gegen Berg und Wetter nur noch ein jämmerliches Kriechen auf allen Vieren um nur die vier Treppenstufen zum Hotel hochzukommen, eine wirklich schwierige Situation. Dazu die Ungewissheit, ob auch alles wieder vollständig heilt, oder ob man vielleicht einen bleibenden Schaden behält.
An diesem Punkt kommt es darauf an, das Ganze psychisch wegzustecken. Wieder ins Training zu kommen, die Zwangspause als gegeben hinzunehmen und sich nicht entmutigen zu lassen. Eine der wenigen Situationen in denen erfolgreiche Sportler, auch aus dem Profibereich, als Vorbild dienen können. (Denen eine moralische Vorbildfunktion zuzusprechen halte ich für absurd.) Denn gerade die sind erfolgreich, die Verletzungen und Niederlagen am besten wegstecken können.
So werde ich meine Ergebnisse beim Glocknerkönig und Alpenbrevet, genauso wie meinen Sturz am Pico Veleta als lehrreiche Erfahrungen verbuchen, und mich in die Saison 2012 von den fantastischen Erlebnissen in 2011 hineintragen lassen. Mit neuen Zielen auf etwas längeren Strecken...
Wenn ich die Augen schließe habe ich andererseits sofort die Bilder vor mir, wie ich mich an der letzten Steigung auf der abgesperrten Autobahn kurz vor Oslo am Berg davon mache, und dann auf der riesigen, leeren, beleuchteten Straße alleine dem Ziel entgegen fahre. Und dann die Zieldurchfahrt, locker nach 540 Kilometern. Mein erster 500er in ganz ordentlicher Zeit. Ein wunderbares Rennen, ein herrliches Gefühl. So eindrucksvoll, dass noch viele weitere Bilder immer wieder vor meinem geistigen Auge auftauchen: das Racing auf den ersten 250 Kilometern, die Einsamkeit bei der langen Alleinfahrt zwichen Kilometer 300 und 400, das seltsame Gefühl auf dem Tacho 420 Km zu lesen, die jubelnde Menge bei einem Zwischensprint an einem Kontrollpunkt irgendwo zwischen Lillehammer und Oslo, die Lagerfeuer mit tanzenden, betrunkenen, anfeuernden Menschen vor Oslo, und so viele mehr, dass ich diesen ganzen Artikel nur mit Bildern vom styrkeproven füllen könnte.
Dabei habe ich ja die ersten schönen Bilder schon im Mai verinnerlichen können. Mit Marco auf der frisch geteerten Straße zum Fährhafen nach Carloforte auf San Pietro. Die bergige Landschaft Sardiniens auf der einen Seite, das Meer auf der anderen, dazu blauer Himmel und Sonne bei angenehmen Temperaturen. Einfach fantastisch. Dieses "Trainingslager" war eine wirklich gute Idee und hat sehr geholfen den Arbeitsstress vorher zu verarbeiten.
Dabei fing das Jahr nicht so richtig gut an, denn schon früh hatte ich mir beim Krafttraining eine Verletzung zugezogen, so dass ich nicht trainieren konnte wie ich es eigentlich geplant hatte. Ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass ich trotzdem durchgehalten habe, und mich auch nicht von dem dummen Geschwätz des Orthopäden habe einschüchtern lassen.
Meine Ziele für 2011 waren vielleicht etwas optimistisch gesteckt. Während ich anfangs nur mein Level vom Vorjahr halten wollte, hatte ich doch schnell die Idee ich könnte einen Sprung machen in meiner Leistungsfähigkeit. Aber gerade im Ausdauersport, und vor allem wenn man erst in hohem Alter mit umfangreicherem Training beginnt, geschehen Fortschritte nur allmählich, schließlich muss ich ja auch noch gegen den altersbedingten Kraft- und Fitnessverlust ankämpfen. So hatte ich mir für den Glocknerkönig eine zu ehrgeizige Zeit gesetzt, und obwohl ich mich verbessert hatte eine herbe Enttäuschung erlebt.
Ein bisschen enttäuscht war ich auch zunächst von meiner Zeit beim Alpenbrevet. Aber im nachhinein war das völlig ok. Ich habe doch einiges gelernt, gerade aus diesem Event. Erstens werde ich 2012 mehr Rennen fahren, der Trainignseffekt ist doch enorm, und ich bin nicht mehr so ängstlich mich zu überfordern. Zweitens weiß ich jetzt, dass ich nicht nur 500 Kilometer am Stück fahren kann, sondern auch, dass bei 7000 Höhenmetern am Tag noch nicht Schluss sein muss. Das hat mir das Selbstvertrauen gegeben mich für den Schweizer Radmarathon Bern-Bodensee-Bern anzumelden und die 720 Kilometer Strecke zu versuchen. Drittens habe ich gelernt, dass es tierisch Spaß macht vorne mitzufahren, und dass ich viertens von Anfang an mehr essen muss, sonst gibt es einen Einbuch wie am Lukmanier.
Aber das schönste am Alpenbrevet war wohl der Fakt, dass ich dadurch und durch das Training vorher die Schweizer Alpen, vor allem das Berner Oberland kennengelernt habe. Nicht zuletzt dadurch habe ich elf neue Pässe kennengelernt, mit ca. 30 Auffahrten. Allein diese Zahl zeigt schon was für ein intensives steilberghoch Jahr hinter mir liegt.
In diesem Zusammenhang möchte ich mich auch für die netten Kommentare und Emails bedanken die ich von den Lesern von steilberghoch.com bekommen habe. Ich hoffe meine Berichte und Bilder sind nützlich für eure eigenen Touren, und unterhaltsam für die, die nicht selbst fahren.
Nicht nur die Schweizer Pässe waren spektakulär, auch die Kosten die anfallen, wenn man sie erleben will sind spektakulär. Somit habe die zwei sicher teuersten Radfahrländer Europas dieses Jahr bereist, nämlich Norwegen und die Schweiz.
