Samstag, 30. Juni 2012

gefinished

32:25:04 h

sauheiß, tausendmal verfahren, aber gefinished!

Meine Hände haben etwas gelitten, deshalb kann ich leider noch nicht mehr schreiben...



Donnerstag, 28. Juni 2012

Schweizer Radmarathon 2012

Morgen ist es also soweit, mein erstes echtes Ultracycling Event. Nachdem die Anfahrt völlig problemlos war, bin ich schon früh im Hotel, das auch gleichzeitig der Startort für morgen ist. Hier werde ich sehr herzlich vom Personal empfangen, und ich treffe auch gleich Adi einen der Hauptorganisatoren des Rennens. Er und die Helfer sind gerade heftig mit dem Aufbau beschäftigt. So ein Event zu organisieren ist schon richtig viel Arbeit, und ich finde es immer wieder klasse, dass sich Vereine, Tourismusverbände oder auch Einzelpersonen die Mühe machen solche Veranstaltungen auf die Beine zu stellen.

Zu meiner Überraschung ist es schwülwarm und 31° im Schatten. Ich hielt es ehrlich gesagt für wahrscheinlicher, das es schneit, als das es so warm wird. Der erste heiße Tag für dieses Jahr. Für morgen sind zwar einige Gewitter vorhergesagt, aber diese Vorhersage ist recht wage und hat sich schon mehrmals geändert. Sicher fahre ich bei kühlen Verhältnissen sicher etwas besser, aber über die Dauer von vielen Stunden ist es wohl angenehmer wenn es nicht so kalt ist, vor allem bei den Pausen und nachts.

Nach etwas Dösen im sehr schönen Zimmer mache ich mich auf eine kleine Installationsrunde. Gerade als ich losfahren will spricht mich jemand an, und siehe da es ist Jürgen, der schon viele nette Kommentare in diesem Blog geschrieben hat. Wie cool ist das denn, wir kennen uns ja nur durch die Kommentare im Blog und jetzt begegnen wir uns hier in der Schweiz.

Also Jürgen, ich wünsche dir viel Erfolg für dein Rennen am Samstag!

Die Installationsrunde führt mich von dem Hotel an der Autobahnraststätte gleich berghoch und ich muss sagen, die Landschaft hier ist schon sehr schön. Auch wenn man noch nicht „in“ den Alpen ist, so hat man sie doch oft im Blick, und auch die Landschaft um Bern selbst ist wirklich sehr idyllsch (abgesehen vom Autobahnlärm).



Meine Knie grummeln etwas, ich hoffe das geht morgen gut. Nach der Installationsrunde hole ich mir die Startnummer und das Roadbook. Das mit der Navigation wird wohl das schwierigste. Ich denke auch, nachdem ich mich mit einem RAAM Qualifikanten unterhalten habe, dass ich meine Zielzeit viel zu optimistisch eingeschätzt habe. Im Unterschied zu Trondheim – Oslo muss ich hier mit Wartezeiten an geschlossenen Schranken rechnen, Navigationsfehler einkalkulieren und mich auch an jeder Labstation mit meiner Nummer melden, so dass sich Brutto- und Nettozeit sicher deutlich unterscheiden werden. Außerdem bestätigt sich meine Vermutung, dass es kaum größere Gruppen gibt. Da die RAAM Qualizeit wohl irgendwo bei 29 Stunden liegt, liegt meine anvisierte Zielzeit von unter 26 Stunden im Bereich der richtig guten RAAM Qualifikanten, das ist natürlich Quatsch.

Trotzdem werde ich meine Zielvorgabe erst mal nicht korrigieren. Probieren kann ich es ja, muss aber eher mit einer Zeit über 30 Stunden rechnen.

Da es an jeder Kontrollstation die gleichen Riegel gibt, die ich sonst auch am liebsten mag muss ich mich morgen nicht so voll packen. Da es aber, ob Gewitter oder nicht, sicher sehr schwülwarm wird nehme ich eine dritte Flasche im Trikot mit.

Starten werde ich wohl so zwischen sieben und acht Uhr, damit auch ja die Kontrollstationen schon geöffnet haben wenn ich dort ankomme...

Mittwoch, 27. Juni 2012

Der Langstreckenbolide

Am Material sollte es nicht scheitern:


Ja ja Peter, ich weiß ich bin ein Materialfahrer, aber es macht halt Spaß mit so einem Topprad zu fahren. Und hart genug werden die 720 Km auch so.

Die Beleuchtung mit dem Riesenakku sieht etwas martialisch aus, aber nochmal 'ne Abfahrt bei 60km/h im Dunkeln möchte ich auf jeden Fall vermeiden...

Weitere Vorüberlegungen Schweizer Radmarathon

Noch immer spüre ich deutlich Vorfreude auf den Schweizer Radmarathon. Ich werde nicht so schlecht vorbereitet sein wie bei 20h Rund um Fell, vor allem das Beleuchtungsproblem sollte mit der Lupine Piko 6 und einem riesigen Akku gelöst sein, die Probefahrt stimmt mich jedenfalls zuversichtlich.

Allerdings fahre ich die Strecke ohne Zeitfahrlenker, für eine Ultrastrecke vielleicht suboptimal, denn einerseits kann man in den wahrscheinlich langen Alleinfahrpassagen in der gemäßigten Zeitfahrposition der Ultras etwas Körner sparen, andererseits kann man die Hände, Arme und Schultern etwas entlasten.

Auch für die Fahrer, die sich nach dem Radmarathon Reglement angemeldet haben ist der Zeitfahrlenker erlaubt, das hatte ich zunächst übersehen. Da ich eh nicht damit trainiert habe, macht eine hektische Aktion jetzt auch keinen Sinn. Eigentlich habe ich auch bei Trondheim - Oslo über 18 Stunden super auf meinem Rad gesessen, nichts, aber auch gar nichts hat geschmerzt, die ganz kurz aufflackernden Knieprobleme waren auf die Schuhe/Einlagen zurückzuführen. Hier habe ich bis heute keine befriedigende Lösung gefunden, und die Knie sind auch das Einzige, wegen dem ich mir etwas Sorgen mache. Lassen die mich 720 Kilometer radfahren? So latent haben eigentlich beide, linkes und rechtes in den letzten Wochen etwas gemeckert.

Auch habe ich auf dem Austauschrahmen noch nicht meine perfekte Sitzposition gefunden. Obwohl es genau der gleiche Rahmen ist wie der, den ich am Pico Veleta zu Schrott gefahren habe. Dafür habe ich jetzt eine Sattelstütze gefunden die brauchbar flext und eine ordentliche Befestigung hat.

Aber unabhängig vom Material, dieses Rennen wird ganz entscheidend meine weiteren Pläne und Ideen bezüglich des Radfahrens beeinflussen. Dabei ist nicht so sehr eine Platzierung (da mache ich mir keinerlei Illusionen), oder auch die Zeit die ich brauchen werde das Entscheidende, sondern das was mein Körper mir sagt, und ob ich die mentale Stärke aufbringe das Ding auch unter vielleicht nicht optimalen Bedingungen zu finishen.

So ein Event ist viel "ehrlicher" als ein Radrennen, wo man auch mal Glück mit den Gruppen haben kann. Es ist sicherlich auch ehrlicher als Trondheim - Oslo, wo man sich an "fliegende Kreisel" hängen kann. Nach der Tour Bern - Bodensee - Bern weiß ich was für mich geht auf dem Rad, oder eben auch nicht.

Ich gehe fest davon aus, das ich finishe, aber ein DNF ist auf einer Ultrastrecke immer drin. Das im Hinterkopf bleibt mein Ziel 25:59 h bestehen.

Samstag, 23. Juni 2012

Vorüberlegungen Schweizer Radmarathon 2012

In meinem Post vom Februar habe ich mich mit meiner Zielsetzung sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Unter 26 Stunden als Ziel, maximal jedoch 30 Stunden. Für knapp 5000 Höhenmeter verteilt auf 720 Kilometer ein ambitioniertes Ziel.

Und obwohl die Daten der letzten Leistungsdiagnostik nicht gut waren und ich in meinem Training etwas unsicher geworden bin werde ich an dem Ziel die 25 vor dem Doppelpunkt zu haben festhalten.

Zwischendurch hatte ich kurz überlegt zur RAAM-Qualifier Variante zu wechseln, da ich fürchte, dass relativ wenige Fahrer die lange Strecke im Radmarathonmodus bestreiten, so dass sich kaum Vorteile durch Gruppen und entsprechendes Windschattenfahren ergeben, aber ich bin schon eher ein Einzelkämpfer, und drei Leute suchen, die freiwillig im Schneckentempo Tag und Nacht im Auto hinter mir herkriechen, schien mir zu aufwändig.

Vorteil wäre natürlich, dass ich mich nicht um die Navigation kümmern müsste und außerdem könnte ich einen Zeitfahrlenker benutzen. Aber es gibt elf Verpflegungsstationen, so dass ich auch ohne Helfer auskommen sollte und auch nicht zum stempelnden Randonneur mutieren muss...

Interessanterweise wächst so ganz tief in mir so etwas wie Zuversicht, und ich freue mich sehr auf diese Herausforderung. Diese Aufgabe spielt in einer ganz anderen Liga als alles was ich bisher gefahren bin, und hier kann ich so ein bisschen meine Grenzen austesten. Wie kann ich mit eventuellen Rückschlägen umgehen, Pannen oder Schwächephasen, Magenprobleme oder Krämpfe, Sauwetter, Zeitstrafen oder was auch immer kommen mag. Finishen ist das Entscheidende. Abgesehen von echten orthopädischen Problemen oder von Stürzen ist alles andere reine Kopfsache. Das ist das Spannende daran.

Sehr inspirierend fand ich dabei auch das diesjährie RAAM, das gerade zu Ende gegangen ist. Reto Schoch ist sensationell gefahren, Christoph Strasser hat praktisch bis zur letzten Timestation dagegen gehalten, und der mittlerweile 45jährige Gerhard Gulewicz hat einen sicheren dritten Platz nach Hause gefahren, obwohl ihm schon früh klar war, dass er auch im siebten Anlauf dieses Rennen nicht gewinnen wird. Drei (nicht nur) mental superstarke Fahrer.

Und da ich nun mal die gleiche Strecke fahre wie die RAAM Qualifier, und vielleicht auf der Strecke auf eine RAAM Legende wie Benny Furrer treffe, oder meine Zeit in Relation zu so Toppfahrern wie Simon Ruff setzen kann, hat dieser Wettkampf ein ganz besonderes flair.

Diese Inspiration werde ich versuchen in Leistung umzusetzen. Wie immer es auch ausgeht, von diesem Rennen, dieser Herausforderung werde ich sicher etwas mitnehmen, von dem ich profitieren kann.

Freitag, 22. Juni 2012

Fazit 20h Radmarathon Fell

Nach dem Rennen hat mir Hermann Spanier, der Initiator des 20h Radmarathons zu meinem Bericht geschrieben, dass mir dieses Rennen noch einiges zurückgeben wird für andere Rennen.

Ich glaube er hat recht. Erstens hat es meine Fitness etwas verbessert, was bei dem etwas zu niedrigen Niveau auf dem ich vor dem Rennen war sicher zu erwarten war. Zweitens werde ich sicher disziplinierter und besser vorbereitet in künftige Events gehen. Drittens weiß ich jetzt, dass auch mein Magen nicht einfach alles wegsteckt, sondern dass ich beim Essen etwas vorsichtiger sein muss. Viertens habe ich jetzt langstreckentaugliches Licht am Rad.

Vor allem habe ich aber den Frust aus der schlechten Leistungsdiagnostik überwunden. Gefühlt bin ich auch besser gefahren, als es die Labordaten eigentlich erwarten ließen. Ich werde mein Training auf jeden Fall überdenken, aber für die Events der kommenden Wochen hat das sowieso keine Bedeutung mehr. Da muss ich mit der Grundlage arbeiten die jetzt habe und das Beste daraus machen.

Ich bin mir eigentlich sicher, dass ich die 20h Rund um Fell auf jeden Fall nochmal fahre. Die Organisation war super, die Stimmung war super, es ist nicht sooo weit von zu Hause weg und wenn man Höhenmeter machen will ist es perfekt. Außerdem ist es eine schöne Abwechslung mit überschaubarer Teilnehmerzahl am Start zu stehen. Zwar macht es auch Spaß mit 4000 Fahrern das Oetztal hinunter zu geißeln, aber so 100 Fahrer auf dem Rundkurs in Fell, das passt schon ganz gut. Ich denke, das werden aber von Jahr zu Jahr mehr werden, wenn die Veranstaltung so weitergeführt wird.

Das man schon um 12 Uhr sein Auto dort abstellen muss ist ein kleines Manko. Praktisch schien es mir so zu sein, dass auch um 17 Uhr noch welche angekommen sind, dann kann man sich halt eine Übernachtung oder ein Tageszimmer sparen.

