Samstag, 27. April 2013

Postalmrunde

Für heute haben wir uns die Postalmrunde ausgesucht. Ich war fast mehr dafür nochmal eine größere Runde um die Seen zu drehen, allerdings hat die Postalmrunde ordentlich Höhenmeter zu bieten was auch recht verlockend ist.

Wir starten zunächst genauso wie gestern, also von Fuschl am See hinüber nach St. Gilgen am Wolfgangsee. Auf der Abfahrt zum Wolfgangsee bietet sich ein toller Blick auf den Wolfgangsee und die umliegenden Berge, ein fantastisches Postkartenpanorama. Ich konnte es gestern schon nicht fotografieren weil wir zu schnell waren, diesmal fährt ausgerechnet an dieser Stelle ein Bus hinter mir, so dass ich keine Spirenzchen mit dem Fotoapparat machen kann. Stehen bleiben will ich natürlich auch nicht...


Dann fahren wir am Wolfgangsee entlang bis Strobl. Die Beine funktioneren gut, Marco fühlt sich noch nicht ganz so wohl, ihm steckt noch die Tour von gestern in den Knochen. In Strobl biegen wir dann ab in Richtung Postalm. Ich habe keine großen Erwartungen an die Strecke, auf der Karte sah alles recht unspektakulär aus.




Ist es aber nicht. Zunächst führt die Strecke schön durch den Wald, am Wildbach entlang, dann kommen wildromantische Abschnitte durch Felstore und enge Schluchten, und das alles mit meist moderater Steigung, nur an manchen Stellen zieht es etwas an.





Wie immer fährt jeder von uns beiden am Anstieg sein eigenes Tempo, der Plan ist, dass man sich oben wieder trifft.

Schließlich kommt eine Mautstation, an der Fahrradfahrer wie üblich nichts zahlen müssen, und nun zieht die Strecke ordentlich an. Es geht gleich mal kurz in den zweistelligen Bereich, dann bleibt die Steigung recht konstant zwischen 9 und 10 Prozent. Das ist ja doch recht vielversprechend. Als dann die erste beschilderte Kehre kommt, wird mir klar, dass es sich hier um einen richtigen alpinen Anstieg handelt.

Da auch noch die Beine trotz Heuschnupfen super funktionieren, stellt sich das wohlbekannte Hochgefühl ein, das man nur vom steil berghoch fahren bekommt.

Zunächst führt die Strecke weiter durch den Wald, vorbei an einem Wasserfall, über Holzbrücken wird der Wildbach überquert, und die Straße schraubt sich in Kurven und Serpentinen nach oben. Die Steigung bleibt konstant, meine Leistung auch, ich kann immer gut über 300, eher so um 320 Watt treten. Damit hatte ich eigentlich gar nicht gerechnet.






Ich ärgere mich fast ein wenig, dass ich den Anstieg so unterschätzt habe und unten am Start keine Runde abgedrückt habe, so dass ich meine Zeit messen könnte. Na egal, ich genieße einfach das Klettern, das Fahrrad ist fantastisch, das Wetter ebenfalls, ein paar Grad kühler als gestern, aber meist sonnig und regnen tut es auch nicht.

Mittlerweile gibt es immer wieder Stellen an denen die Bäume den Blick auf die umliegende Berglandschaft oder ins Tal freigeben, so ab Kehre 2 ungefähr.

Die Steigung bleibt recht konstant, ich habe den Postalmanstieg schon längst in mein Herz geschlossen, und ab Kehre 6 weicht der Baumbestand zurück, so dass die Berge der Umgebung mehr zur Geltung kommen. Etwas nach Kehre 8 kann man dann auch auf die unter einem liegenden Serpentinen blicken.




Nun flacht die Strecke etwas ab auf 6%, dann 4% und schließlich gibt es sogar eine kleine, wenn auch flache Zwischenabfahrt von ca. 300 Metern. Es gibt Tage, da freut man sich über die Erholung, heute brauch ich das nicht, nutze aber die Gelegenheit zum Fotografieren.


Nachdem man eine weitere Brücke überquert hat, geht es dann wieder konstant steil mit knapp 10% weiter. Wieder bieten sich tolle Ausblicke auf die umliegenden Berghöhen. Kurze Zeit später ist der Abzweig zu den Skiliften erreicht.