Als Entschädigung gab es unbezahlbare Eindrücke, nicht nur wie oben beschrieben in Norwegen, sondern auch in der Schweiz. Der Blick von der Grimselpasshöhe hinunter nach Gletsch, mit gleichzeitigem Blick auf den Furkapass und den Rhone Gletscher sucht sicher seinesgleichen. Mit dem Gotthard Pass und der Auffahrt über die Tremola konnte ich einen weiteren echten Klassiker unter den Pässen in mein Palmares schreiben. Aber landschaftlich fantastisch sind alle schweizer Pässe, die ich dieses Jahr gefahren bin, und das waren wie gesagt eine ganze Menge...
Aber nicht nur die schweizer Alpen und die (für deutsche Rennradler) exotischen Orte wie Sardinien und Norwegen sind für eindrucksvolle Bilder in meiner Erinnerung verantwortlich. Auch meine Auffahrten in Österreich und Südtirol waren fantastisch. Das Hahntennjoch mit seiner wundervollen Abfahrt in Richtung Elmen, und vor allem am gleichen Tag die Auffahrt zum Rettenbachferner. Das erste mal, dass ich mich auf der Söldener Gletscherstraße nicht elend gequält habe. Vielleicht mein größter persönlicher Erfolg dieses Jahr. Aber auch das herrliche Gefühl im Gletscherrestaurant in der Sonne zu sitzen und Kaiserschmarrn zu essen, mit der Befriedigung soeben die Kaunertaler Gletscherstraße in annehmbarer Zeit bezwungen zu haben möchte ich nicht missen.
Das Wetterkapriolen wie am Stilfersjoch in Erinnerung bleiben ist klar, aber auch wenn ich am Col de l'Iseran schon fiesere Temperaturen und Eis überstanden habe, in Hagelsturm und Gewitter zu fahren bei über 2500 Metern Höhe und dann vor allem ein Sturm wie ich ihn noch nie erlebt habe, das war schon spektakulärer als mir lieb war. Die letzten Kilometer in der weißen Stille und die krasse Abfahrt im Schneematsch, solche Erlebnisse gibt es nur, wenn man sich der Natur aussetzt, und ich kenne momentan keinen schöneren Weg das zu tun als mit dem Rennrad in den Alpen. Selbstverständlich ist das Risiko kalkuliert. Aber gerade in den Bergen muss man Respekt und Demut vor der Natur und ihrer Gewalt haben, und wenn man das hat wird man mit unvergesslichen Erlebnissen belohnt.
Das man auch Respekt vor 18% Abfahrten haben sollte, habe ich bei meinem Saisonabschluss gelernt. Auf die harte Tour. Allerdings war meine "Saisonabschlussfahrt" 2011 ein echtes Highlight, trotz des abrupten Endes. Die zwei Nächte am Fuße des Mont Ventoux haben mir einen unglaublichen Fahrradtag beschert. Die drei Auffahrten hinauf auf den Ventoux waren fantastisch. Die klassische Auffahrt von Bedoin ein wirkliches Highlight. Dies nochmal zu toppen sollte eigentlich unmöglich sein, und doch, schon zwei Tage später stand ich auf dem Gipfel des Pico Veleta, bin mit dem Rennrad auf den höchsten asphaltierten Punkt Europas (präziser: höchster schlecht asphaltierten Punkt Europas) gefahren. Zusammen mit den beiden folgenden Auffahrtsvarianten über Guejar Sierra und Monachil war dies der Höhepunkt der ganzen Saison, ohne tatsächlich eine Reihenfolge meiner Erlebnisse in dieser spektakulären Saison aufstellen zu wollen.
Der Sturz in Monachil hat mir natürlich die Verletzlichkeit des Rennradlers drastisch vor Augen geführt. Aber auch die Widerstandsfähigkeit und die Heilungskräfte des menschlichen Körpers.
Von einer Sekunde auf die andere statt Hochgefühle im Kampf gegen Berg und Wetter nur noch ein jämmerliches Kriechen auf allen Vieren um nur die vier Treppenstufen zum Hotel hochzukommen, eine wirklich schwierige Situation. Dazu die Ungewissheit, ob auch alles wieder vollständig heilt, oder ob man vielleicht einen bleibenden Schaden behält.
An diesem Punkt kommt es darauf an, das Ganze psychisch wegzustecken. Wieder ins Training zu kommen, die Zwangspause als gegeben hinzunehmen und sich nicht entmutigen zu lassen. Eine der wenigen Situationen in denen erfolgreiche Sportler, auch aus dem Profibereich, als Vorbild dienen können. (Denen eine moralische Vorbildfunktion zuzusprechen halte ich für absurd.) Denn gerade die sind erfolgreich, die Verletzungen und Niederlagen am besten wegstecken können.
So werde ich meine Ergebnisse beim Glocknerkönig und Alpenbrevet, genauso wie meinen Sturz am Pico Veleta als lehrreiche Erfahrungen verbuchen, und mich in die Saison 2012 von den fantastischen Erlebnissen in 2011 hineintragen lassen. Mit neuen Zielen auf etwas längeren Strecken...
Freitag, 2. Dezember 2011
Auferstanden aus Ruinen!
Nach 7 Wochen ist mein Fahrrad wieder auferstanden! Neuer Rahmen, neuer Lenker und Vorbau, andere STI Hebel, neue Züge und Kabel, neue Kurbel, neue Laufräder, neue Reifen, neue Kassette, neue Sattelstütze, neuer Sattel. Mit anderen Worten, außer den Bremsen und dem Di2 Akku ein komplett neues Fahrrad.
Die Betrachtung der defekten Einzelteile hat mir nochmal die Wucht des Einschlages vom Fahrrad gegen die Felsböschung vor Augen geführt. Vor allem der gebrochene Lenker hat mich sehr beeindruckt. Der ist nämlich eigentlich enorm stabil. Zum Glück war das Fahrrad also nach dem Sturz durch das herausgeschlagene Hinterrad nicht mehr benutzbar, denn sonst wäre ich sicherlich wieder irgendwie aufgestiegen und hätte versucht noch abzufahren bis zum Hotel, was wohl zu einem erneutem Sturz durch "Bauteilversagen" geführt hätte.