Das Wetter kann der Veranstalter natürlich nicht beeinflussen, ich fand aber auch die ersten Stunden im Regen ok, letztlich eine Frage der Einstellung. Das Fahrrad sah hinterher allerdings krass aus. Ich habe einige Zeit zum Putzen gebraucht.

Dabei hat mich die Bremswirkung der Lightweight Standard III C mit den grauen Lightweight/SwissStopp Bremsbelägen positiv überrascht. Auch bei Nässe in der teils ordentlich flotten Abfahrt hatte ich nie das Gefühl, dass die Bremsen schlecht zu dosieren sind, oder die Bremswirkung zu gering ist. Im Vergleich zu den Alulaufrädern die bis jetzt gefahren bin (mit den Standard Dura Ace Bremsbelägen) gab es nur geringe Unterschiede.

Die Streckenbeschaffenheit ist, vor allem da man ja 20 Stunden auf der Strecke fährt, schon sehr fordernd für Mensch und Material. Vielleicht stand deshalb auf dem 2011er Plakat zum Rennen "Nichts für Weicheier".

Ich bin gespannt wie der Vergleich zu den 24h von Kehlheim ausfallen wird, wo der Kurs ähnlich lang ist, aber nur halb soviel Höhenmeter aufzuweisen hat.




Statistik 20h Radmarathon Fell

Kilometer: 305 km (plus Einführungsrunde 7 km)
Zeit:  16:19:26,7 h
Runden:  18
Höhenmeter: 5270
Durchschnittliche Temperatur: 12°C
Rückstand auf den Sieger:  10 Runden
Rang Einzel Männer: 12 (von 46)
Rang Gesamt inkl. Teams: 44 (von 89)
Rang Altersklasse E50 Master2: 6 (von 20 )
Durchschnittliche Leistung an der Kurbel (SRM):  209 Watt
Durchschnittliche Trittfrequenz: 83
Durchschnittliche Herzfrequenz: 133 bpm

Fahrrad:
Rahmen: Specialized S-Works Roubaix SL3 2011
Laufräder: Lightweight Standard III C
Schaltung: Shimano Dura Ace 7970 Di2 mit
SRM - Dura Ace 7900 Kompakt 34/50 vorne, SRAM (MTB) XX Kassette 11-32 hinten
Bremsen und Kette: Shimano Dura Ace 7900
Pedale: Shimano Dura Ace SPD-SL
Lenker: Syntace Racelite 2 CDR Carbon
Sattel: Selle SMP Avant auf Specialized Sattelstütze, später tune Komfort auf Syntace P6 Hiflex
Radcomputer: SRM Powercontrol 7 und Garmin Edge 800

Gewicht Fahrrad: ca.10,9 kg inkl. Trinkflaschen und Radcomputer und Triatasche mit Riegeln
Systemgewicht inkl. Fahrer (79,1 kg + 4,2 kg Kleidung, Transponder, 3. Flasche, mehr Riegel) ca. 94,2 kg

Kleidung:
Helm: Bell Volt
Mütze: Gore Helmmütze
Brille: addidas Halfrim
Unterhemd: Odlo mit Windstopper (ab Runde 9 Craft zero)
Trikot: Gore Ozon WS
Hose: Löffler kurz (ab Runde 9 Gore Oxygen)
Beinlinge: Gore
Regenjacke: Gore Oxygen
Schuhe / Strümpfe: Specialized Defroster Rd (wasserdicht) / Falke TK1 (ab Runde 9 Sidi Scarpe Genius 5 mit Löffler Überschuhen / Gore Socken)
Handschuhe: Vaude (ab Runde 9 Roeckl kurz)

Ernährung:
Riegel:
3 Sponser High Energy
1 Sponser Protein 58
2 Sponser Protein 34
5 Gel Sponser Liquid Energy
Getränke:
4 Päckchen Sponser Long Energy verteilt auf ca. 4 Liter Wasser
2,75 Liter Wasser
0,75 Liter Mulitvitamin Mango Saft
0,3 Liter Orangensaft
Feste Nahrung:
100g Vollkorn Dinkelreiswaffeln
70g Maiswaffeln gesalzen
450g Michreis
450g Grießpudding
2 Stück Vollkorn Dinkel Streuselkuchen
1 Nussecke
3 Bananen
30g Cashewkerne
1 Tafel dunkle Vollmilchschokolade

Sonstiges:
Sitzcreme: Hans Karrer Hand repair microsilber

Sonntag, 17. Juni 2012

20h Radmarathon Fell, Teil 2 das Rennen


Bei strömendem Regen sitze ich im Auto, noch eine halbe Stunde bis zur kurzen Einführungsrunde. Gerade war die Streckenbesprechung. Also mit meinem Fahrrad ohne Bremsen wird die Abfahrt richtig unangenehm. Ich werde wahrscheinlich eine Stunde für die erste Runde brauchen. Ich ärgere mich sehr darüber, dass so ein Pfennigartikel mir das Ganze hier zum Abenteuer macht. Meine Stimmung ist mies, das Wetter ist schlecht, mein Rad nicht ok. Ich nehme mir trotzdem 15 Runden vor...  Wäre ich doch nur auf Andreas Geburtstag gegangen und hätte den Kram hier sausen lassen!

Nochmal steige ich im strömenden Regen aus, nehme die letzten Einstellungen am Rad vor und kalibriere die Höhenmeter an den Radcomputern, dann stecke ich eine Plastiktüte über den Sattel damit ich nicht gleich im Nassen sitze, decke den Lenker mit meiner Jacke ab, mache das Schutzblech ans Hinterrad (Lightweights und Schutzblech ist eine echte Stilsünde am Rennrad, aber für die Sitzfläche hilft es halt enorm, denn je länger halbwegs trocken, desto weniger unerwünschte Reibung) und setze mich nochmal etwas ins Auto.

Ich fahre in kurzen Hosen mit Knielingen und natürlich Regenjacke. Helmmütze muss auch sein, denn nass in der Abfahrt wird es sonst ganz schön kalt am Kopf. Handschuhe kurz, denn die Hände werden eh nass, und damit habe ich mehr Gefühl beim Bremsen und kann auch die Radcomputer noch bedienen.

Dann endlich um kurz vor 19 Uhr der Aufruf in die Startaufstellung zur Einführungsrunde. Es regnet in Strömen. Genauso wollte ich das nicht haben. Mein erstes Event auf einer Ultrastrecke und dann Scheißwetter und zuviele Höhenmeter, dazu noch das angeknackste Selbstvertrauen durch den miesen Leistungstest. Eigentlich müsste ich missmutig sein. Aber mir ist jetzt eher so "egal" zu mute. Die Schirmherrin verzichtet klugerweise auf die Begleitfahrt im offenen Cabrio, ein bisschen übliches Vorstartgeplauder, und dann werden wir auf eine erste fünf Kilometer Schleife durch Fell geschickt.

Start zur Einführungsrunde

Für mich ist diese relativ langsam gefahrene Einführungsrunde, auf der man sich schon mit dem ersten Teil der Streckenführung vertraut machen kann, eine gute Gelegenheit die Bremsen zu testen. Und siehe da so schlimm ist das gar nicht. Felgenbremsen bei strömendem Regen bremsen nun mal nicht so besonders gut, aber viel schlechter als Felgen mit Alubremsflanke bremsen die Lightweights auch nicht. Ich hoffe in der langen Abfahrt ist das nachher genauso.

Die Straßen sind ganz schön geflickt, eine perfekte Rennradstrecke ist das im ersten Teil nicht, aber das wurde in der Fahrerbesprechung schon angedeutet. Nur ernst genommen habe ich das da nicht. Dafür soll der Belag in Thomm ja super sein...

Der Regen lässt etwas nach, vielleicht haben wir ja Glück und es hört rechtzeitig zum Start auf? Als wir wieder im Start-/Zielbereich angelangt sind und uns für den eigentlichen Rennstart aufstellen gibt der Himmel die Antwort. Es regnet  wieder richtig heftig. Trotzdem freue ich mich jetzt darauf endlich zu fahren.


Rennstart 

Es wird nicht gleich so losgerast wie bei "Rund um den Finanzplatz" oder auch beim Glocknerkönig. Aber lockeres dahinradeln ist das auch nicht. Ich fahre erst mal los ohne großen Matchplan. 15 Runden heißt das Ziel. Alles andere wäre eine Zugabe. Wieviel Runden ich bis zur ersten Pause fahren will habe ich nicht festgelegt, aber so fünf sollten es schon sein.

Im ersten flacheren Abschnitt fahre ich neben einer anderen Starterin her, und da es gerade wieder in Strömen regnet sage ich etwas ironisch zu ihr "wenigstens kein Gegenwind". Täuschen kann man sich...

Die Strecke erscheint mir etwas verwirrend, aber durch die Einführungsrunde finde ich mich doch zurecht, außerdem ist alles schön abgesperrt und markiert. Und zu meiner Überraschung werden wir trotz Regen von Anfang an von den Fellern angefeuert. Oft haben die ihre Garage mit Bierbänken zum Partyraum umfunktioniert und den Grill angeworfen, oder einen Pavillion vors Haus gestellt. Wirklich gute Stimmung, respekt.

Dann geht es das erste mal in den Thommer Berg. Und wenn ich bis dahin die Hoffnung hatte, dass ich mich vielleicht doch vom Streckenprofil habe täuschen lassen, dann ist diese Hoffnung spätestens jetzt dahin. Der Anstieg ist nicht böse, aber hat zwischendurch doch auch zweistellige Steigungsprozente, also Kilometerfressen ist hier nicht. Ich hoffe nur, dass mein Knie nicht meckert, das hat die ganze Woche schon so gegrummelt.

Jetzt wo ich hier im Rennen fahre sind die ganzen negativen Gedanken der Woche allerdings weg. In der ersten Runde werde ich relativ vorsichtig fahren um die Strecke kennenzulernen und ein bisschen einzurollen. Berghoch in Richtung Thomm ist es mit "rollen" natürlich nicht so, gleich am Ortsausgang Fell geht es richtig berghoch, die Kette wandert nach links. Bis zur ersten Kehre zieht es sich ganz schön, und auch zur zweiten Kehre ist der weg gefühlt sehr lange. Nur kurz vor der ersten Kehre kann man für ein paar Meter einen Gang hochschalten. Nach der zweiten Kehre hat man ein paar hundert Meter wo man zwei, drei Gänge hochschalten kann.

In der ersten Kehre des Thommer Berges

Was  ziemlich geil ist im Berg, dort gibt eine Veranstaltung die heißt Race Rock. Kurz vor der zweiten Kehre hört man plötzlich Musik, die von der anderen Talseite reflektiert wird, dann verschwindet sie kurz um dann langsam lauter zu werden, weil man auf die Bühne zufährt wo die Musik herkommt. Nach einer Rechtskurve hat man dann den Sound mit aller Gewalt. Und während oft bei Veranstaltungen der übliche "Party-Saufen-Pseudogutelaune-Aprésski-Schwachsinnsmix" läuft, gibt's hier richtige Rockmusik!

Zwar ist wegen dem Scheißwetter nur wenig los, aber ich freue mich über die geile Musik. Hier ist man ja schon recht weit oben im Anstieg und da motiviert das nochmal.

Am Race Rock Gelände vorbei kommt man aus dem Wald heraus und die letzten Steigungskilometer in Richtung Thomm werden etwas flacher. Und da bläst uns jetzt doch tatsächlich Gegenwind entgegen. Ja super, Anstieg, Regen und Gegenwind, genauso will man das zwanzig Stunden lang haben...

Ich sehe zu, dass ich an irgendwelchen Hinterrädern bleibe, auch wenn mir dadurch natürlich das dreckige Spritzwasser ordentlich ins Gesicht spritzt.

Bis jetzt sind immer andere Fahrer um mich herum, wenn auch nicht sehr viele. Schon ein krasser Unterschied zu den Massenveranstaltungen mit zwei-, dreitausend Fahrern an denen ich bis jetzt teilgenommen habe. Es gibt knapp 50 Einzelstarter, einige haben wohl wegen des Wetters noch zurückgezogen, und knapp 40 Teams. So sind wohl immer nur  so um die 90 Fahrer auf der Strecke. Ist irgendwie ganz angenehm. Aber Kilometerfressen in großen Gruppen wird da kaum möglich sein. Das gibt die Strecke aber sowieso nicht her. Kurz flammt wieder meine Unzufriedenheit über meine etwas unglückliche Auswahl mit diesem Vorbereitungsrennen für den Schweizer Radmarathon in zwei Wochen auf.

Aber bei der Einfahrt nach Thomm werden wir schon wieder kräftig angefeuert, so dass das schnell vergessen ist. Bis zum höchsten Punkt ist es noch ein Stück. Die Wegführung ist kurz etwas verwinkelt, und immer noch bremse ich recht früh, aber dann ist er erreicht. Dort am höchsten Punkt gibt es ein Tor das man durchfährt mit der Aufschrift "Ab hier geht's bergab". Außerdem ist dort ein Partyzelt und jeder der vorbeifährt bekommt eine La-Ola-Welle. Cool.