Ich habe mir die „Postalmrunde“ als GPS-Track auf den Edge 800 geladen, und das Ding sollte meckern wenn ich von der richtigen Strecke abweiche. Ich fahre weiter geradeaus in Richtung Postalmhöhe, der Garmin sagt alles klar.

Jetzt kommt ein Abschnitt mit sehr glattem Asphalt, das bringt gleich ein paar Watt Ersparnis und macht einfach Spaß, weil das Fahrrad dann so gut rollt. Die ersten Schneereste tauchen am Straßenrand auf und es wird etwas windiger.



Hier oben ist es jetzt natürlich etwas kühler, aber immer noch völlig angenehm. Bäume gibt es keine mehr, aber dafür ein geiles Bergpanorama. Der höchste Punkt müsste eigentlich bald erreicht sein. Abseits der Straße sieht man jetzt den typischen Fleckerlteppich mit schneebedeckten und freien Stellen.



Dann komme ich an einen Parkplatz und schließlich nach einer (offenen) Schranke an die Schneegrenze. Ups! Ich schaue etwas verdutzt, eine Gruppe Wanderer steht da und schaut genauso. Ich wollte ja jetzt eigentlich weiterfahren und auf der anderen Seite wieder runter. Das wird so offensichtlich nichts. Die Schneeraupe die dort steht hat ihren Einsatzzweck noch nicht erfüllt.



So bleibt mir nichts anderes übrig als wieder umzukehren. Ich fahre ein paar Meter und mache dann erst mal ein paar Fotos vom herrlichen Panorama. Ich überlege kurz ob ich zur Skistation fahre, dort sollte eine Hütte oder ein Gasthaus auf haben, dann könnte ich da auf Marco warten. Allerdings fährt der ja logischerweise erst auch hinauf und weiß ja dann nicht wo ich bin. Hier oben warten kann ich nicht, denn es gibt keine Hütte die auf hat.

Also beschließe ich ihm entgegenzufahren. Er wird ja wohl nicht gerade in den wenigen Minuten zur Skistation abgebogen sein in denen ich zur Schneegrenze gefahren bin.

So rolle ich immer weiter nach unten, am Abzweig vorbei, und wundere mich dann doch wo er steckt. Er kann doch höchsten 10 Minuten hinter mir sein, ich bin jetzt schon an der Zwischenabfahrt vorbei, seltsam. Eine Gruppe mit Rennradfahrern begegnet mir, aber er ist nicht dabei. Mittlerweile bin ich schon bei Kehre 5, ich mache mir langsam etwas Sorgen. Er hat zwar was von schweren Beinen gesagt, aber so schwer waren die bestimmt nicht.

Ich treffe einen Mountainbiker und frage ihn ob er Marco gesehen hat. Der meint nur er hätte einen Rennradler gesehen, der „Fitschen bladdelt“. Hä? Ich versuche es nochmal, doch mein Deutsch reicht nicht aus um sein Österreichisch zu verstehen. Ein Engländer oder Amerikaner wäre mir jetzt lieber gewesen. Immerhin finde ich heraus, dass der Rennradler alt sei. Wie alt, so alt wie ich? Ja ja, so ungefähr. Na herzlichen Dank!

Ich bedanke mich höflich für die Auskunft, das ein alter Radfahrer Fitschen bladdelt und dass ich alt bin und fahre weiter bergrunter. Schließlich bin ich schon an der Mautstation, auch hier frage ich nochmal. Die Leute dort sind der Meinung, das ein Rennradfahrer dort vorbeigekommen ist, und dann kurze Zeit später wieder runtergefahren ist. Hm, vielleicht war ihm schlecht oder so und er ist zurückgefahren? Keine Ahnung ich fahre jedenfalls bis untenhin ohne Marco zu treffen.

Entweder ist er zurück zum Hotel oder wir haben uns irgendwie verpasst. Ich beschließe nochmal hochzufahren. Da ich jetzt eh wieder am Startpunkt bin, nutze ich die Gelegenheit um eine Runde abzudrücken und die Zeit bis obenhin zu nehmen.


Diesmal fotografiere ich nicht, sondern versuche einfach unter einer Stunde hochzukommen. Wobei ich die durchschnittliche Leistung vom ersten Versuch sicher nicht mehr werde treten können.