Nun, so habe ich durch meinen Sturz, der allerdings auf "Fahrerversagen" zurückzuführen ist, doch was gelernt. Nämlich erstens muss man sich um hochwertige Carbonbauteile im Fahrradbau nicht die geringsten Sorgen machen, die halten enorme Belastungen aus. Zweitens, wenn man doch mal "richtig" stürzt trotzdem ab mit dem Zeug in die Tonne. Auch wenn es finanziell weh tut.
Das neue Fahrrad hätte eigentlich nochmal einen Motivationsschub bringen sollen, allerdings war der Verlauf der körperlichen Genesung gerade da scheinbar auf einem Tiefpunkt. Natürlich bin ich ungeduldig, aber nachdem es erst drei Wochen sehr langsam aber stetig bergauf ging, und ich fast jeden Tag ein kleines Erfolgserlebnis hatte, indem ich mich etwas besser bewegen konnte oder irgendwann sogar auf dem Rücken und schließlich sogar auf der rechten Seite liegen konnte, kam nach drei Wochen eine Wende zum Schlechteren.
Nun hatte ich Schmerzen in den Beinen, die zuvor eigentlich gar nicht betroffen waren. Offensichtlich drückte der sich änderende innere Bluterguss auf einen Nerv, so dass, verstärkt durch meine schiefe Schonhaltung, neue Schmerzen auftraten. Da sich drei Wochen lang nichts mehr verbesserte, sondern die Situation vor allem durch das Arbeiten eher immer schlechter wurde, war ich dann so verunsichert, dass ich mich nicht mehr auf mein Körpergefühl verlassen konnte. Mir war völlig unklar ob Bewegung oder Ruhigstellen die bessere Wahl ist.
Sowas frustriert natürlich. Und sich näher mit den verschiedenen Folgen und Ausprägungen von Prellungen zu beschäftigen hat eher zur Verunsicherung beigetragen. Schließlich bin ich nochmal zum Ortophäden gegangen und der hat zwei blockierte Wirbel im Lendenwirbelbereich gelöst. Nach einer weiteren Woche war es dann immer noch nicht wirklich besser, so dass ich mir gerade vorgenommen hatte nochmal einen Internisten aufzusuchen, als es von einem auf den anderen Tag sprunghaft besser wird.
Und wenn bis dahin alle "Glück im Unglück" Gedanken komplett aufgebraucht waren und ich anfing mir echt Sorgen über möglicherweise bleibenden Folgen meines Sturzes zu machen, so geht es seitdem wieder steil bergauf. Keine Schmerzen im Alltag mehr, und außer Seitstütz rechts kann ich eigentlich wieder alles trainieren. Selbst Kreuzheben mit leichten Gewichten geht.
Und die Erleichterung darüber hellt natürlich auch die Stimmung auf. Der Blick ins Blog mit dem hässlichen Damenfahrrad als erstes Bild hat mich so frustriert, dass ich den Browser immer gleich wieder geschlossen habe. Das SL3 Roubaix macht sich da doch gleich viel besser...
Die Betrachtung der defekten Einzelteile hat mir nochmal die Wucht des Einschlages vom Fahrrad gegen die Felsböschung vor Augen geführt. Vor allem der gebrochene Lenker hat mich sehr beeindruckt. Der ist nämlich eigentlich enorm stabil. Zum Glück war das Fahrrad also nach dem Sturz durch das herausgeschlagene Hinterrad nicht mehr benutzbar, denn sonst wäre ich sicherlich wieder irgendwie aufgestiegen und hätte versucht noch abzufahren bis zum Hotel, was wohl zu einem erneutem Sturz durch "Bauteilversagen" geführt hätte.
Nun, so habe ich durch meinen Sturz, der allerdings auf "Fahrerversagen" zurückzuführen ist, doch was gelernt. Nämlich erstens muss man sich um hochwertige Carbonbauteile im Fahrradbau nicht die geringsten Sorgen machen, die halten enorme Belastungen aus. Zweitens, wenn man doch mal "richtig" stürzt trotzdem ab mit dem Zeug in die Tonne. Auch wenn es finanziell weh tut.
Das neue Fahrrad hätte eigentlich nochmal einen Motivationsschub bringen sollen, allerdings war der Verlauf der körperlichen Genesung gerade da scheinbar auf einem Tiefpunkt. Natürlich bin ich ungeduldig, aber nachdem es erst drei Wochen sehr langsam aber stetig bergauf ging, und ich fast jeden Tag ein kleines Erfolgserlebnis hatte, indem ich mich etwas besser bewegen konnte oder irgendwann sogar auf dem Rücken und schließlich sogar auf der rechten Seite liegen konnte, kam nach drei Wochen eine Wende zum Schlechteren.
Nun hatte ich Schmerzen in den Beinen, die zuvor eigentlich gar nicht betroffen waren. Offensichtlich drückte der sich änderende innere Bluterguss auf einen Nerv, so dass, verstärkt durch meine schiefe Schonhaltung, neue Schmerzen auftraten. Da sich drei Wochen lang nichts mehr verbesserte, sondern die Situation vor allem durch das Arbeiten eher immer schlechter wurde, war ich dann so verunsichert, dass ich mich nicht mehr auf mein Körpergefühl verlassen konnte. Mir war völlig unklar ob Bewegung oder Ruhigstellen die bessere Wahl ist.
Sowas frustriert natürlich. Und sich näher mit den verschiedenen Folgen und Ausprägungen von Prellungen zu beschäftigen hat eher zur Verunsicherung beigetragen. Schließlich bin ich nochmal zum Ortophäden gegangen und der hat zwei blockierte Wirbel im Lendenwirbelbereich gelöst. Nach einer weiteren Woche war es dann immer noch nicht wirklich besser, so dass ich mir gerade vorgenommen hatte nochmal einen Internisten aufzusuchen, als es von einem auf den anderen Tag sprunghaft besser wird.