Noch ein Stück durch den Ort, dann am Ortsausgang fährt man auf der geteilten Fahrbahn. So kommen einem die entgegen, die gerade das letzte Stück des Thommer Berges gemeistert haben. Dann links ab in einen Feldweg. Feldweg?

Jep, tatsächlich führt die Strecke jetzt über einen geteerten Feldweg, und der Belag ist ganz schön schlecht. Wurde in der Fahrerbesprechung zwar erwähnt, aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Vor allem nach einer 90° Kurve wo auch durch den Regen etwas Schmutz liegt wird der Asphalt sehr brüchig. Hier würde ich niemals freiwillig mit dem Rennrad fahren. Da wir ja bergab fahren und ordentlich Tempo draufhaben gibt es ordentlich Schläge auf Rad und Körper.

Allerdings geht es hier dann erst mal nur gerade aus an der Bundesstraße entlang. Dann wird der Asphalt glatt und es geht nach einer erneuten scharfen Rechtskurve in eine ordentlich steile Abfahrt durch den Wald. Sehr schöne Strecke, allerdings liegt auch mal ein kleiner Ast oder so auf der Strecke, schließlich fahren wir durch den Wald.

Der Belag ist hier sehr gut, und jetzt wird sich rausstellen ob die Carbonflanken bei dieser Nässe auch aus hohem Tempo bremsen. Wenn nicht wäre blöd...

Aber wie schon vorher, der Unterschied zu den Alurädern ist gering. Felgenbremsen bremsen bei Nässe immer grottig, da macht das mit den Carbonbremsflanken keinen großen Unterschied mehr. Auch wenn ich vorsichtig fahre und mich ein paar überholen, so komme ich doch gut mit der Abfahrt zurecht. Die läuft dann in eine Spitzkehre, wo vorsichtshalber schon mal ein DRK Fahrzeug steht, hier muss man praktisch auf Null runterbremsen, dann beschleunigt man wieder und kommt an eine etwas fiese doppelte Rechtskurve. Der Typ der mich eben gerade überholt hat ist hier wohl kurz geradeaus gefahren, denn als ich vorbei fahre steigt er gerade fluchend wieder auf sein Rad...

Die Strecke ist schon sehr schmal, da es eben keine Straße ist, sondern eher so ein Wanderweg, ich würde sagen so knapp ein Auto breit. Der Teil nach der Doppelkurve ist ganz ok zu fahren, bei den nächsten Runden werde ich hier sicher ohne bremsen durchkommen.

Dann kommt man wieder nach Fell rein, und hat hier, nach drei recht eckigen Kurven mit ordentlich Gefälle/Steigung, aber doch nochmal einen kleinen Anstieg, bevor es in die letzte Abfahrt und schließlich nach einem kleinen Gegenanstieg in die "Zeitnehmschleuse" am Sportplatz geht. Auch in diesem letzten Abschnitt werden alle Fahrer von den Zuschauern, die an den markanten Streckenteilen stehen kräftig angefeuert.

An der Zeitschleuse muss man fast auf Null abbremsen, fährt dann anschließend durch die Wechselzone wo auch die Boxenparkplätze sind und wieder durch Start/Ziel auf die nächste Runde.

Also das war doch ganz ok, trotz strömenden Regens. Ich hatte mal grob geschätzt, dass ich so um die 45 Minuten fahren würde, und meine Schätzung scheint hinzukommen. Diese erste Runde hat gut 40 Minuten gedauert. Schneller werde ich wohl höchstens in der zweiten Runde fahren können, da ich dann noch einigermaßen frisch bin, die Strecke aber schon kenne. Danach werden die Rundenzeiten wohl immer weiter ansteigen.

Da ich ohne rechten Matchplan ins Rennen gegangen bin, habe ich jetzt auf der zweiten Runde Zeit mir was zu überlegen. Interessanterweise fahre ich erstmal fast ganz alleine. Ich habe mich vollgepackt mit Getränken und Riegeln, so ähnlich wie bei Trondheim-Oslo. Da hat der Vorrat ca. 7 Stunden bzw. 250 Kilometer gereicht. Das wird hier sicherlich nicht so sein. Zuviel Höhenmeter, keine Gruppen, und auch wenig Streckenanteil wo man von einer Gruppe profitieren würde.

Ich nehme mir vor fünf Runden zu fahren. Der Berg geht auch auf der zweiten Runde noch gut, als ich am Race Rock vorbei komme läuft Iron Maiden. Und auf der ungeschützten Strecke aus dem Wald bis Thomm finde ich sogar ein Hinterrad, so dass ich den Gegenwind etwas abmildern kann. An der Kirche links vorbei, das habe ich mir gemerkt, La Ola Welle am höchsten Punkt, dann das kurze Stück geteilte Fahrbahn (da hat man dann sogar Rückenwind) und drauf auf die Holperstrecke. Mein Specialized Roubaix ist ja dafür gebaut, und auch die Lightweights fahren sich recht bequem, aber Spaß macht mir dieser Teil nicht, obwohl es ja jetzt bergab geht. Im Wald bremse ich nur noch an drei, vier Stellen (wenn auch zu früh), Spitzkehre, Doppelkurve, weiter auf dem schmalen geteerten Weg, auf dem allerdings zwei heftige Schläge warten, wenn man nicht die optimale Spur trifft, rein in Fell, ordentlich bremsen, die drei verwinkelten Kurven mit Gefälle/Steigung, dann der etwas nervige Anstieg bei allerdings großartiger Unterstützung durch das Publikum, die letzte Abfahrt, bei der Anfangs eine fiese Senke im Asphalt ist (hatte ich doch in der ersten Runde schon gemerkt, hab's aber wieder vergessen = heftiger Schlag in die Knochen), dann die letzte scharfe Kurve viel zu früh angebremst, aber da in der Bremszone auch ein Kanaldeckel ist bei Regen lieber auf Nummer sicher, und dann Gegenanstieg, in die Zeitmessschleuse durch die Wechselzone und ab in die dritte Runde.

Jetzt bin ich mittlerweile ganz alleine. Noch fahre ich ohne Licht, auch wenn es schon ganz schön dämmrig ist. Immer noch feuern einen die Leute im Dorf an, die haben wirklich Durchhaltevermögen. Der Regen scheint zwischendurch immer mal aufzuhören, um dann umso heftiger wieder zurückzukommen. Meine Füße sind schon seit der zweiten Runde nass, aber noch sind sie nicht zu kalt, denn im Anstieg werden die schon warm...


An der ersten Kehre haben sich die zwei Fotografen von Sportograf plaziert. Also da die Nase nochmal abgewischt und möglichst gut aussehen. Auch beim dritten mal geht der Berg noch ganz gut. Den Song am Race Rock kenne ich nicht, geht aber gut ab. Am Berg konnte ich immer mal einen überholen, ein schneller fährt oben einen Tick zu früh an mir vorbei, so kann ich mich nicht dranhängen im jetzt kommenden windigen Abschnitt. Schade! Ich schließe auf zwei Fahrer auf, die sind mir aber wiederum zu langsam, also fahre ich im Wind. Im flachen Abschnitt vor der Fahrbahnteilung und dem Ortseingang Thomm esse ich einen Riegel. In der zweiten Runde habe ich angefangen zu essen und regelmäßig gibt es einen Schluck Sponser Long Energy, mein geliebtes KH-Getränk. Allerdings schmeckt es diesmal eher bescheiden, recht fad. Aber ich denke mal ich muss ordentlich essen, damit ich nicht einbreche wie jetzt schon zweimal passiert. Hungrig bin ich allerdings überhaupt nicht.

Auch beim dritten mal gibt es am höchsten Punkt eine La Ola, auf den ersten Teil der Abfahrt freue ich mich aber nicht, das Geholper nervt mich etwas, ich finde das anstrengender als berghoch fahren. Der glatte Asphalt durch den Wald ist zwar super, aber bei regennasser Fahrbahn muss man schon sehr konzentriert fahren, so dass es kaum einen Abschnitt gibt, wo man länger mal entspannen kann. Bei der Fahrt durch die Wechselzone zeigt mein Radcomputer immer noch eine niedrige vierziger Zeit, klappt doch ganz gut. Vielleicht fahre ich auch mehr als fünf Runden.

Auch die vierte Runde geht gut, der Fotografin an der ersten Kehre im Thommer Berg kündige ich an, dass sie mich jetzt gut ablichten möge, den das sei die letzte Runde in der ich noch lächeln könne. Die hat übrigens gelächelt bis zu ihrem Dienstschluss... Noch ist die Zeit unter 45 Minuten.


Mittlerweile ist es dunkel und wir fahren alle mit Licht. Die meiste Zeit fahre ich alleine. Am Berg sieht man dann die wackelnden roten Lichter vor sich auftauchen. Ich versuche schon die als Ziele zu nehmen, aber insgesamt fahre ich eher mein Ding durch, denn man kämpft ja nicht um Position. Auch weiß man von hinten ja nicht, ob der andere Fahrer vielleicht ein Teamfahrer ist, der gerade eine Stunde oder mehr Pause hatte. Nur einmal ist es klar, als ein Teamfahrer mich nach dem Weg fragt, offensichtlich auf der ersten Runde für heute.

Ich habe mich ehrlich gesagt nicht gut vorbereitet auf dieses Event. Zwar hatte ich mir noch ein richtiges Licht bestellt, das kam aber erst am Freitag, deshalb bin ich doch mit meiner BuM Ixon IQ gefahren. Für die Fahrt zur Arbeit ok, aber um mit 60 km/h bei Regen auf einem schmalen Waldweg zu geißeln schon grenzwertig. Aber da ich die Strecke ja mittlerweile kenne kein Problem. Allerdings haben manche Scheinwerfer mit denen man ganze Fußballstadien ausleuchten könnte, und die beneide ich schon. Schön ist es wenn die mal hinter einem fahren, dann profitiert man auch von dieser Orgie aus Licht.


Die fünfte Runde liegt bei ca. 45 Minuten, also die Zeit, die ich auch abgeschätzt hatte. Ich beschließe weiter zu fahren, so lange bis die Zeit auf 50 Minuten absackt oder meine Getränke leer sind.

Die sechste Runde ist eine Minute langsamer, hat sich aber im Berg schon etwas anstrengender angefühlt. Fies ist es, wenn von hinten der funzlige Schein einer Lampe auftaucht. Da es schon immer etwas dauert bis man eingeholt wird, und die Lenker beim Kampf am Berg immer etwas hin und her wackeln, zittert sich der Lichkegel immer größer, bis dann der zugehörige Radfaher neben einem auftaucht und dann als rotes Licht wieder verschwindet, mal langsam mal aber auch gemein schnell.


Ich habe mit meinem Frontlicht etwas Probleme, weil ich es nicht sehr geschickt befestigt habe. Erst leuchtet es auf den Radcomputer statt auf die Straße, dann kann ich es zwar etwas verschieben, aber auf der Holperstrecke kippt die Lampe immer wieder nach hinten und leuchtet in den Himmel. Ziemlich blöd, da ich dann nichts mehr sehe. In Fell und in Thomm ist das kein Problem, da dort der größte Teil der Strecke durch die Straßenlaternen beleuchtet ist, aber an den vielen unbeleuchteten Abschnitten ziemlich blöd, weil man in ein schwarzes Loch fährt.

Ich schiebe die Lampe immer wieder nach unten, aber gerade in der Abfahrt brauche ich die linke Hand auch zum Bremsen, und so muss ich manchmal zwischen  beidem entscheiden, was dann dazu führt, dass ich nix sehe UND die Hand nicht rechtzeitig am Bremshebel habe. Das verleitet mich wiederum dazu, etwas grober mit der Lampe umzugehen, so dass ich sie zwei dreimal in der Abfahrt komplett ausschalte. D.h. plötzlich sitze ich bei 60 km/h im dunkeln auf dem Fahrrad schmaler Weg, Kurve, Wald. Zum Glück haben die in der Abfahrt so kleine rote Lampen alle dutzend Meter in den Boden gesteckt. Die beleuchten zwar nicht den Weg, aber da sie links stecken, weiß ich das rechts davon der Weg sein muss. Es dauert immer nur ein paar Sekunden bis ich die Lampe wieder anschalten kann, aber der Adrenalinspiegel steigt dann kurzzeitig doch heftig an.

So langsam gehen mir die Getränke aus, ich beschließe nach der 7. Runde meine erste Pause zu machen. Es hat größtenteils aufgehört zu Regnen. Die Tendenz geht jedenfalls mehr in Richtung Nieseln, je nachdem auf welchem Teil der Strecke man sich befindet.