Wenn mir ein Radfahrer entgegen kommt schaue ich genau hin, um ggf. Marco nicht zu verpassen. Ich habe zwar vor dem Start noch einen halben Riegel gegessen, aber anfangs trete ich eher so um 280, 290 Watt. Das bessert sich aber je höher ich komme. Ich dachte es wird vielleicht zäh beim zweiten Mal, aber da ich nicht fotografiere bleibe ich schön im Rhythmus.

So fliegen die Kehren schneller dahin als gedacht, vor allem da die ersten 6,5 Kilometer noch nicht so steil sind. Mittlerweile weiß ich ja, dass der Anstieg 13,2 Kilometer lang ist. Auch die „Baumgrenze“ ist früher erreicht als erwartet. Auf der kleinen Zwischenabfahrt gebe ich ordentlich Gas und versuche dann über 300 Watt zu bleiben für den Rest der Strecke. Marco begegnet mir nicht.

Schließlich habe ich zum zweiten Mal die Schneegrenze erreicht. Dann fahre ich direkt hinunter zur Skistation, also hier muss er ja sitzen, wenn er mir nicht begegnet ist. Die meisten Gasthäuser sind zu, an einer Hütte frag ich, aber die haben Marco nicht gesehen. Der entspannte Wirt meint „trink halt an Kaffeee, der wird scho kommen“. Ich fahre erst mal zu einer anderen Hütte die geöffnet aussieht. Dort sind allerdings nur zwei Mädels die sich sonnen. Ich versuche zu Fragen ob sie vielleicht einen Rennradler mit einem schwarzen Kuota Rennrad gesehen haben. Die eine versteht mich aber gar nicht, und die andere sagt sie spreche keine Deutsch. So quassele ich die beiden auf Englisch voll, muss aber feststellen, dass sie das erst recht nicht verstehen. Ich versuche es nochmal auf deutsch. Das eine Mädel lächelt erfreut und sagt „Ich verstehe, ich wohne mit meinem Kind dort hinten“. Hä? Ich erzähle nochmal, diesmal mit mehr Hand- und Fußeinsatz die Geschichte vom Fahrrad. „Ja, ja, ich verstehe, ich wohne dort hinten...“.

Ich gebe auf und lasse die beiden weiter in der Sonne braten. Ich fahre zurück zur Hütte und befolge den Rat des Gastwirts und trinke erstmal einen Milchcafe und warte. Dann esse ich eine Leberknödelsuppe und warte. Marco taucht nicht auf. Beim Warten sehe ich, dass nach der Skistation noch eine Straße in die andere Richtung weiterführt. Ich frage den Wirt wo die Straße hinführt, und der Ortsnamen den er nennt kommt mir bekannt vor. Hat mich der Garmin etwa in die Irre geführt? Vielleicht ist Marco ja nicht zurück ins Hotel gefahren, sondern war doch in der Gruppe Rennradfahrer, die ich auf der Abfahrt gesehen hatte und die kannten sich aus, und er ist der Straße weiter gefolgt? Dann könnte ich ihn jetzt aber kaum wieder einholen. 52 Minuten habe ich für den zweiten Aufstieg gebraucht, plus die knappe Viertelstunde für die Abfahrt, plus das Warten hier.



Außerdem habe nur ich die Route auf dem Radcomputer, er würde also womöglich eine ganz andere Strecke fahren. Ich beschließe zu akzeptieren was man nicht ändern kann, fülle meine Wasserflasche auf und fahre die eben entdeckte Strecke weiter.

Die Strecke erweist sich als ausgesprochen schön, viel Schnee abseits der Straße, und es gibt nochmal ein paar ordentliche Steigungen. Mein Garmin meckert nicht, dass ich von der geplanten Route abweichen würde, und mir dämmert, dass ich jetzt auf der richtigen Strecke bin. Ich werde also die geplante Strecke einfach weiterfahren, vielleicht treffe ich Marco ja wenn der pausiert, wenn nicht dann ist es halt so.




Die Strecke ist einfach klasse, und nachdem es aus dem Anstieg in eine schöne Abfahrt übergeht und der Schnee an den Seiten verschwindet bieten sich teils fantastische Ausblicke.


Auch in der Abfahrt fühle ich mich sehr wohl auf dem Fahrrad, auch wenn die SRAM Red 2012 Bremsen einfach lausig sind.