Und wenn bis dahin alle "Glück im Unglück" Gedanken komplett aufgebraucht waren und ich anfing mir echt Sorgen über möglicherweise bleibenden Folgen meines Sturzes zu machen, so geht es seitdem wieder steil bergauf. Keine Schmerzen im Alltag mehr, und außer Seitstütz rechts kann ich eigentlich wieder alles trainieren. Selbst Kreuzheben mit leichten Gewichten geht.
Und die Erleichterung darüber hellt natürlich auch die Stimmung auf. Der Blick ins Blog mit dem hässlichen Damenfahrrad als erstes Bild hat mich so frustriert, dass ich den Browser immer gleich wieder geschlossen habe. Das SL3 Roubaix macht sich da doch gleich viel besser...
Mittwoch, 12. Oktober 2011
Damenrad statt Carbonrenner
Anderthalb Wochen ist der blöde Sturz jetzt her, und heute bin ich das erste mal wieder Fahrrad gefahren. Mit dem Damenrad, weil ich auf meine Fahrräder nicht draufkomme.
Mein geliebtes SL3 Roubaix geht tatsächlich in den Schredder! Es gibt einen Austauschrahmen zum halben Preis im Rahmen des Crashreplacement von Specialized. Ein kleiner Trost. Lenker und Vorbau wird auch geschreddert. Die Bremsschalthebel der Di2 und ein bisschen Kleinkram sind ebenfalls beschädigt.
Das ist natürlich teuer, aber letztlich zweitrangig, ärgerlich ist vielmehr, dass ich mittlerweile fast gar nicht mehr richtig gehen kann. Der Schmerz kommt eher stechend plötzlich, so dass ich unwillkürlich seltsame Ausweichbewegungen mache. Das schadet der eleganten Austrahlung meines Ganges ungemein.
Da stehen und liegen auch nicht so toll ist, bleibt nur sitzen. Am besten auf dem Ergometer, eigentlich fühle ich mich da noch am wohlsten, so dass ich seit Sonntag jeden Abend immerhin eine halbe bis dreiviertel Stunde "fahre" (Rekom um 120 Watt). Ich habe eh mit der Saison abgeschlossen, so kann ich mich schon mal auf das Wintertraining einstellen. Die Idee die Unfallstrecke dieses Jahr nochmal zu fahren habe ich verworfen, der Heilungsprozess braucht doch etwas länger wie ich mir das in meiner Ungeduld vorgestellt habe, und beruflich passt es auch nicht recht.
So habe ich mir das Ganze nochmal mit Google Streetview angeschaut, und bin immer wieder erstaunt, wie ich mich da so verschätzen konnte. Auch über Streeetview unterschätzt man das Gefälle bergab, während man bei Blick in die bergauf Richtung immerhin ahnen kann, dass es da recht steil ist. Die Kurve sieht überhaupt nicht eng oder so aus, allerdings kann man auch erkennen, dass die mit sechzig nun wirklich nicht geht...
![]() |
| Herzlichen Dank an Tina für das Ausleihen! |
Mein geliebtes SL3 Roubaix geht tatsächlich in den Schredder! Es gibt einen Austauschrahmen zum halben Preis im Rahmen des Crashreplacement von Specialized. Ein kleiner Trost. Lenker und Vorbau wird auch geschreddert. Die Bremsschalthebel der Di2 und ein bisschen Kleinkram sind ebenfalls beschädigt.
Das ist natürlich teuer, aber letztlich zweitrangig, ärgerlich ist vielmehr, dass ich mittlerweile fast gar nicht mehr richtig gehen kann. Der Schmerz kommt eher stechend plötzlich, so dass ich unwillkürlich seltsame Ausweichbewegungen mache. Das schadet der eleganten Austrahlung meines Ganges ungemein.
Da stehen und liegen auch nicht so toll ist, bleibt nur sitzen. Am besten auf dem Ergometer, eigentlich fühle ich mich da noch am wohlsten, so dass ich seit Sonntag jeden Abend immerhin eine halbe bis dreiviertel Stunde "fahre" (Rekom um 120 Watt). Ich habe eh mit der Saison abgeschlossen, so kann ich mich schon mal auf das Wintertraining einstellen. Die Idee die Unfallstrecke dieses Jahr nochmal zu fahren habe ich verworfen, der Heilungsprozess braucht doch etwas länger wie ich mir das in meiner Ungeduld vorgestellt habe, und beruflich passt es auch nicht recht.
So habe ich mir das Ganze nochmal mit Google Streetview angeschaut, und bin immer wieder erstaunt, wie ich mich da so verschätzen konnte. Auch über Streeetview unterschätzt man das Gefälle bergab, während man bei Blick in die bergauf Richtung immerhin ahnen kann, dass es da recht steil ist. Die Kurve sieht überhaupt nicht eng oder so aus, allerdings kann man auch erkennen, dass die mit sechzig nun wirklich nicht geht...
Donnerstag, 6. Oktober 2011
Fazit Saisonabschlussfahrt Ventoux / Veleta
Dieses Fazit wollte ich eigentlich am Strand von Almeria schreiben... Aber auch so fällt es positiv aus.
Die zunächst etwas abwegige Idee mit dem Auto bis nach Andalusien zu fahren, statt zu fliegen hat sich eigentlich bewährt. Das langsame Ankommen, mit dem Durchqueren der unterschiedlichen, zum Teil für mich neuen Landschaften, hat mir gut gefallen.
Vor allem aber habe ich so den Mont Ventoux in einem Zwischenstopp noch mit eingebaut, den ich sonst wohl kaum für ein Wochenende angefahren hätte. Und das habe ich nun wirklich nicht bereut. Interessant sind alle drei Anfahrten auf die Passhöhe, wobei die von Bedoin für mich mit Abstand die attraktivste und interessanteste war, und zwar bergauf wie bergab.