Der Berg geht noch, aber ich fahre jetzt doch einen Gang kleiner als vorher. Als ich kurz vor der zweiten Kehre bin, wo die Musik vom Race Rock durchs Tal schallt läuft gerade "Eruption", wie geil ist das denn. van Halen zum Klettern. Und als ich an der Bühne vorbeikomme läuft Crazy Train von Ozzy. Alleine dafür macht es schon Spaß das Rennen zu fahren. Ich überlege kurz ob ich den Race Rockern die "Pommesgabel" gebe und lauz Ozzy, Ozzy brülle, lasse es aber und versuche die Energie gegen den Wind einzusetzen und mich vom Crazy Train Solo den Berg hochpeitschen zu lassen. Auch jetzt wo es so auf ein Uhr zugeht, gibt es am höchsten Punkt eine La Ola, ich glaube die Jungs und Mädels hier sind jetzt erst richtig warm.

Dann geht es in die Abfahrt, wieder kämpfe ich mit meiner Lampe. Als es von der Holperstrecke auf den glatten Asphalt und nach der scharfen Rechtskurve hinunter durch den Wald geht hat sich meine Lampe wieder nach oben gerüttelt. Zwei Radfahrer sind hinter mir, als ich laut fluchend die Lampe mit Gewalt nach unten drücke. Wieder geht das Ding dabei aus. Mist. Ich versuche die Lampe wieder anzuschalten, aber diesmal geht's nicht. Ein lauter Fluch, dann nochmal, jetzt ruhig bleiben und die Lampe wieder einschalten!! Ich höre nur ein seltsames Klappern von der Lampe.

Ich fahre gerade mit 50 oder 60 km/h auf diesem schmalen Waldweg es ist stockdunkel ich sehe absolut nur schwarz und hinter mir sind zwei andere Radfahrer die genauso schnell sind, ich kann unmöglich richtig in die Eisen gehen oder stehenbleiben.

Laut fluchend versuche ich die Lampe wieder in Gang zu bringen, zwischendurch versuche ich die Geschwindigkeit so zurückzunehmen, dass die anderen reagieren können. Die sind mittlerweile dicht hinter mir und haben hoffentlich mein Problem erkannt. Ich bekomme die Lampe nicht angeschaltet. Ich muss irgendwie hier runterkommen, bis zur Spitzkehre, die ist am DRK Zelt beleuchtet.

So rase ich im dunkeln die Abfahrt hinunter, ich orientiere mich an den roten Positionslichtern und fahre nach Gefühl, die hinter mir haben das nicht gecheckt. Der eine fährt mit Licht noch langsamer und ist weg, der andere fährt nicht nah genug hinter mir, als dass ich von seinem Licht profitieren könnte, vorbeilassen geht auf diesem Streckenabschnitt im dunkeln schlecht, denn ich kann ja nicht nach rechts fahren, weil ich keine Ahnung habe bis wohin die Fahrbahn geht, alles schwarz. Was für ein Ritt, ich versuche die Strecke zu erfühlen, bin jetzt zum Glück schon sechsmal hier gefahren und kenne die Kurven, aber sich ganz auf diese roten Lämpchen zu verlassen und zu hoffen, dass rechts davon der Asphalt ist erfordert viel Naivität. Und die fehlt mir eigentlich.

Aber irgendwie geht's. Kurz vor der Kehre habe ich es geschafft den anderen vorbei zu lassen, aber der hat meine Situation nicht wirklich gecheckt, so dass ich nicht hinter ihm herfahren kann. An der Spitzkehre im Licht versuche ich nochmal meine Lampe einzuschalten, geht aber nicht. Also fahre ich im dunkeln weiter. Nach der Doppelkurve wirds nochmal spannend. Wieder nur rote Positionslichter, für meinen Geschmack etwas zu weit auseinander. Und dann endlich die erste Straßenlaterne. Puh, das war hart. Wie gut, dass ich jetzt meine erste Pause mache, dann kann ich mich gleich um die Mist Lampe kümmern. Vielleicht sind die Akkus platt?

In der Wechselzone angelangt stelle ich fest, dass sich die ganze Lampe geöffnet hat, und die Akkus keinen Kontakt mehr hatten, da konnte ich lange dran rumschalten. Egal, heil durchgekommen, neue Batterien rein, und jetzt erst mal was essen. Die Zeit war mit gut 48 Minuten für eine Dunkelfahrt eigentlich gar nicht schlecht. Brauch ich aber nicht nochmal.

Kurze Pinkelpause, dann versuche ich die Lampe besser zu befestigen, und ich überlege kurz ob ich mich umziehen soll, da ich schlicht komplett durchnässt bin. Bringt aber nix, denn die neuen Klamotten wären ja auch gleich wieder nass und außerdem waren die Füße trotz nässe noch einigermaßen warm, naja jedenfalls nicht eiskalt.

Dann will ich essen. Da es keinen Verpflegungsstand, wie bei den bisherigen Veranstaltungen die ich schon gefahren bin, gibt, habe ich vorher noch etwas eingekauft. Aber ohne Sinn und Verstand. Meine schlechte Laune die Woche hatte sich auch beim Einkauf niedergeschlagen. Irgendwie hatte ich noch im Sinn, dass ich am Schluss beim Alpenbrevet Brot und Schokolade gegessen habe, Schokolade habe ich gekauft, aber kein Brot. Milchreis und Grießpudding, da dachte ich das ist einigermaßen schleimig, falls ich Probleme mit dem Essen bekommen sollte. Und Bananen, ok die gehen immer. Dann finde ich noch Cashew Kerne und Paranüsse in der Essenskiste, oje und verschiedenste Proteinriegel. Aber auf Riegel habe ich überhaupt keine Lust.

Einen Tee würde ich gerne trinken, aber kaufen kann man nur Kaffee und ich will ja auch nicht stundenlang Pause machen und Essen gehen, sondern nur einen kurzen Boxenstopp machen. So richtig zum Sitzen habe ich auch nichts, da der Kofferraum des Kombis chaotisch mit Taschen und Laufrädern und Kisten befüllt ist. An Hinlegen ist schon gar nicht zu denken. Man könnte sagen ich bin schlecht vorbereitet...

So arbeite ich eine Banane, einen irgendwas-Riegel, einen Grießpudding ein paar Cashewkerne und einen viertel Liter Multivitaminsaft in mich rein. Tausche die Flaschen gegen volle aus und setze mich wieder aufs Rad. Das Ganze hat doch über eine halbe Stunde gedauert.

Es regnet noch ein bisschen oder schon wieder, ist aber egal, denn  nass bin ich ja schon beim losfahren. Ich überlege kurz ob ich mir 6 Runden vornehmen sollte, und dann 5 usw. Ja das scheint ein guter Plan zu sein.

Kaum aus dem Ort raus merke ich schon am Berg, dass mein Verdauungssystem meinen Einkauf genauso chaotisch findet wie sich das oben geschilderte anhört. Naja wird schon. Die erste Runde geht, ich vergesse aber die Rundenzeit abzudrücken, muss also erst mal noch eine fahren um zu sehen wie es läuft. Fühlt sich nicht so frisch an wie im ersten "Stint", aber geht noch. Nur der Bauch rumort. So liegen Runde 8 und Runde 9 so im mittleren bis hohen vierziger Bereich.

Sechs Runden das wird nix, das Rumoren im Bauch wird lauter. Das ist ja wie bei der letzten Nordkappetappe, dabei habe ich gar kein Rentiergulasch gegessen. (auch wenn ich wohl lieber ein Steak gegessen hätte als den Fraß den ich mir da eben kredenzt habe).

Drei Runden will ich allerdings mindestens fahren, denn dann habe ich die persönliche Finishergrenze von 10 Runden erreicht und werde sicher nicht letzter. Die 9. Runde ist dann bei über 49 Minuten. Ich hänge noch eine dran, muss dann aber nach der 11. Runde in der Wechselzone direkt zur Toilette abbiegen. Mist so früh schon die zweite Pause. Ich bin jetzt ca. achtdreiviertel Stunden unterwegs. Um meine geplanten 15 Runden zu schaffen habe ich noch über elf Stunden Zeit, da könnte ich mich ja theoretisch gemütlich ins Bett legen.

Nachdem ich von der Toilette zurück am Auto bin esse ich genau die gleichen Sachen wieder, wegen denen es mir gerade nicht so gut geht. Liegt wohl auch daran, dass es keine Alternative gibt und essen sollte ich schon was. Die klebrigen Riegel finde ich außerdem eklig.

Ich muss leider auch den Sattel neu ausrichten, denn im ersten, holprigen Teil der Abfahrt ist der bei einem heftigen Schlag nach hinten gekippt. Die Sattelstütze hat keinen sonderlichen guten Klemmmechanismus, das Problem hatte ich schon mal. Diesmal watze ich die Schraube ohne Rücksicht auf Drehmomentvorgaben mit Gewalt an. Ich hoffe das hilft.

So kommen über fünfzig Minuten Pause zusammen, in denen ich mir auch einen Satz trockene Klamotten gönne. Schon kurz nach der letzten Pause hatte es aufgehört zu regnen. Zwar ist die Strecke noch nass, aber in der Morgendämmerung macht der Blick zum Himmel Hoffnung. Jetzt sehe ich auch erstmals wie unglaublich verdreckt das Fahrrad ist, sieht aus wie nach einer Mountainbikeschlammschlacht. An meinen Beinen kann man nicht erkennen, dass ich keine langen Hosen trage. Deshalb lasse ich die Beinlinge an, alles andere wird gewechselt.


Trockene Füße, bis auf den kurzen Moment nach dem Start das erste mal für heute. Herrlich. Ich habe sogar auf die Regenjacke verzichtet. Dann ist es bergauf nicht so warm. In der Abfahrt bezahle ich allerdings dafür mit tiefgekühlten Armen. Egal. Die zwölfte Runde ist die letzte mit Licht. Jetzt hört auch das Gezacker mit dem ständigen nach oben drücken der Lampe auf. Trotzdem finde ich den ersten, holprigen Abschnitt nicht gerade entspannend, im Gegenteil diesen Abschnitt mag ich am wenigsten. Und auch wenn die Runde 12 und die Runde 13 von der Zeit her einigermaßen ok sind, so um 46 Minuten, merke ich jetzt doch die Abschnitte mit den schlechten Fahrbahnbelägen am ganzen Körper. Und die Senke vor der letzten Abfahrt vergesse ich jedesmal, also auch in der 13. Runde hole ich mir dort einen ordentlichen Schlag in Rad und Körper.

Die Anfeuerung hat naturgemäß etwas nachgelassen, da die meisten Thommer und Feller jetzt im Bett liegen, aber es gibt tatsächlich immer noch ein paar Verwegene die auch nachts um drei oder vier Uhr alle Radfahrer kräftig anfeuern. Am Race Rock Gelände sind nur noch ein paar Leute. Mittlerweile ist der Morgen angebrochen und in der 13. Runde läuft gerade Planet Caravan von Black Sabbath als ich dort vorbeifahre, meine Stimmung bekommt dadurch einen echten Schub.

Sonntagmorgen am Race Rock

Doch der Bauch mag sich nicht beruhigen. Ich will  eigentlich noch  zwei Runden fahren um mein Ziel von 15 Runden sicher zu haben, aber nach der 14. muss ich wieder Richtung Toilette abbiegen. Dabei wäre ich gerne noch weiter gefahren.

Am Berg merkt man zwar, dass es jetzt richtig schwer fällt, aber am Stück fahren ist einfach besser als diese nervigen Unterbrechungen. Auch jetzt esse ich wieder das gleiche Zeug. Ich bin ja hier um zu lernen, und ganz klar, das ist ein Fehler aus dem ich lernen kann. Immer noch habe ich Lust auf ein saftiges Steak, obwohl es meinem Verdauungstrakt nicht so gut geht. Sobald ich zu Hause bin werde ich Ensure Plus testen. Da muss ich mir über die Zusammenstellung keine Gedanken machen, es ist flüssig, kein Einkaufsstress, gut zu handhaben, hoffentlich schmeckt es mir auch. Das mit der Lampe muss ich auch verbessern, aber hier werde ich die Lupine Piko testen.

So jetzt aber genug Zeit verschwendet, rauf aufs Rad. Eine Runde und mein Ziel ist erreicht. Dann habe ich fast 4400 Höhenmeter. Soviel wollte ich eigentlich gar nicht fahren. Allerdings sind es auch erst 255 Kilometer, das ist viel zu wenig. Ich beschließe noch eine Ehrenrunde dranzuhängen, dann sind es 16, das ist auch ok. Also noch zwei Runden.

In der Wechselzone

Das linke Knie meckert kurz, beruhigt sich dann aber wieder. Man fährt ja die meiste Zeit alleine, aber ab und zu überholt man jemanden, und manchmal fährt auch jemand an mir vorbei. Ich weiß ja, dass die Teamfahrer natürlich jetzt viel schnellere Zeiten fahren als die Einzelfahrer, aber wenn, gerade berghoch, jemand einfach so an einem vorbeirauscht ist das echt frustrierend. Muss man wegstecken. Vom Fahren her geht die Runde ganz gut, aber wieder muss ich abbiegen Richtung Toilette, echt nervig.