Gerade geht es ordentlich bergab, da sehe ich einen Rennradfahrer, der sich die steile Straße hinaufkämpft. Und siehe da, es ist Marco. Der war auf der anderen Seite runtergefahren nachdem er genau in den paar Minuten zur Skistation abgebogen war in der ich das erst mal oben auf der Postalmhöhe war, und er mich an der Skistation nicht gefunden hat.

Gibt's doch gar nicht. So hat jeder von uns ordentlich Höhenmeter zusätzlich gemacht. Für den Trainingseffekt war es also vielleicht sogar eine gute Sache. Jetzt fahren wir aber gemeinsam weiter den Berg hinunter, und es bieten sich teils spektakuläre Ausblicke. Was für eine schöne Strecke. Die Postalmrunde ist auf jeden Fall eine lohnende Tour!


Am Ende der Abfahrt, gleich hinter Voglau, gibt es passenderweise ein Restaurant und so machen wir erstmal Mittagspause. Dabei sehe ich dann, dass der Garmin mir tatsächlich kein Signal bei Kursabweichung gibt. Ich schalte das ein, und hoffe, dass wir so den Rest der Strecke ohne Probleme finden werden.


Die Strecke führt dann zunächst über die Lammertal Bundesstraße in Richtung Hallein. Dort gibt es natürlich etwas mehr Verkehr, aber auch hier ist die Landschaft und der Straßenverlauf zunächst noch recht idyllisch.


Bei Hallein gibt es sogar etwas Industrie, was etwas irritierend wirkt nach all der spektakulären Alpenszenerie. Auch nimmt der Verkehr kurzzeitig noch etwas zu, dann aber können wir endlich die 159 wieder verlassen und fahren auf kleineren, weniger befahrenen Straßen immer den Schildern nach St. Gilgen folgend.

Einen kleinen weiteren Stopp müssen wir noch machen, den nutze ich um einen Palatschinken mit Marillenmarmelade zu essen. Ich hatte kaum Kohlehydrate bei der Mittagspause zu mir genommen, so dass ich die Höhenmeter doch etwas gemerkt habe.

Die Stärkung kommt gerade recht, denn kurz nach unserem Stopp kündigt ein 8% Schild die nächste ordentliche Steigung an. Diese führt hinauf an einem Stausee vorbei, bevor es wieder abflacht. Auf einer Seite Berg und Wald, auf der anderen Seite Wasser, dazwischen ein gut asphaltierte, nicht zu verkehrsreiche, Straße, mehr braucht kein Mensch.






Die Strecke macht einfach richtig Spaß. Eine Weile fahren wir dann noch flach bzw. leicht bergab, bis nach einem weiteren kleinen Anstieg die Strecke rechts in eine sehr kleine Straße führt. Sofort zieht die Steigung ordentlich an.


Es geht durch den Wald, Autos fahren auf dem Sträßchen keine, und nach einer Kurve öffnet sich ein herrlicher Ausblick über Wiesen, See und Berge. Postkartenreif!


Weiter geht es bergauf, so zwischen 6 und 8%, selten mehr. Auf der rechten Seite fällt die Straße ab, hinunter in eine Schlucht. Sieht beeindruckend aus. Ein weiteres Highlight dieser Tour. Die Straße führt durch einen Tunnel, bevor dann der höchst Punkt erreicht ist. Hier gibt es einen kleinen Aussichtspunkt. Ich warte kurz auf Marco und genieße den Blick in die Strubklamm, wie die Schlucht laut Beschilderung heißt.





Die weitere Strecke geht leicht bergauf, und wirkt eher romantisch. Die Strecke ist auch Teil eines offiziell ausgeschilderten Fahrradwegs, der „Strubklammroute Salz & Seen Tour“. Sehr schön, kann man nur empfehlen.


Die Strecke führt nun vorbei am Hintersee, meist eher flach. Wir haben leichten Gegenwind, aber die Beine sind noch gut, ich würde am liebsten noch eine Runde um den Mondsee dranhängen. Noch haben wir erst ca. 130 Kilometer gefahren. Mal schauen.


Über den Ort Vordersee und Faistenau geht es weiter, noch ca. 8 Kilometer bis zum Ziel. Eigentlich müssten es ein paar mehr sein, aber der Garmin meckert nicht und sagt nichts von Streckenabweichung. Außerdem ist Fuschl ausgeschildert, wird also wohl stimmen.