Sportlich gesehen ist die Auffahrt von Malaucene fast ebenbürtig, wobei ich glaube, dass im Sommer bei Gluthitze die Auffahrt von Bedoin doch deutlich anstrengender ist. Die Auffahrt von Sault ist auf jedenfall auch interessant, aber der sportlich anspruchsvolle Teil ist genau jener Abschnitt, der mit der Auffahrt von Bedoin identisch ist. Außerdem ist der Straßenbelag von Sault bis zum Chalet Raynard wirklich schlecht, was vor allem in der Abfahrt nervt.
Mit dem Wetter hatte ich in der Provence Glück, so dass ich die ungewöhnliche Aussicht in vollen Zügen genießen konnte, dazu die netten Franzosen, die romantisch schöne Landschaft, die typisch provencalischen Örtchen Bedoin, Malaucene und Sault, wirklich perfekt. Die Reise zum Mont Ventoux lohnt sich auf jedenfall, auch wenn es von Deutschland aus sehr weit zu fahren ist.
Hochinteressant fand ich die Tatsache, dass sich an diesem Berg auch viele Radler versucht haben, deren Trainingszustand offensichtlich nicht ausreichend für einen richtigen Alpenpass war. Das hat mich sehr an Trondheim - Oslo erinnert, wo das Rennen für die Norweger so eine große Bedeutung hat, dass man sich auch daran versucht, wenn es eigentlich nicht reicht. Das scheint mit dem Ventoux in Frankreich ähnlich zu sein. Für jemanden der gut z.B. das Timmelsjoch hochkommt sollte der Berg, egal von welcher Seite, aber kein Problem darstellen. Der Myhtos rührt eher her von den fiesen Bedingungen mit Hitze und heftigem Wind her, die dort herrschen können, und natürlich durch den Tod von Tom Simpson bei der Tour 1967. (einige Fahrer dieser Zeit hatten krasse Erlebnisse dort, die nicht zuletzt mit dem damals üblichen Einsatz von Amphetaminen und Alkohol in Kombination mit Dehydrierung in der Gluthitze herrührten).
Ich wäre ehrlich gesagt am liebsten noch ein paar Tage in der Provence geblieben, aber letzlich muss ich sagen, dass die Tage in Andalusien die Erlebnisse am Mont Ventoux nochmal getoppt haben.
Die erste Auffahrt zum Pico Veleta war wirklich spannend, wenn ich auch etwas gebraucht habe um den richtigen Weg zu finden. Aber eine so lange Auffahrt macht schon richtig Spaß. Auch so lange in über 3000 Metern Höhe zu fahren ist einfach geil. Ständig hat man diese spektakuläre weite Aussicht, die Temperaturunterschiede von Granada bis zum Gipfel sind sehr groß, teils über 25°, der tolle Fahrbahnbelag im Abschnitt bis zur Schranke, der herausfordernde Belag der letzten elf Kilometer, und dann die letzten Kilometer durch die Mondlandschaft bis zum Gipfel machen diesen Anstieg zum Erlebnis.
Das hier meist gutes Wetter herrscht kommt natürlich noch dazu, auch wenn ich drei Anläufe gebraucht habe, bis ich den Gipfelblick einigermaßen wolkenfrei genießen konnte.
Die beiden Varianten über Guejar Sierra einerseits und Monachil andererseits sind beide wirklich fantastisch. Die muss man einfach fahren. Auch wenn die Steigungen mit 19% über zwei Kilometer (mit Erholungsstellen um 10%) und 12 bsi 15% (mit 18% Spitzen über ca. 150 bis 200 Meter), jeweils sehr herausfordernd sind. Beide Varanten treffen wieder auf die 395, so dass die Variation nur im unteren Drittel liegt.
Ich weiß nicht genau warum, aber hier konnte ich so abschalten wie seit vielen Jahren nicht mehr. Mehr als auf meinen beiden langen Radreisen. Um so mehr ärgert es mich natürlich, dass ich vorzeitig abreisen musste. Und vor allem, dass ich die vierte Auffahrt mit Zeitenjagd auf der Standardstrecke nicht mehr machen konnte.
Aber das Positive überwiegt, trotz des Sturzes, bei weitem. Nur muss ich so auf jeden Fall in nächster Zeit nochmal nach Andalusien. Denn mir ist immer noch nicht ganz klar warum ich mich so verschätzt habe. Auch nach der Analyse der Daten von PC7 und Garmin 800. Ich habe den Track auch nochmal auf Google Earth angeschaut. Und mir scheint die Kurve doch deutlich sanfter zu sein als die empfundenen 95°, eher so bei 110 bis 120°. Das einzige was mir Aufschluss bringen wird ist wohl eine genaue Ortsbesichtigung.
Jetzt muss ich aber erst mal wieder aufs Rad kommen, dass wird noch ein paar Tage dauern, jedenfalls stelle ich mir das so vor. Aber ich hatte ja auch direkt nach dem Sturz die Lage völlig falsch eingeschätzt und ernsthaft überlegt am nächsten Tag mit einem Leihrad die vierte Auffahrt zu machen, dabei konnte ich nicht mal alleine die paar Treppen des Hoteleingang gehen... Seltsam wie man da reagiert. Aber immerhin war mir recht schnell klar, dass ich immenses Glück hatte einer schweren Verletzung entgangen zu sein, so dass ich zu keinem Zeitpunkt irgendwie geschockt war, und dieses Ende meines "Saisonabschlussradurlaubs" nicht so schwer genommen habe, auch wenn es natürlich sehr schade ist, dass mir Calar Alto und Velfique entgangen sind.
Nur muss ich mich jetzt entscheiden, ob ich in die "Winterpause" gehe und dann das Training wieder für die neue Saison wie grob geplant aufbaue, oder die Saison nochmal verlängere und nach Genesung versuche dieses Jahr noch die Strecke nochmal zu fahren.