Ich esse nix von dem Zeug was ich eingekauft habe, trinke nur noch Wasser und versuche einen Proteinriegel in der Runde zu essen, die Sponser High Energy Riegel, die ich sonst immer esse finde ich nur noch eklig. Das Gel, dass ich in den Runden zuvor genommen habe ist wiederlich süß, das KH-Getränk schmeckt elend bitter.

Wasser geht. Und auf der nächsten, also 16. Runde denke ich viel darüber nach was Wasser für ein fantastischer Stoff ist. Ich liebe Wasser. Vor allem Volvic und Vittel, das weiche, reine Gefühl beim Trinken, herrlich. Ich merke wie es meinem Bauch langsam bessert geht. Die Feller und die Thommer sind jetzt wieder aufgewacht, und da das Wetter so langsam richtig gut wird, frühstücken die teils draußen und feuern die Leute wieder kräftig an.

Fast die ganze Nacht hindurch gabs hier Unterstützung, am längsten haben wohl die am höchsten Punkt durchgehalten, so bis drei oder vier Uhr glaube ich. Dann nach einer kurzen Nacht gibts morgens schon wieder Anfeuerung, das ist schon echt klasse.

Mein Bauch fühlt sich zwar besser an, aber auch nach der 16. Runde muss ich gleich wieder abbiegen. Eigentlich wollte ich ja aufhören, da es mittlerweile definitiv mehr Höhenmeter sind als ich fahren wollte,aber es sind ja auch noch keine vierzehneinhalb Stunden rum. Da aufzuhören wäre irgendwie unsportlich. Mein Verdauungssystem hat sich weiter beruhigt, so esse ich den restlichen Milchreis und den Grießpudding.

Da sich der Sattel zum dritten mal verstellt hat, und sich der Sattel mittlerweile gar nicht mehr richtig befestigen lässt, muss ich die Sattelstütze tauschen. Ich habe tatsächlich eine dabei, da ich mir nicht sicher war welchen Sattel ich nehme. So baue ich die Sattelstütze um und bin gespannt wie sich der ja doch sehr spartanische Tune Sattel fährt.

Mittlerweile scheint die Sonne, über Sonnencreme denke ich kurz nach, aber mein Gesicht ist so verdreckt, dass die Gefahr eines Sonnenbrandes eher gering sein sollte. In der zweiten Pause hatte ich die Unterhelmmütze abgelegt, weil die so nass war, hatte aber in dem Kofferraumchaos die andere Mütze nicht gefunden. Beholfen hatte ich mir mit einem hellblauen Buff, was eine gewisse modische Dissonanz zu meiner restlichen Kleidung erzeugt hat. In dem Ding schwitzt man berghoch, und bergab hält es den Wind doch nicht ab. Die Chance das Teil jetzt abzulegen versäume ich allerdings. Ich vergesse es schlicht und mache mich auf in die 17. Runde.

Mittlerweile nerven mich die Stellen mit dem schlechten Straßenbelag. Auf Grund der Dauer der Belastung fängt der Körper die Erschütterungen eben nicht mehr so gut ab. Berghoch geht noch, allerdings bin ich recht dankbar für mein 32er Ritzel. Auch bei nur 8% Steigung... Ich habe subjektiv das Gefühl sehr langsam zu sein. Am Race Rock wird abgebaut, aber noch immer sitzen ein paar Leute dort. Es scheint mir als würden die anderen an mir vorbeirasen. Am höchsten Punkt gibt es tatsächlich die 17. La-Ola für heute! (ok, eine ein-Mann La-Ola war dabei...)

Mir graut vor dem ersten Teil der Abfahrt, ich habe keinen Bock mehr auf das Geholper, im gut asphaltierten Teil tun mir die Unterarme und Hände weh beim Bremsen. Allerdings ist die Strecke nun größtenteils abgetrocknet, so dass es einfacher zu fahren ist.

Rechtskurve in den etwas holprigen ersten Teil der Abfahrt

Die Kurven nach der Ortseinfahrt Fell bremse ich jetzt viel zu früh an, und am letzten Anstieg meckert die rechte Patellasehne etwas. Trotzdem gehe ich tapfer in den Wiegetritt, als mich die Leute dort anfeuern. Dann die letzte Abfahrt und wieder denke ich nicht an die Senke, verdammt. Noch eine scharfe Kurve, Gegenanstieg, Zeitschleuse und auf in die nächste Runde.

Die geht am Berg gefühlt genauso schlecht, allerdings liegen die Zeiten in den hohen Vierzigern also noch völlig in Ordnung. Die rechte Patellasehne rumort immer mal ein bisschen, beide großen Zehen Schmerzen. Das liegt aber daran, dass ich einfach noch nicht den richtigen Schuh gefunden habe, und auch nicht die richtigen Einlagen. Offensichtlich ist es viel schwieriger Einlagen fürs Radfahren als fürs Laufen herzustellen. Seltsam. Anyway, den Berg komme ich letztlich fast genauso schnell hoch wie vorher auch, nur der erste Abschnitt der Abfahrt ist mir mittlerweile etwas zuwider, ich habe einfach keinen Bock auf das Gerüttel. Aber klar ist auch, zwei, drei Runden sind noch drin. Die zwei bis zur 20 auf jeden Fall. Schon auf der Abfahrt überlege ich was ich mache. Aus Vernunftgründen mit Blick auf mein Hauptrennen in zwei Wochen sollte ich jetzt aufhören. Aber Verstand und sportlicher Ehrgeiz widersprechen sich hier schon.

Ich beschließe nach diesen zwei Runden an die Box zu fahren und mal zu schauen wie es überhaupt so steht im Rennen. Außerdem nehme ich mir vor aufzuhören, es sei denn ich könnte um den dritten Platz kämpfen.

So fahre ich nach der Zeitmessschleuse an die Box. Auf der Uhr steht was von 16:20 Stunden. Ach du je, ich kann doch jetzt nicht schon aufhören. Selbst wenn ich total einbrechen würde und eine Stunde pro Runde brauchen würde, würde ich noch drei Stück schaffen plus 40 Minuten Pause! Mist was mache ich?

Ich stell mein Fahrrad am Auto ab und schlendere zum Rennbüro um mir die Zwischenergebnisse anzuschauen. Eigentlich liege ich nur eine oder zwei Runden hinter dem dritten Platz zurück. Keine Ahnung ob die anderen noch ne Pause machen oder durchfahren? Soo weit bin ich nicht davon weg. Irgendwie sagt alles in mir weiterfahren. Ich rechne die Höhenmeter nach. 20 Runden sind schon fast 6000 Höhenmeter, ich wollte maximal 4400 Höhenmeter fahren. Jetzt habe ich ca. 5300. Das reicht, mein Ziel ist es die 720 Kilometer beim Schweizer Radmarathon zu finishen, ich sollte jetzt einfach vernünftig sein.

Ich kaufe mir erst mal einen Kaffee, ziehe die Schuhe aus und setze mich ein bisschen in den Start/Ziel Bereich. Jedesmal wenn ein Radfahrer durchfährt zuckt es in mir. Noch immer sind es weit über drei Stunden möglicher Fahrzeit.

Ich schmeiße den Kaffee in den Müll, gehe zum Auto, schnappe mein Duschzeugs und gehe in die angrenzende Turnhalle zum Duschen. Das halte ich nicht aus. Entweder muss ich weiterfahren, oder sofort nach Hause fahren, sonst werde ich verrückt.

Wenn man ein Rennen fährt dann will man auch das maximal Mögliche herausholen. Da ich mich hier mit den Höhenmetern so verschätzt hatte ist es ok, wenn ich so früh abbreche, aber quälen muss ich mich dafür nicht. So packe ich meine Sachen, setze mich ins Auto und fahre nach Hause.

Bei der Autofahrt muss ich ständig daran denken, dass ja jetzt noch die Rennzeit läuft. Ich hoffe nur, dass der dritte mindestens 23 Runden fährt, denn mehr als 22 hätte ich mit Sicherheit nicht geschafft, und selbst 21 wäre beinhart geworden.

Durch diese Aktion habe ich natürlich die Siegerehrung verpasst. Gerne hätte ich dem Sieger Rudi Döhnert für seine 28 Runden applaudiert, das ist schon großer Sport, und der hat auch auf jeden Fall 29 oder sogar 30 drin, wenn er ernsthafte Konkurrenz hätte. Aber auch der zweite ist mit 26 Runden schon richtig geil gefahren, und alle die über 20 Runden gefahren sind haben meinen größten Respekt.

Mit meinen 18 Runden muss ich jetzt erst mal zurechtkommen. Das Rennen lief ja viel besser als die Leistungsdiagnostik erwarten ließ. Außerdem wollte ich lernen, und hier habe ich gerade bei der Ernährung gute Ansatzpunkte..

Obwohl es mir wirklich schwer gefallen ist so früh aufzuhören und ich mich vielleicht noch ein bisschen darüber ärgern werde, dass ich so vernünftig war, bin ich doch zufrieden mit meiner Leistung und mit dem Potential, dass sich für die längeren Rennen angedeutet hat. Ich bin nicht eingebrochen und Müdigkeit war überhaupt kein Thema, das war bei Trondheim-Oslo schon genauso und hat sich hier wieder bestätigt.

Außerdem hat das Rennen viel Spaß gemacht, war gut organisiert und wurde vor allem von den Einwohnern aus Fell und Thomm voll mitgetragen. Super Stimmung über 20 Stunden hinweg und geile Rockmusik am Thommer Berg, das wären gute Gründe wiederzukommen!

Zuhause habe ich dann, bevor ich auch nur mein Fahrrad geputzt habe, erst mal einen Karton "vollständige, bilanzierte, hochkalorische Trinknahrung" bestellt...



Samstag, 16. Juni 2012

20h Radmarathon Fell, Teil 1

Um 5:30 klingelt der Wecker. Eigentlich müsste ich erst so um neun, halb zehn losfahren, aber da man um 12:00 Uhr schon sein Auto in der "Box" abstellen soll, und ich nicht weiß wie es mit dem Verkehr so aussieht, fahre ich wenn die anderen noch schlafen.

Nach Radmarathon bzw. Wettkampf ist mir gar nicht zu mute. Den Frust von der Leistungsdiagnostik und der möglicherweise nicht korrekten Anzeige des SRM bin ich noch nicht losgeworden. Zwei Tage hatte ich überhaupt keine Lust auf Radfahren und habe es auch gelassen. Gestern nochmal eine gute Stunde aufs Ergometer, mehr aus Gewohnheit, beim Fußball gucken.

Es regnet. Und laut Wettervorhersage regnet es bis Sonntag. Das sagen alle außer wetter.com die sind der Meinung, dass es ab Samstagabend aufhört. Aber die haben sich bis jetzt immer verschätzt...

Auf der Fahrt durch den Westerwald regnet es stärker. In der Eifel fängt es an zu schütten. Und auch in Fell regnet es wie aus Eimern. Natürlich bin ich viel zu früh da. Ich habe noch über neun Stunden bis Rennbeginn.

Aber von Wettkampfgeilheit keine Spur. Das wird heute nix, vielleicht sollte ich einfach nach Trier fahren, mir einen schönen Tag machen und gemütlich wieder nach Hause fahren.

Unter optimalen Bedingungen und in guter Form würde ich wohl 22 Runden schaffen. Davon bin ich im Kopf (und laut den Jungs vom Radlabor auch in den Beinen) weit entfernt, mal abgesehen von dem schlechten Wetter. Wenn ich 15 Runden durchziehen kann sollte ich zufrieden sein.

Die Lightweights hatte ich draufgelassen. Bin sie aber noch nie im Regen gefahren, wenn die wirklich bei Nässe so schlecht bremsen wie alle sagen, dann mache ich vielleicht doch noch die R-SYS SL drauf und wechsle die Bremsbeläge, Zeit genug habe ich ja.

Anyway, auf jeden Fall habe ich genug zu essen mit. Ich dache mir ein bisschen Auswahl hilft beim Essen, falls mein Magen nicht mitspielt oder ich keinen Appetit habe. Gefühlt hundert Riegel und Gels plus Vollkornbrötchen, Kuchen, Nussecken, sogar Nüsse und natürlich Reiswaffeln bzw. Dinkel und Maiswaffeln. Außerdem O-Saft, der hat auf den Radreisen ja immer funktioniert wie Benzin beim Auto.


Da ich so früh in Fell ankomme nehme ich mir im Gasthof Kasler ein Tageszimmer. So kann ich noch ein bisschen Schlaf nachholen. Das Auto wird in der Startbox geparkt. Was sich aber als ziemlich schwierig herausstellt, da durch den Regen die Markierungen kaum zu sehen sind. So rangiere ich mehrmals auf dem noch leeren! Parkplatz.

Nach zwei Stunden schlafen und einer Portion Pasta will ich die Laufräder noch wechseln. Denn die Bremsprobe im Regen hat ergeben, dass die Lightweights im Nassen entweder gar nicht bremsen oder dann mit heftigem Stottern zubeißen wie ein Fila Brasileiro. Da verliere ich ja bergrunter mehr als ich berghoch gewinnen kann.