Es kommt ein Abzweig mit der Beschilderung „Fuschl 2,5 km“. Also fast geschafft. Eine Mondseerunde werde ich nicht dranhängen, dafür ist es schon viel zu spät, dann würde ich in die Dämmerung fahren.

Dann folgt aber der Hammer! Nach ein paar Metern zieht die Straße auf 15% an und bleibt dann konstant so steil. Während ich das 32er Ritzel bis jetzt kaum gebraucht hatte, wäre ich nun ohne 32er wohl kaum den Berg hochgekommen. Wirklich heftig. Dagegen ist die Soeldner Gletscherstraße eine Abfahrt.

Die Strecke ist zwar nur ca. ein bis anderthalb Kilometer lang, aber konstant steil. Marcos Radcomputer zeigt sogar Werte in Richtung 18% an.


Dann ist aber auch die geschafft. Eine kurze ebenfalls steile Abfahrt und wir rollen aus in Richtung Fuschl. Auf dem Kilometerzähler stehen 140 Kilometer. Offensichtlich sind wir am Schluss nicht ganz der runtergeladenen Standardroute gefolgt, sondern haben ein paar Kilometer abgekürzt, dafür aber ein paar heftig steile Höhenmeter zusätzlich gehabt.

Ein wirklich toller Radtag. Die Strecke bietet neben einer ordentlichen alpinen Steigung wunderbare Blicke auf die herrliche Landschaft im Salzburger Land. Auch wenn man hier keine so hohen Berge fährt und der höchste Punkt der Strecke bei ca. 1300 Metern lag, so hat es sich wirklich gelohnt.

Freitag, 26. April 2013

Mondsee Radmarathon Tour B


Nachdem ich gestern Airstreeem besucht habe und vor Ort die Probleme mit dem Ergometer, hoffentlich dauerhaft, behoben werden konnten, bot es sich natürlich an hier an der Salzburger Seenlandschaft eine oder zwei Runden zu drehen.

Marco ist auch dabei, unserer Räder haben wir natürlich mitgebracht, und wir haben uns für heute für die mittellange Distanz des Mondseeradmarathons entschieden (Tour B ca. 140km). Die Strecke gibt es zum Download bei GPSies und so machen wir uns um ca. 8:00 Uhr auf den Weg.

Unser Hotel liegt in Fuschl am See, so dass wir noch ca. 7 Kilometer fahren müssen, bis wir auf der Originalstrecke sind. Zunächst geht es mit ca. 6% erst mal bergauf über die 158 nach St. Gilgen am Wolfgangsee.


Auf der Abfahrt hinunter an den See bieten sich ein herrlicher Blick auf den gerade erwachenden Wolfgangsee. Er liegt vor uns im Tal, umgeben von Bergen und etwas Morgennebel, am blauen Himmel zeigt sich schon die Sonne, was für ein Anblick. Ich bin so überrascht, dass ich es in der Abfahrt nicht mehr schaffe rechtzeitig den Fotoapparat aus dem Trikot zu wurschteln.

Wir fahren weiter die 158 südlich des Wolfgangsees. Teils fahren wir Fahrradweg, teils Straße. Das Verkehrsaufkommen ist noch ok. Gerade nach dem langen Winter und, wegen dem defekten Airstreeem Ergo, den vielen Einheiten auf dem mäßigen Kettler Ergometer, ist es ein fantastisches Gefühl in dieser herrlichen Landschaft bei bestem Wetter früh morgens unterwegs zu sein. Marco empfindet das genauso.




Vorbei am See bleiben wir auf der 158 und fahren bis Bad Ischl. Dort gibt es eine etwas seltsame Umleitung an einer Baustelle, die aber dazu führt, dass wir auf einer verkehrsarmen Nebenstraße  durch eine tolle Strecke im Wald fahren. Bis jetzt eine echte Genußfahrt.


Dann geht es weiter auf der 145 in Richtung Ebensee. Wir probieren den Radweg, aber der ist teils doch recht holprig, so dass wir wieder auf die Straße wechseln. Mittlerweile hat der Verkehr aber etwas zugelegt, so dass es auf diesem Teilabschnitt stressiger zu fahren ist, aber alles im Rahmen.