Die zunächst etwas abwegige Idee mit dem Auto bis nach Andalusien zu fahren, statt zu fliegen hat sich eigentlich bewährt. Das langsame Ankommen, mit dem Durchqueren der unterschiedlichen, zum Teil für mich neuen Landschaften, hat mir gut gefallen.
Vor allem aber habe ich so den Mont Ventoux in einem Zwischenstopp noch mit eingebaut, den ich sonst wohl kaum für ein Wochenende angefahren hätte. Und das habe ich nun wirklich nicht bereut. Interessant sind alle drei Anfahrten auf die Passhöhe, wobei die von Bedoin für mich mit Abstand die attraktivste und interessanteste war, und zwar bergauf wie bergab.
Sportlich gesehen ist die Auffahrt von Malaucene fast ebenbürtig, wobei ich glaube, dass im Sommer bei Gluthitze die Auffahrt von Bedoin doch deutlich anstrengender ist. Die Auffahrt von Sault ist auf jedenfall auch interessant, aber der sportlich anspruchsvolle Teil ist genau jener Abschnitt, der mit der Auffahrt von Bedoin identisch ist. Außerdem ist der Straßenbelag von Sault bis zum Chalet Raynard wirklich schlecht, was vor allem in der Abfahrt nervt.
Mit dem Wetter hatte ich in der Provence Glück, so dass ich die ungewöhnliche Aussicht in vollen Zügen genießen konnte, dazu die netten Franzosen, die romantisch schöne Landschaft, die typisch provencalischen Örtchen Bedoin, Malaucene und Sault, wirklich perfekt. Die Reise zum Mont Ventoux lohnt sich auf jedenfall, auch wenn es von Deutschland aus sehr weit zu fahren ist.
Hochinteressant fand ich die Tatsache, dass sich an diesem Berg auch viele Radler versucht haben, deren Trainingszustand offensichtlich nicht ausreichend für einen richtigen Alpenpass war. Das hat mich sehr an Trondheim - Oslo erinnert, wo das Rennen für die Norweger so eine große Bedeutung hat, dass man sich auch daran versucht, wenn es eigentlich nicht reicht. Das scheint mit dem Ventoux in Frankreich ähnlich zu sein. Für jemanden der gut z.B. das Timmelsjoch hochkommt sollte der Berg, egal von welcher Seite, aber kein Problem darstellen. Der Myhtos rührt eher her von den fiesen Bedingungen mit Hitze und heftigem Wind her, die dort herrschen können, und natürlich durch den Tod von Tom Simpson bei der Tour 1967. (einige Fahrer dieser Zeit hatten krasse Erlebnisse dort, die nicht zuletzt mit dem damals üblichen Einsatz von Amphetaminen und Alkohol in Kombination mit Dehydrierung in der Gluthitze herrührten).
Ich wäre ehrlich gesagt am liebsten noch ein paar Tage in der Provence geblieben, aber letzlich muss ich sagen, dass die Tage in Andalusien die Erlebnisse am Mont Ventoux nochmal getoppt haben.
Die erste Auffahrt zum Pico Veleta war wirklich spannend, wenn ich auch etwas gebraucht habe um den richtigen Weg zu finden. Aber eine so lange Auffahrt macht schon richtig Spaß. Auch so lange in über 3000 Metern Höhe zu fahren ist einfach geil. Ständig hat man diese spektakuläre weite Aussicht, die Temperaturunterschiede von Granada bis zum Gipfel sind sehr groß, teils über 25°, der tolle Fahrbahnbelag im Abschnitt bis zur Schranke, der herausfordernde Belag der letzten elf Kilometer, und dann die letzten Kilometer durch die Mondlandschaft bis zum Gipfel machen diesen Anstieg zum Erlebnis.
Das hier meist gutes Wetter herrscht kommt natürlich noch dazu, auch wenn ich drei Anläufe gebraucht habe, bis ich den Gipfelblick einigermaßen wolkenfrei genießen konnte.
Die beiden Varianten über Guejar Sierra einerseits und Monachil andererseits sind beide wirklich fantastisch. Die muss man einfach fahren. Auch wenn die Steigungen mit 19% über zwei Kilometer (mit Erholungsstellen um 10%) und 12 bsi 15% (mit 18% Spitzen über ca. 150 bis 200 Meter), jeweils sehr herausfordernd sind. Beide Varanten treffen wieder auf die 395, so dass die Variation nur im unteren Drittel liegt.
Ich weiß nicht genau warum, aber hier konnte ich so abschalten wie seit vielen Jahren nicht mehr. Mehr als auf meinen beiden langen Radreisen. Um so mehr ärgert es mich natürlich, dass ich vorzeitig abreisen musste. Und vor allem, dass ich die vierte Auffahrt mit Zeitenjagd auf der Standardstrecke nicht mehr machen konnte.
Aber das Positive überwiegt, trotz des Sturzes, bei weitem. Nur muss ich so auf jeden Fall in nächster Zeit nochmal nach Andalusien. Denn mir ist immer noch nicht ganz klar warum ich mich so verschätzt habe. Auch nach der Analyse der Daten von PC7 und Garmin 800. Ich habe den Track auch nochmal auf Google Earth angeschaut. Und mir scheint die Kurve doch deutlich sanfter zu sein als die empfundenen 95°, eher so bei 110 bis 120°. Das einzige was mir Aufschluss bringen wird ist wohl eine genaue Ortsbesichtigung.
Jetzt muss ich aber erst mal wieder aufs Rad kommen, dass wird noch ein paar Tage dauern, jedenfalls stelle ich mir das so vor. Aber ich hatte ja auch direkt nach dem Sturz die Lage völlig falsch eingeschätzt und ernsthaft überlegt am nächsten Tag mit einem Leihrad die vierte Auffahrt zu machen, dabei konnte ich nicht mal alleine die paar Treppen des Hoteleingang gehen... Seltsam wie man da reagiert. Aber immerhin war mir recht schnell klar, dass ich immenses Glück hatte einer schweren Verletzung entgangen zu sein, so dass ich zu keinem Zeitpunkt irgendwie geschockt war, und dieses Ende meines "Saisonabschlussradurlaubs" nicht so schwer genommen habe, auch wenn es natürlich sehr schade ist, dass mir Calar Alto und Velfique entgangen sind.