Aber leider lässt sich die Sicherungsschraube eines der vorderen Bremsbeläge nicht mehr herausschrauben. Die Schraube ist hinüber. Das darf doch nicht wahr sein. Ein Satz dieser Lightweight / SwissStopp Bremsbeläge kostet sage und schreibe 49,- Euro. Und die sind für das Geld nicht in der Lage da vernünftige Schrauben zu liefern. Ganz typisch für die Fahrradindustrie. In jedem anderen Industriezweig hätten die längst keine Kunden mehr. Ich bin stocksauer. (und nein ich habe nicht das falsche Werkzeug benutzt, und auch nichts mit Gewalt angezogen!)

Aber egal, dann fahr ich halt mit den Stotterbremsen, muss ich sehen wie ich damit zurechtkomme. Wir werden eh kaum in größeren Gruppen fahren, und wenn ich auf der Abfahrt langsam bin dann fahre ich halt eine Runde weniger und werde Vorletzter statt Vorvorletzter...

Nochmal gehe ich ins Hotel und döse ein, zwei Stunden vor mich hin. Die leckeren Vollkornbrötchen habe ich mittlerweile alle aufgegessen, eine Vorstartbanane gönne ich mir auch noch, dann checke ich aus und laufe die 800 Meter bei nur leichtem Regen zum Startgelände. Vielleicht wird das Wetter ja doch noch besser...

Dienstag, 12. Juni 2012

20 Stunden Rund um Fell - Leicht verschätzt...

Als ich mich für das 20 Stunden Rennen in Fell angemeldet habe, habe ich das gemacht um mich auf den Schweizer Radmarathon vorzubereiten. Ich wollte einfach ordentlich Kilometer machen, das Fahren in der Nacht trainieren, Gefühl für die lange Strecke bekommen.

Dabei habe ich mir das Höhenprofil gar nicht so recht angeschaut. Deshalb habe ich mir im Februar auch so ein völlig verrücktes Ziel gesetzt. Natürlich kann ich in Fell nicht mehr Kilometer fahren als bei Trondheim Oslo. Denn auf der knapp 17 Kilometer langen Runde hat man fast 300 Höhenmeter. Will heißen der letztjährige Sieger ist 28 Runden gefahren und hat dabei über 8000 Höhenmeter gesammelt. Dabei ist er noch keine 480 Kilometer gefahren...

Ich bin zwar letztes Jahr beim Alpenbrevet über 7000 Höhenmeter an einem Tag gefahren, aber das war im August. Und Fell ist ja eigentlich nur ein lockeres Vorbereitungsrennen. Mein Ziel muss ich also in Höhenmetern berechnen. Ich will mindestens drei- bis viertausend HM fahren, was ca. 10 bis 14 Runden bedeutet. Natürlich wäre es verlockend sich 20 Runden zum Ziel zu setzen, was ja auch nur 320 Kilometer wären, aber dann ergeben sich schon 6000 Höhenmeter, im Hinblick auf Bern-Bodensee-Bern ist mir das wohl zuviel.

Ich habe schon überlegt ob ich gar nicht starte und stattdessen lieber ordentlich Grundlagenkilometer sammle. Gerade nach dem frustrierenden Testergebnis im Radlabor macht das vielleicht Sinn. Aber andererseits gibt es in Fell sicher viel zu lernen. Vielleicht fahre ich also einfach locker ein bisschen mit, soweit die Strecke das hergibt. Dann kann ich meine Beleuchtung testen, das Fahren in der Nacht, die Pausengestaltung, das Essen usw.

Und vielleicht hilft es mir den Frust vom Laktattest etwas abzubauen.




Stufentest Radlabor 2012 - 1

Ein enttäuschender Test. Beides, die relative VO2max, und auch die Leistung an der IAS sind deutlich entfernt von meiner Leistung vor einem und vor zwei Jahren um diese Zeit. Vor allem passt der Wert nicht zu den vom SRM Powermeter beim Glocknerkönig übermittelten Werten.
  
Laktatstufentest:
Erste Stufe 100 Watt, Steigerung alle 3 Minuten um 20 Watt (entspricht auch dem vorgeschlagenen Protokoll des Bundes deutscher Radfahrer)

Gewicht: 79,8 kg - Größe 186cm
Leistung an der individuellen anaeroben Schwelle (IAS): 251,20 Watt (3,15 Watt/kg Körpergewicht)
Herzfrequenz an der IAS: 160/min
Abbruchleistung 340W (4,26 Watt/kg Körpergewicht)

VO2max Test:
4135 ml/min
51,80 ml/min/kg

Leistungsdiagnostik Frust

Frustriert sitze ich in Freiburg bei einem lauwarmen Milchkaffee. Die Ergebnisse des heutigen Laktatstufentests und des VO2max Tests sind niederschmetternd.

Über die letzten drei Jahre habe ich mich eigentlich kontinuierlich verschlechtert. Ich könnte heulen. Der Typ der den Test durchgeführt hat versuchte mich zwar zu trösten, dass die Werte doch ganz ok seien, dass ich mich in der Perzentile gegenüber den anderen Radsportlern massiv verbessert habe, da ich jetzt in einer anderen Altersgruppe bin, blablabla.
Ach ja, und außerdem wäre ich ja jetzt in dem Alter wo man so langsam froh sein könnte, wenn man seine Leistung halten kann. Wenn hier irgendwo eine Brücke wäre würde ich runterspringen...

Die Werte des SRM Powercontrol vom Glocknerkönig stimmen niemals. 319 Watt im Schnitt über 1 Stunde 42 Minuten 17 Sekunden. So ein Schmarrn. Die Critical Power über eine Stunde liegt nach dem Test bei knapp 250 Watt. Ich werde die Kurbel an SRM zum Kalibrieren schicken. Aber letztlich habe ich von SRM dermaßen die Nase voll. Letztes Jahr hat das schon nicht gestimmt! Dann nachkalibrieren, d.h. einschicken, tausend Emails, und gerade noch knapp vor Trondheim Oslo kam das Ding zurück.

Was nutzt mir Leistungsmessung, wenn die Daten nicht über die Zeit und die unterschiedlichen Powermeter hinweg reproduzierbar sind.

Oder bin ich so eine Wettkampfsau, dass ich 30% und mehr im Wettkampf drauflege? Also alle Erfahrung im Sport spricht dagegen. Außerdem ist eine Leistungsdiagnostik auch so etwas wie ein Wettkampf, jedenfalls ruft man da mehr Leistung ab als im Training.

Auch die Tatsache, dass ich vielleicht heute nicht in Form war, die letzte Woche eigentlich zu hart trainiert habe und statt nach Frankfurt plötzlich nach Freiburg fahren musste, und deshalb ziemlich gestresst zum Test gekommen bin erklären das nicht.

Der Frust sitzt wirklich tief. Ich hatte mit einer minimalen Verbesserung gerechnet und habe mich stattdessen mehr als minimal verschlechtert. Vielleicht trainiere ich einfach Schrott zusammen?

Ich bin echt ratlos. Da hilft nur noch professionelle Hilfe. Das gute Ergebnis vom Glockner hatte mich echt gepusht, jetzt würde ich am liebsten mein Rad verbrennen. Eins steht fest. Die SRM Systeme werde ich nach der Kalibrierung verkaufen und zwar alle. Bei der Konkurrenz gibt es selbstkalibrierende Kurbeln und die sind sogar noch billiger. Ich bin jedenfalls gespannt was die diesmal sagen, und was das Nachkalibrieren ergibt. In Fell, Bern und beim Peakbreak muss ich allerdings noch mit der Kurbel fahren so wie sie ist, in so kurzer Zeit schaffen die das wohl kaum. Mist.

Jetzt heißt es sich wieder aufbauen und den Frust überwinden, so dass ich wenigstens am Wochenende in Fell einigermaßen würdig da durchkomme. Aber das ist nochmal ein eigenes Thema, dafür gibt's im Blog auch einen eigenen Beitrag.





Sonntag, 10. Juni 2012

Fazit Glocknerkönig 2012

Nachdem ich jetzt fast eine Woche hatte in der sich die Eindrücke vom Sonntag etwas setzen konnten ist es Zeit für ein Fazit.

Mein primäres Ziel war es natürlich meine Leistung aus den Vorjahren zu bestätigen und mich vor allem auch zu verbessern. Denn da ich erst drei Jahre trainiere sollte es noch eine Weile kontinuierliche Leistungssteigerungen geben. Allerdings muss ich auch schon gegen den altersbedingten Leistungsabbau ankämpfen, so dass es recht spannend ist zu sehen in welche Richtung die Leistungskurve sich bewegt.

Es gibt vier Parameter an denen ich die Leistung messen kann. Die gefahrene Zeit, die Platzierung, der Rückstand auf den Sieger und vor allem natürlich die Daten der Leisungsmesskurbel.

Die Daten von letzterer machen mich allerdings etwas misstrauisch. Nachdem letztes Jahr die Daten zunächst etwas zu niedrig waren wegen eines Kalibrierungsfehlers der Kurbel, hatte ich einen intensiven Schriftverkehr mit SRM. Dort hat man mir mehrfach versichert, dass die Daten der SRM Kurbeln unterneinander und über die Zeit hinweg reproduzierbar sind, und dass ich mich nicht von meinem Gefühl täuschen lassen soll.

Will heißen, nur weil ich das Gefühl hatte mehr geleistet zu haben als die Kurbel anzeigt heißt das noch lange nicht, dass das auch so war. Laut SRM haben sie öfter mit solchen Anfragen zu tun.

Nur diesmal habe ich den Eindruck, dass die Kurbel zuviel anzeigt. Denn der Gedanke, dass ich über eine Stunde und zweiundvierzig Minuten 319 Watt treten kann, was bei 79,1 kg Körpergewicht ja 4 Watt pro kg wären, halte ich einfach für unwahrscheinlich.

Doch die Kurbel ist nagelneu und dementsprechend auch frisch kalibriert. Ich habe die Leistungdaten mit zwei Radcomputern aufgezeichnet und mit drei unterschiedlichen Programmen ausgewertet, immer mit demselben Ergebniss.

Ein Abgleich mit einer theoretischen Berechnung der Leistung hat so um 300 Watt ergeben, da ist allerdings der Wind (Gegenwind) noch nicht mit einberechnet, so dass es recht plausibel klingt. Der Unterschied zum Vorjahr und vor allem zu den Trainingsfahrten vor zwei Wochen ist allerdings schon rießig. Bei einer Testfahrt am Hausberg waren die Werte auch plausibel. Also muss ich wohl davon ausgehen, dass die Werte im Rahmen der Messgenauigkeit von 2% stimmen.

Ich werde nächste Woche jedenfalls eine Leistungsdiagnostik machen und dann werde ich sehen was die theoretischen Daten sagen...

Das ich mich prinzipiell verbessert habe zeigen aber auch die anderen Parameter. So konnte ich meinen Rückstand auf den Sieger um ca. 7 Minuten verringern. Und der war auch noch deutlich schneller als der diesmal zweitplazierte Vorjahressieger.

Die Gesamtzeit war ca. 6 Minuten besser als letztes Jahr, obwohl der Wind dieses mal noch heftiger war als 2011. Und vor allem konnte ich mich trotz leicht gestiegener Teilnehmerzahl bei den Platzierungen deutlich verbessern. Das ein paar Minuten gleich zweihundert Plätze bedeuten ist ja schon erstaunlich.

Wieviel von dieser Verbesserung allerdings auf besseres Material zurückzuführen sind kann ich schlecht abschätzen, vor allem da ich den Leistungsdaten noch nicht recht traue. Ich glaube der Vorteil der Lightweights gegenüber den Mavic R-SYS SL oder den Citec 3000S Aero ist eher gering, wenn überhaupt vorhanden. Allerdings hatte ich ein um mehr als dreieinhalb Kilogramm geringeres Systemgewicht als 2011, das macht sich sicher bemerkbar.

Wichtiger als all diese statistischen Daten ist allerdings das Gefühl dieses mal meine Leistung besser abgerufen zu haben. So hat sich nach dem Rennen eine Zufriedenheit eingestellt, die Auftrieb und Motivation für das weitere Training und die nächsten Events gibt.

Was mir wie immer gut gefallen hat ist die reibungslose Organisation. Auch geht es trotz der doch recht hohen Teilnehmerzahl recht entspannt zu. Und diesmal war die Verkehrsinsel in Fusch deutlicher signalisiert, sehr gut.

Jetzt stellt sich für mich die Frage ob ich nächstes Jahr nochmal mitfahre, mein Ziel "erste Startgruppe" habe ich ja erreicht.  Es ist halt eine schöne Saisoneröffnung und gibt gute Motivation im Wintertraining.