Nur muss ich mich jetzt entscheiden, ob ich in die "Winterpause" gehe und dann das Training wieder für die neue Saison wie grob geplant aufbaue, oder die Saison nochmal verlängere und nach Genesung versuche dieses Jahr noch die Strecke nochmal zu fahren.
Dienstag, 4. Oktober 2011
Unfallanalyse
Noch immer bin ich etwas verwundert, dass ich die Steilheit und die entsprechenden Folgen so falsch eingeschätzt habe. Es ärgert mich natürlich, dass ich so einen Fehler gemacht habe. Aber ich war wohl etwas eingelullt von der herrlich sanften Abfahrt auf der Hauptstrecke über die 395.
Durch die schöne Landschaft und meinen Enthusiasmus habe ich das an dieser Stelle unauffällig aussehende 18% Gefälle komplett unterschätzt. Ich kann mich auch nicht erinnern auf dem Rennrad schon mal so steil bergab gefahren zu sein außer am Kühtai, aber da hat es so stark geschüttet, dass ich eh sehr langsam gefahren bin.
Die Beschleunigung an so einem Steilstück ist wirklich enorm. Das fühlt sich schon an der Gletscherstraße bei 13 bis 14% klasse an, bei 18% fällt man wirklich wie ein Stein. Schon nach wenigen Metern hatte ich 67 km/h drauf. Für ein Rennrad keine spektakuläre Geschwindigkeit, wenn allerdings dann direkt eine 95° Kurve kommt, die etwas schräg nach außen abfällt sieht die Sache schon anders aus.
Mein größtes Problem war allerdings die mangelnde Verzögerung. Durch die Steilheit und die Tatsache, dass ich fürs Berge fahren eigentlich viel zu schwer bin (Systemgewicht lag in dem Moment selbst mit leeren Trinkflaschen noch bei ca. 90 kg), waren die Bremsen komplett überfordert. Ich hatte auch das ganze Jahr über den Eindruck, dass die Citec 3000S Aero mit den Dura Ace Bremsen und Standardbelägen etwas schlechter Bremsen als die Mavic Ksyrium SL, die ich letztes Jahr benutzt habe. Im Bezug auf Dosierbarkeit und Verzögerung.
Bis ich das realisiert hatte, und die Gewalt der Hangabtriebskraft, die bei 18% Gefälle auf 90 kg wirkt richtig eingeschätzt hatte, war es einfach zu spät. Laut SRM, der die Geschwindigkeit über einen Magnet am Vorderrad abnimmt, war die Geschwindigkeit zum Zeitpunkt des Blockierens des Vorderrads 51 km/h. Anhand der Garmindaten kann ich sehen, dass wohl so drei bis fünf Meter später der Überschlag begonnen haben muss.
Wie der Körper sich vom Fahrrad gelöst hat, und wie er vor allen Dingen innerhalb so kurzer Zeit die noch vorhandene Bewegungsenergie abgebaut hat, ist mir völlig unklar. Auch das Fahrrad hat sich unter diesen Aspekten gesehen doch ganz gut gegen die Felswand behauptet. Es ist wohl komplett seitlich (mit der linken Seite) dagegen geprallt, dabei wurde auch das Hinterrad und das Schaltauge rausgeschlagen und der Lenker beschädigt, aber der Rahmen sieht seitlich fast unversehrt aus. Auf der Straße ist es dann wohl mit dem Sattel aufgekommen, der etwas beschädigt ist und mit dem Lenkerhebel rechts beim zweiten Überschlag, der Rest sind Schlidderspuren.
Also insgesamt doch enormes Glück. Da ich nach dem Überschlag auf der rechten Seite aufgekommen bin, und das wohl recht "flach", hat sich die Aufprallenergie über mehrere Körperstellen auf der rechten Seite verteilt. Angefangen von Kopf über Schulter, Rücken und vor allem Hüfte.
Tatsächlich habe ich keinerlei Brüche davongetragen. Im Hüftbereich hat die etwas dickere Jacke im Trikot wohl noch ein bisschen gedämpft, dafür hat sich der Fotoapparat eher punktuell in den Körper gebohrt, was auch die heftigste Prellung verursacht hat. Der Helm ist an der Aufschlagstelle gebrochen, hat den Kopf also wohl vor einem größeren Schaden bewahrt.
Lange über den Asphalt bzw. Schotter bin ich nicht gerutscht, denn die Abschürfungen sind doch überschaubar. Das hat mir den Kontakt mit der Felswand erspart. So muss ich sagen, und das war auch mein Gefühl, direkt nach dem Sturz, nachdem ich alle Glieder und den Kopf bewegt hatte, dass der Sturz sehr glimpflich verlaufen ist.
Glück hatte ich auch damit, dass sofort Leute kamen und sich um mich gekümmert haben. Die Hilfsbereitschaft der Spanier vor Ort war wirklich enorm. Auch wenn die das hier sicher nicht lesen werden, nochmal Danke!
Auch die Erstversorgung im Hospital in Granada war einwandfrei. Und was wir mir sehr geholfen hat, war die Tatsache, dass ich zwar kaum Laufen konnte, und für's Einsteigen ins Auto echte fünf Minuten gebraucht habe, dann aber fast schmerzfrei Sitzen konnte, so konnte ich direkt die zweitägige Heimreise antreten (ok, der Weg ins Hotel an der Autobahnraststätte in Montpellier war hart, und hat pro Meter eine Minute gedauert...).
Die Untersuchung zu Hause mit Röntgen und Ultraschall hat keine Auffälligkeiten ergeben. D.h. wenn die Haut gut heilt, und hoffentlich bald die elenden Schmerzen von den heftigen Prellungen weggehen, kann ich demnächst wieder sanft mit dem Radtraining beginnen.