Sonntag, 3. Juni 2012

Statistik Glocknerkönig 2012

Glocknerkoenig Classic Strecke
Kilometer: 27 km
Zeit:  1:42:17,0 h
Schnitt:  15,838 km/h
Höhenmeter: 1694
Durchschnittliche Temperatur: 9,5°C
Rückstand auf den Sieger:  25.08,2 min
Rang Overall Classic: 253 (von 2392)
Rang Overall Classic Herren: 247 (von 2180)
Rang Altersklasse H4: 72 (von 800 )
Durchschnittliche Leistung an der Kurbel (SRM):  289 Watt
Normalisierte Leistung nach TrainingPeaks:  Watt
Durchschnittliche Trittfrequenz: 84
Durchschnittliche Herzfrequenz: 168 bpm

Zwischenzeit Mautstation Ferleiten
Zeit: 00:31:32,6 h
Rang Overall Classic: 244
Rang Overall Classic Herren: 236
Rang Altersklasse H4: 70
Durchschnittliche Leistung an der Kurbel (SRM):  288 Watt
Normalisierte Leistung nach TrainingPeaks:  Watt
Durchschnittliche Trittfrequenz: 96
Durchschnittliche Herzfrequenz: 163 bpm

Zeit Mautstation bis Ziel
Zeit: 1:10:44,8 h
Rang Overall Classic: 272
Rang Overall Classic Herren: 266
Rang Altersklasse H4: 82
Durchschnittliche Leistung an der Kurbel (SRM):  292 Watt
Normalisierte Leistung nach TrainingPeaks:  Watt
Durchschnittliche Trittfrequenz: 79
Durchschnittliche Herzfrequenz:  170 bpm

Fahrrad:
Rahmen: Specialized S-Works Roubaix SL3 2011
Laufräder: Lightweight Standard III C
Schaltung: Shimano Dura Ace 7970 Di2 mit
SRM - Dura Ace 7900 Kompakt 34/50 vorne, SRAM (MTB) XX Kassette 11-32 hinten
Bremsen und Kette: Shimano Dura Ace 7900
Pedale: Shimano Dura Ace SPD-SL
Lenker: Syntace Racelite 2 CDR Carbon
Sattel: tune Komfort
Radcomputer: SRM Powercontrol 7 und Garmin Edge 800

---- Update der Leistungsdaten nach erneuter Kalibrierung der Kurbel im November 2012 -----

Gewicht: ca.8,12 kg inkl. Trinkflasche und Radcomputer und Transponder
Systemgewicht inkl. Fahrer (79,1 kg + 2,1 kg Kleidung) ca. 89,32 kg

Glocknerkönig 2012 das Rennen

Interessanterweise wache ich heute morgen nicht von selbst auf, sondern der Wecker weckt mich um 5:20 Uhr. Das erste was ich tue ist meine Zielzeit rezitieren 1:39:59 h! Die Waage zeigt Erfreuliches, fast hätte ich mein Ziel von 79 kg geschafft. Denn neben dem Gewichtstuning am Rad ist natürlich das Gewichtstuning am eigenen Körper ein gute Möglichkeit das Gesamtsystemgewicht zu drücken.

Beim Frühstück gibt's 'ne halbe Schale Müsli und zwei Käsebrote das sollte wohl für 1 Stunde 39 Minuten und 59 Sekunden Fahrradfahren reichen...

Der Blick aus dem Fenster zeigt Erstaunliches. Der Himmel ist blau und die Sonne geht auf. Und das bei den Vorhersagen, die von Gewittersturm über Temperatursturz und dunkle dichte Regenwolken alles Mögliche vorhergesagt haben. Aber zum Glocknerkönig ist halt das Wetter traditionell schön, und diese Bauern- äh Radlerregel ist mindestens so verlässlich wie die über komplexe Modelle mit 12 Fantastilliarden GigaMops Rechenleistung ermittelten „Vorhersagen“.

Trotzdem packe ich warme Klamotten in den Kleidersack und nutze diesmal den Transportservice, denn oben ist es natürlich richtig kalt und das Wetter kann dort eh jederzeit umschlagen. Das passt auch gut zu meinem Plan dieses mal trotz Startblock2-Startnummer nicht so spät zum Start zu gehen wie letztes Jahr. Da hat mir die Einstimmung auf das Rennen gefehlt.

So fahre ich mich noch knapp zehn Minuten warm und jage die Wattanzeige auch ein paar mal kurz gut in die 500 Watt damit die Beine wach werden. Dabei mache ich mir nochmal meine angestrebte Zeit bewusst 1:39:59 h. Allerdings ist mir auch klar, dass das, vorsichtig ausgedrückt, ein optimistisch gesetztes Ziel ist.

Dadurch, dass ich schon kurz nach halb in der Startaufstellung stehe, stehe ich immerhin im zweiten Drittel meines Startblocks. Die Stimmung ist ähnlich verhalten wie letztes Jahr. Im dritten Startblock ist es schon etwas lustiger, vielleicht weil die Ambitionen meist geringer sind. Allerdings fühle ich mich sehr locker, der Puls liegt um 80, also so wie vor zwei Jahren, als ich mit dem Ziel unter die besten tausend zu kommen recht locker am Start stand.

Die Musik ist ok, ein eher rockiger Mix und immer wieder versuche ich mich etwas zu pushen, etwas Spannung aufzubauen. Nachdem in den letzten beiden Jahren eher ich nach den anderen Rädern geschaut habe, ziehen diesmal doch die Lightweights den einen oder anderen interessierten Blick auf mein Rad. Ich bin nicht der einzige der solch einen technischen Overkill betreibt, aber man hat schon das Gefühl jetzt auch liefern zu müssen, will heißen mit den Laufrädern 'ne 1:50 zu fahren wäre peinlich. Naja, ob die wirklich so viel bringen am Berg, vor allem gegenüber den ja auch schon guten R-SYS SL oder Citec 3000S, bezweifle ich momentan noch.

Ein vierer Team hinter mir flachst etwas über meine Mountainbikekassette mit dem 32er Ritzel, ich habe jetzt aber keine Lust über Leistung an der Schwelle, optimale Trittfrequenz und den ganzen Käse zu diskutieren, deshalb ignoriere ich das einfach, die Antwort gibt’s am Berg!

Dann noch drei Minuten. Der Glocknerkönig leistet sich dieses Jahr auch einen Hubschrauber, ich warte nur auf „die Glocken von Bruck“ sprich Hells Bells von AC/DC. Aber irgendwie klappts nicht, erst wird kurz Highway to Hell angespielt, dann hört man dahinter die Glockenschläge von Hells Bells, aber als der Startschuss fällt spielen die Race von Yellow. Mist was soll das denn? Völlig unpassender Song (abgesehen vom Titel), außerdem weckt das in mir keinerlei Emotionen.


Aber als der Pulk anfängt sich zu bewegen ist das vergessen, jetzt geht es nur drum von Anfang an Druck zu machen. Um mein Ziel zu erreichen brauche ich ca. eine Zwischenzeit von 32 Minuten an der Mautstelle Ferleiten. Am Start dürften so ca. 450 Fahrer vor mir gewesen sein (Bei 2800 Teilnehmern sind also abzüglich der „light Fahrer“ wohl über 2000 hinter mir).

Nach der Unterführung versuche ich immer schnelle Hinterräder zu finden und das Fahren im Wind möglichst zu vermeiden. Das klappt auch erstaunlich gut. Allerdings steht die Wattanzeige fast konstant über 400 Watt oder zumindest hoch im dreihunderter Bereich. Ich habe etwas Sorge mich jetzt schon platt zu machen, aber ich kann sogar das Führungsfahrzeug der Rennleitung manchmal vorne noch sehen, das motiviert ungemein.

An dem flachen Stück in Richtung Fusch zieht sich das Feld auseinander und wir fahren wie an einer kilometerlangen Perlenschnur aufgereiht hintereinander. Das sieht ziemlich geil aus. Ich weiß nicht ob ich jetzt mehr Routine mit dem Fahren im Pulk habe und ich die Situation anders einschätze, aber es scheinen mir einige Fahrer dabei zu sein, die doch recht gefährlich in der Gruppe fahren. Einen guten Kompromiss aus Sicherheit und Windschatten gibt es aber nicht. Also bleibe ich immer schön an den Hinterrädern und hoffe das vor mir (und hinter mir natürlich auch) kein Sturz passiert.

Irgendwie habe ich mich doch schon ein gutes Stück nach vorne gebeamt, als in Fusch plötzlich die Hände hoch gehen. Wir bleiben fast stehen. Mein Wunsch ist nicht in Erfüllung gegangen, denn es hat gekracht. Drei vier Radler klicken gerade fluchend wieder ein und quälen sich aufs Rad, einer bleibt aber mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen.

Zwei Gedanken schießen mir durch den Kopf: „verdammt die arme Sau, hoffentlich hat er sich nicht ernsthaft weh getan“ und „puh, das war knapp, Glück gehabt, dass ich nicht involviert war und alle rechtzeitig bremsen konnten“. In welcher Reihenfolge weiß ich aber ehrlicherweise nicht.

Trotz dieses Unfalls, schließt der Pulk zur Spitzengruppe auf. Hinter dem Bärenwerk sind also die ersten ca. 300 bis 330 Fahrer noch zusammen. Auch wenn ich am Ende dieses Pulks bin ist das doch ziemlich geil. Zwar habe ich mich ja schon letztes Jahr beim Alpenbrevet auf den ersten Kilometern abgeschossen, aber hier noch das Führungsfahrzeug im Blick zu haben heißt, dass ich bei einer konstanten Leistung von 350 bis 380 Watt noch Siegchancen hätte. Herrliche Theorie. Die andere Interpretation ist natürlich, dass die starken Fahrer vorne im Verhältnis zu ihrem Leistungsvermögen deutlich langsamer gefahren sind als ich und wahrscheinlich die meisten meiner Mitstreiter, so dass ich mich möglicherweise überfordert habe bevor es überhaupt berghoch geht.

Für letzteres spricht die Tatsache, dass jetzt im Anstieg die Fahrer der Reihe nach wegplatzen. Allerdings fühle ich mich noch gut und die Trittfrequenz ist sehr hoch. Die Wattanzeige ist oft bei ca. 380 Watt bei einer Trittfrequenz von ca. 95. Dabei bewege ich mich im Pulk eindeutig nach vorne. Ich ignoriere weiterhin die Möglichkeit zu überziehen, ich will definitiv nicht so ekelhaft entspannt im Ziel stehen wie letztes Jahr, lieber sterbe ich schon im ersten Steilstück hinter der Mautstation.

Der Blick auf das Wattmeter erstaunt mich immer wieder, schon lange habe ich die zwei vorn nicht mehr gesehen, ich weiß gar nicht warum ich innerhalb von anderthalb Wochen soviel stärker fahre. Es fühlt sich aber auch richtig, richtig anstrengend an. Auf dem letzten steileren Abschnitt vor der Mautstation muss ich schon ordentlich kämpfen. Aber zum Glück kommen ja ein paar hundert flache Meter.

Ich nutze die Gelegenheit um mir ein Gel reinzuquetschen und etwas zu verschnaufen. Die Zwischenzeit passt. Muss knapp unter 32 Minuten sein. Jetzt wird es ernst. Der härteste Teil der Strecke kommt ja noch. Vor allem der Teil gleich nach der Mautstation und der Abschnitt ab dem Schild unteres Nassfeld machen mir etwas Angst.

Das Schöne ist, dass ich jetzt nicht mehr denken muss, sondern es gilt nur durchzuhalten, im kleinsten Gang mit der größtmöglichen Trittfrequenz. Das klappt in diesem ersten schwierigen Teil sehr gut.

Dabei wird mein etwas plakativ formulierter Wunsch von gestern, dass ich mich so verausgaben will, dass ich im Ziel kotzen muss möglicherweise schneller erfüllt als mir lieb ist. Denn immer noch trete ich rein was geht, und mir ist schon regelrecht übel vor Anstrengung. Aber es geht auch wieder weg.

Ich habe zwar nicht das Gefühl wie beim ersten mal, als die Kilometer nur so dahin geflogen sind, aber die Rennsituation lässt keinerlei „ich bin ja erst hier“ und „oje wie weit noch bis nach oben“ Gedanken zu.

Trotzdem sehne ich natürlich die erste Kehre herbei. Kurz davor spricht mich noch ein Fahrer auf meine Mountainbike Kassette an. Wir fahren beide schon nahe am Limit und unterhalten uns über Übersetzungen, dabei überholen wir eine größere Gruppe, das wirkt schon ziemlich lässig...

Lässig ist allerdings gar nix. Nach der ersten Kehre, die ja ein paar Meter mit geringer Steigung bedeutet schalte ich brav hoch und gehe in den Wiegetritt, aber es ist wirklicher Kampf. Ich könnte schon wieder kotzen. Natürlich mache ich das nicht, es ist ja einfach nur dieses Gefühl der Anstrengung, das kennt sicher jeder Sportler aus der ein oder anderen Situation. Und seltsamerweise finde ich das sogar irgendwie gut, denn es ist ein Indikator dafür, dass ich nicht zu wenig gebe, wie es eben letztes Jahr passiert ist.