Gerne würde ich die Zeitlupe des Unfalls nochmal sehen, um das Ganze genauer zu analysieren, aber die gibt es natürlich nicht. Eines ist allerdings klar, diese Abfahrt muss ich möglichst zeitnah nochmal fahren, und mir das in Ruhe anschauen. Blöd nur, dass Granada nicht gerade in einer Autostunde zu erreichen ist.
Durch die schöne Landschaft und meinen Enthusiasmus habe ich das an dieser Stelle unauffällig aussehende 18% Gefälle komplett unterschätzt. Ich kann mich auch nicht erinnern auf dem Rennrad schon mal so steil bergab gefahren zu sein außer am Kühtai, aber da hat es so stark geschüttet, dass ich eh sehr langsam gefahren bin.
Die Beschleunigung an so einem Steilstück ist wirklich enorm. Das fühlt sich schon an der Gletscherstraße bei 13 bis 14% klasse an, bei 18% fällt man wirklich wie ein Stein. Schon nach wenigen Metern hatte ich 67 km/h drauf. Für ein Rennrad keine spektakuläre Geschwindigkeit, wenn allerdings dann direkt eine 95° Kurve kommt, die etwas schräg nach außen abfällt sieht die Sache schon anders aus.
Mein größtes Problem war allerdings die mangelnde Verzögerung. Durch die Steilheit und die Tatsache, dass ich fürs Berge fahren eigentlich viel zu schwer bin (Systemgewicht lag in dem Moment selbst mit leeren Trinkflaschen noch bei ca. 90 kg), waren die Bremsen komplett überfordert. Ich hatte auch das ganze Jahr über den Eindruck, dass die Citec 3000S Aero mit den Dura Ace Bremsen und Standardbelägen etwas schlechter Bremsen als die Mavic Ksyrium SL, die ich letztes Jahr benutzt habe. Im Bezug auf Dosierbarkeit und Verzögerung.
Bis ich das realisiert hatte, und die Gewalt der Hangabtriebskraft, die bei 18% Gefälle auf 90 kg wirkt richtig eingeschätzt hatte, war es einfach zu spät. Laut SRM, der die Geschwindigkeit über einen Magnet am Vorderrad abnimmt, war die Geschwindigkeit zum Zeitpunkt des Blockierens des Vorderrads 51 km/h. Anhand der Garmindaten kann ich sehen, dass wohl so drei bis fünf Meter später der Überschlag begonnen haben muss.
Wie der Körper sich vom Fahrrad gelöst hat, und wie er vor allen Dingen innerhalb so kurzer Zeit die noch vorhandene Bewegungsenergie abgebaut hat, ist mir völlig unklar. Auch das Fahrrad hat sich unter diesen Aspekten gesehen doch ganz gut gegen die Felswand behauptet. Es ist wohl komplett seitlich (mit der linken Seite) dagegen geprallt, dabei wurde auch das Hinterrad und das Schaltauge rausgeschlagen und der Lenker beschädigt, aber der Rahmen sieht seitlich fast unversehrt aus. Auf der Straße ist es dann wohl mit dem Sattel aufgekommen, der etwas beschädigt ist und mit dem Lenkerhebel rechts beim zweiten Überschlag, der Rest sind Schlidderspuren.
Also insgesamt doch enormes Glück. Da ich nach dem Überschlag auf der rechten Seite aufgekommen bin, und das wohl recht "flach", hat sich die Aufprallenergie über mehrere Körperstellen auf der rechten Seite verteilt. Angefangen von Kopf über Schulter, Rücken und vor allem Hüfte.
Tatsächlich habe ich keinerlei Brüche davongetragen. Im Hüftbereich hat die etwas dickere Jacke im Trikot wohl noch ein bisschen gedämpft, dafür hat sich der Fotoapparat eher punktuell in den Körper gebohrt, was auch die heftigste Prellung verursacht hat. Der Helm ist an der Aufschlagstelle gebrochen, hat den Kopf also wohl vor einem größeren Schaden bewahrt.
Lange über den Asphalt bzw. Schotter bin ich nicht gerutscht, denn die Abschürfungen sind doch überschaubar. Das hat mir den Kontakt mit der Felswand erspart. So muss ich sagen, und das war auch mein Gefühl, direkt nach dem Sturz, nachdem ich alle Glieder und den Kopf bewegt hatte, dass der Sturz sehr glimpflich verlaufen ist.
Glück hatte ich auch damit, dass sofort Leute kamen und sich um mich gekümmert haben. Die Hilfsbereitschaft der Spanier vor Ort war wirklich enorm. Auch wenn die das hier sicher nicht lesen werden, nochmal Danke!
Auch die Erstversorgung im Hospital in Granada war einwandfrei. Und was wir mir sehr geholfen hat, war die Tatsache, dass ich zwar kaum Laufen konnte, und für's Einsteigen ins Auto echte fünf Minuten gebraucht habe, dann aber fast schmerzfrei Sitzen konnte, so konnte ich direkt die zweitägige Heimreise antreten (ok, der Weg ins Hotel an der Autobahnraststätte in Montpellier war hart, und hat pro Meter eine Minute gedauert...).
Die Untersuchung zu Hause mit Röntgen und Ultraschall hat keine Auffälligkeiten ergeben. D.h. wenn die Haut gut heilt, und hoffentlich bald die elenden Schmerzen von den heftigen Prellungen weggehen, kann ich demnächst wieder sanft mit dem Radtraining beginnen.
Gerne würde ich die Zeitlupe des Unfalls nochmal sehen, um das Ganze genauer zu analysieren, aber die gibt es natürlich nicht. Eines ist allerdings klar, diese Abfahrt muss ich möglichst zeitnah nochmal fahren, und mir das in Ruhe anschauen. Blöd nur, dass Granada nicht gerade in einer Autostunde zu erreichen ist.
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