Was nicht so schön ist, ist die Tatsache, dass ich so um Kilometer 21 einen Anflug von Seitenstechen spüre. Hä? Das hatte ich ja noch nie. Es ist nur so ein latentes Gefühl, aber ich kann natürlich nicht durch Dosieren der Leistung irgendwie gegensteuern, denn mittlerweile liegt die Trittfrequenz eher unter 80 und die Leistungsanzeige zeigt um 300 Watt.

Bis hierher könnte es theoretisch tatsächlich sein, dass ich meine Zielzeit erreiche. Ich habe diese zwar nicht konstant vor Augen, aber wenn es richtig weh tut hilft mir das mich zu motivieren und nicht nachzugeben, sondern hochzuschalten und im Wiegetritt zu kämpfen. Doch dann wird der Traum von der 1:39:59 im wahrsten Sinne des Wortes weggweblasen.

Denn während die Bedingungen zunächst gegen alle Erwartung fast optimal sind, nämlich blauer Himmel bei niedrigen Temperaturen, setzt jetzt ein heftiger Wind ein. Das hat mir letztes Jahr möglicherweise schon die Quali für die erste Startgruppe verblasen, dieses Jahr ist der Wind aber noch heftiger. An manche Stellen ist es regelrecht stürmisch. Und vor allem kommt der Wind natürlich von vorne, die meiste Zeit jedenfalls.

Ich rede es mir schön damit, dass er dann an dem langen steilen Stück am unteren Nassfeld von hinten kommen muss. Außerdem versuche ich mich nicht so entmutigen zu lassen vom Wind wie letztes Jahr, weiß jetzt aber, dass die 1:39:59 passé ist. Ich setze mir aber keine neue Zielzeit sondern kämpfe einfach weiter.

Alle Fahrer versuchen sich möglichst nah an den Berg zu schmiegen um dem Wind soweit wie möglich zu entgehen. Außerdem fahren wir Windschatten wie bei einem flachen Radrennen. Das hat den Nachteil, dass man nicht immer seinen eigenen Rhythmus fahren kann. Auch wenn man schneller fahren könnte als der Vordermann müsste man den Windschatten aufgeben, was wieder zu viel Körner kostet.
Eine verzwickte Situation. Ich entscheide mich ein paar mal für den eigenen Rhythmus und versuche gegen den verdammten Wind anzukämpfen. Dabei muss ich mehrmals laut fluchen oder den Wind anschreien. Die anderen um mich herum sagen nix, aber ich weiß, dass die das gleiche denken...

Wieder kommt der latente Anflug von Seitenstechen, aber auch jetzt geht es wieder weg. Am Nassfeld haben wir dann tatsächlich Rückenwind. Ich versuche das auszunutzen und einen Gang höher zu schalten, aber es ist kein ganzer Gang, so versuche ich es über die Trittfrequenz, aber jetzt wieder in den hohen 80er oder gar 90er Bereich zu kommen verlangt mehr Willenskraft als noch übrig ist. So „schone“ ich mich einfach etwas für den nach der Kehre logischerweise kommenden Gegenwind.

Noch immer bin ich innerlich zufrieden, auch wenn die Zielzeit nicht mehr möglich ist, denn ich merke dass ich am Limit kämpfe, und ich tue einfach so als wäre die 1:39:59 h noch drin.

An der Edelweißwand haben wir kaum Gegenwind, dass hatte ich anders erwartet, das hilft psychologisch, außerdem hat mich schon ein paarmal ein Fahrer mit einem Scott Addict überholt, wir sind in diesem Abschnitt in etwa gleich schnell, so dass ich immer wieder an ihm vorbeigefahren bin. Und jetzt will ich natürlich auch dranbleiben.

In den folgenden Schlussserpentinen ist es wieder windiger. Es sind keine zwei Kilometer mehr, aber jetzt ist es elend hart. Ich bin aber völlig erstaunt, dass ich bis hierhin so durchgehalten habe, bei den Zahlen die da auf der Wattmeteranzeige standen. Zwar sind das ja immer nur Momentaufnahmen wenn man gerade mal auf die Anzeige schaut und die tatsächliche Durchschnittsleistung liegt natürlich viel niedriger, aber grob weiß ich ja was ich letztes Jahr getreten habe, und dieses mal muss es deutlich mehr sein.

Noch tausend Meter, jetzt gehen in der Beinmuskulatur so langsam die Lichter aus. Ich zwinge mich immer mal wieder hochzuschalten und im Wiegetritt zu kämpfen, aber viel geht nicht mehr. Vor der letzten Serpentine ist es nochmal etwas flacher, wenn ich hier angreifen könnte, nochmal Tempo aufnehme, könnte ich noch zwanzig Sekunden gut machen, aber ich versuche einfach nur durchzuhalten und gebe alles was ich habe im 12%-Stich zum Kilometer 27. Dabei mache ich Geräsuche wie ein sterbender Wal. Dann ist es nur noch die kleine Rampe zum Fuscher Tor. Aber ich hab nix mehr, sie erscheint mir unfassbar lang und steil. Ich glaube ich komme da nicht mehr hoch.

Foto firstfotofactory.com
Kämpfen, die verdammten letzen 400 Meter nochmal kämpfen, jetzt nicht noch die Qualizeit für die erste Startgruppe versauen! Kurz geht es auch wieder besser, aber sprinten kann ich nicht. Im sitzen schießt die Wattanzeige nochmal hoch, mit letzter Kraft quäle ich mich über die Ziellinie. Vor der feschen Österreicherin die mir die Finishermedaille umhängen will muss ich erst mal verschnaufen. Dann aber hole ich mir das Teil und ein Lächeln ab.

Die Zeit muss so knapp über 1:42 h sein. Ich bin nicht so unfassbar glücklich wie beim ersten mal, aber hochzufrieden. Zwar habe ich die 1:39:59 h verpasst, aber das hätte nur bei rundherum optimalen Bedingungen klappen können. Sonne und Temperatur haben mitgespielt, aber der Wind halt nicht. Dennoch habe ich die 1:45 h Qualizeit für die erste Startgruppe geschafft. Für mich ein Riesenerfolg.




Nachdem ich mir die warmen Klamotten aus dem Kleidersack angezogen habe, denn durch den Wind es ist schon empfindlich kalt hier oben, und zwei extrem süße Früchtetees getrunken habe mache ich mich auf zur Kaiserschmarrnausgabe.



Allerdings schaffe ich nur eine halbe Portion. Auch wenn ich mich prinzipiell sehr schnell wieder erholt habe, so habe ich doch durch die Anstrengung noch keinen rechten Hunger. Aber die Aussicht auf die Schlussserpentinen mit der endlosen Kette von sich den Berg hoch quälenden Radlern genieße ich noch einen Moment. Dann wird es mir aber doch zu kalt, außerdem ziehen Wolken auf, und wenn es doch noch anfängt zu regnen möchte ich auf keinen Fall die ungewisse Bremswirkung der Carbonflanken meiner Laufräder bei Nässe in einer Abfahrt vom Glockner erstmals kennenlernen...





So mache ich mich auf die Abfahrt. Bei trockenen Bedingungen ist das Bremsen mit den Lightweights auch auf dieser Steilen langen Abfahrt kein Problem. Da noch viele Radler bergauf unterwegs sind fahre ich recht langsam, genieße etwas das Alpenpanorama und schaue mir die Radfahrer an.

Auf halber Strecke zur Mautstation sehe ich einen recht schweren Radler, der sich offensichtlich weit über dem Limit die Strecke hochquält und dabei so langsam wird, dass er umfällt. Es passiert gerade als ich mit 50 km/h bergab an ihm vorbeirausche, so dass es keinen Sinn macht anzuhalten. Ich schaue mich kurz um, und es ist schon jemand bei ihm, so dass ich weiterfahre und nicht umkehre. Das habe ich ja auch noch nicht gesehen. Ich glaube er wollte gerade ausklicken und schieben und kam nicht aus den Pedalen raus. Bei großer Erschöpfung kann das passieren. Ich würde sagen der hat noch eine Rechnung mit dem Berg offen und wird nächstes Jahr wiederkommen...

Ich habe jetzt keine Rechnung mehr mit dem Glocknerkönig offen. Die Qualifikation für die erste Startgruppe ist geschafft. Ein bisschen stolz bin ich schon. Ca. fünf Minuten schneller als letztes Jahr, das macht Mut, dass die Möglichkeit mich zu verbessern gegenüber der nachlassenden Leistungsfähigkeit im Alter noch die Überhand hat.

Samstag, 2. Juni 2012

Glocknerkönig 2012

Nachdem die Woche in erheblichem Arbeitsstress geendet hat und ich auch am Donnerstag nicht mal die geplanten anderthalb Stunden auf's Rad konnte, spät abends dann sogar nach einer halben Stunde auf dem Ergometer abgebrochen habe bin ich gestern ziemlich unzufrieden und mit unbestimmter Wut im Bauch ins Auto gestiegen.

Passend dazu stand ich schon nach zwanzig Kilometern in einer Vollsperrung. Zum Glück haben es meine Leidensgenossen um mich herum ziemlich locker genommen, so dass wir ein bisschen geplaudert haben statt uns aufzuregen und auszumalen nach wie vielen Stunden stehen wir denn wohl weiterfahren können. Und erstaunlicherweise war der verunglückte LKW nach zwanzig Minuten aus dem Weg geräumt.

Letztlich hat es dann schon gepasst und um halb fünf in Bruck angekommen muss ich mich wirklich zwingen nicht gleich aufs Rad zu steigen und eine ordentliche Installationsrunde zu fahren.  Denn war ja erst für heute angesagt.

Heute morgen war es noch bedeckt, so dass ich mich nach dem Frühstück nochmal eine Stunde hingelegt habe, dann gemütlich die Startunterlagen abgeholt habe und erst um halb zwölf auf dem Rad saß.

Noch ein bisschen Feintuning an der Schaltung, denn die Kassette sitzt auf den Lightweights etwas weiter innen, dann geht es in Richtung Zeller See.


Im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren fahre ich nicht rund um den See, sondern an seiner Ostseite ein paar mal auf und ab. Ein paar kleine Intervalle um den Körper etwas auf die Belastung morgen vorzubereiten, ein paar Bremsungen um mich an die Carbonbremsflanken und die speziellen Bremsbeläge zu gewöhnen, und auch mal ein Stück berghoch, allerdings nur im GA1/GA2 Wattbereich.

Zwischendurch immer wieder Stopps zum Nachstellen und Justieren. Und natürlich einer für ein leckeres Mittagessen. Außerdem versuche ich die Seeidylle fotografisch festzuhalten.




So kann ich mir die schlechte Stimmung etwas „rausfahren“ und anfangen mich auf mein Ziel zu fokussieren. Genau genommen muss ich mir das Ziel erst noch definieren.





In meinem Eintrag vom Februar in dem ich die Saisonziele definiert habe, habe ich noch geschwankt zwischen 1:45 h (= erste Startgruppe) und 1:40 h. Vor anderthalb Wochen nach der Trainingsfahrt hier am Glockner hielt ich alles unter zwei Stunden für einen Erfolg mit dem ich zufrieden sein sollte.

Beim Material habe ich mit den Lightweights natürlich ziemlich aufgerüstet, wobei die erste Vergleichsfahrt auf meiner Hausstrecke eigentlich keine signifikanten Vorteile gegenüber den R-SYS SL gezeigt haben. Aber die Messstrecke war auch nur zehn Minuten lang und nicht so steil wie die Strecke morgen.

So gehört sich das für einen echten Materialfahrer...

Insgesamt hoffe ich das mein Systemgewicht morgen ein oder zwei Kilogramm unter dem letztjährigen liegt. Ich hoffe so durch verbessertes Material und Gewicht mindestens zwei Minuten rauszuholen.

Von 2010 auf 2011 habe ich mich um ca. fünf Minuten verbessert. Da ich jetzt im dritten Trainingsjahr bin hoffe ich auf eine gleichgroße Steigerung in 2012, trotz meines hohen Alters und dem bis Ende März nicht optimal verlaufenen Training. Das heißt mein Ziel muss eigentlich die 1:40 h sein. Dazu muss ich aber auch wirklich dran glauben und von Anfang bis Ende kämpfen, nicht so wie im letzten Jahr, wo es mein Kopf es war, der die 1:45 h verhindert hat.

Also Ziel ist 1 Stunde, 39 Minuten und 59 Sekunden.

Die Zeit wäre wirklich der Hammer und ich werde erst morgen sehen ob so ein ambitioniertes Ziel tatsächlich realistisch ist. Bis zur Mautstelle Ferleiten muss ich dazu mindestens 32 Minuten oder besser fahren, und dann hundert Prozent geben auf dem gesamten Rest der Strecke. Das wird hart. Aber ich will nicht nochmal so entspannt sein wenn ich oben im Ziel stehe wie letztes Jahr, das war Mist.

Nochmal, Ziel ist 1:39:59 h