Belohnt werden wir allerdings dann nachdem wir in Ebensee wieder auf den Radweg wechseln, der die Tunnel für die Autofahrer umfährt. Links ragt die Felswand auf, rechts hat man den herrlichen Blick auf den Traunsee, und auch nach vorne blickt man auf den See oder teils recht romantisch gelegene Ortschaften.




Wir fahren ungefähr die halbe Seelänge am Westufer entlang und biegen dann ab auf die L544 in Richtung Steinbach am Attersee. Dies ist der erste ernsthafte Anstieg des Tages. Ich bin gespannt wie meine Beine funktionieren, denn momentan habe ich heftig mit Heuschnupfen und allergischem Asthma zu kämpfen. Zum Glück vor allem abends und nachts, jetzt auf dem Rad geht es super. Ich kann die Anstiege recht konstant um 300W hochfahren. Dabei geht es zunächst im zweistelligen Prozentbereich steil berghoch, dann kann man etwas entspannen und es flacht ab, bevor dann ein weiterer teils recht steiler Anstieg kommt und man schließlich mit einer schönen Abfahrt hinunter zum See belohnt wird.




Wir haben auch im Flachen ganz gut Tempo gemacht, und sind dabei noch recht locker gefahren. Das neue Cannondale Supersix Evo läuft richtig gut. Dies ist ja der erste richtig Test, bis jetzt bin ich nur ein paar Installationsfahrten gefahren. Auch die SRAM Red 2012 schaltet sehr gut. Kein Vergleich zu der doch wirklich mäßigen alten Redgruppe. Und vor allem berghoch fühlt es sich gut an.

Von Steinbach fahren wir dann zunächst nach Norden am See entlang, und dann um den See herum auf der Westseite wieder in Richtung Süden. Teils führt die Straße direkt am See entlang, sehr schön. Wir haben jetzt knapp hundert Kilometer hinter uns und beschließen eine Mittagspause einzulegen. Ich wäre am liebsten noch weitergefahren, da die Beine gerade so gut gehen, aber schön in der Sonne sitzen und bei einem leckeren Mittagessen etwas erholen ist auch nicht schlecht, fühlt sich an wie Urlaub.



Die ersten Kilometer nach der Pause sind normalerweise etwas zäh, heute meckern die Beine aber nur die ersten paar hundert Meter. Dann rollt es wieder ganz gut. Ungefähr bei Nussdorf geht es dann in den zweiten nennenswerten Anstieg. Auf einer Straße, die mehr wie eine Forststraße wirkt, geht die Steigungsanzeige im Edge 800 auch mal hoch bis 14%. Allerdings ist die Steilheit meist eher human. Zunächst fahren wir oberhalb des Sees parallel zum Westufer und dann Richtung Westen bis wir auf die L541 treffen. Dort füllen wir an einer Tankstelle nochmal unsere Flaschen auf und erreichen dann nach ein paar Kilometern die 151, die uns am Ostufer des Mondsees entlangführt.




Auch diesen See umfahren wir an der Nordspitze und stoßen dann auf die 154, so dass wir auf der Westseite wieder Richtung Süden fahren.




Mittlerweile haben wir fast 150 Kilometer zurückgelegt. Es läuft immer noch gut und wir können die flache Strecke rund um den See genießen, bis wir rechts ab, wieder in Richtung Wolfgangsee fahren. Jetzt geht es nochmal berghoch, recht gleichmäßig und nicht zu steil, kaum das mal die 8% Steigung überschritten werden. Auch dieser Berg geht noch gut.



Schließlich kommen wir wieder in St. Gilgen an und haben nun noch einen letzten Anstieg zurück nach Fuschl am See vor uns. Die Beine funktionieren immer noch gut, auch wenn es in der Sonne fast 30° C warm ist. Zum Schluss gibt es dann noch eine Abfahrt zurück bis ins Dorf und ein fantastischer Rennradtag ist beendet.

Traumhafter Kulisse, die zwar nicht sehr hohen, aber teils noch schneebedeckten Berggipfel, die herrlichen Streckenabschnitte an und um die Seen, gute Frühjahrsform, es hat alles gepasst.

Sonntag, 31. März 2013

Fazit Flandernrundfahrt

Die Veranstaltung ist sehr groß. Viermal mehr Teilnehmer als z.B. beim Ötztaler. Auf der langen Strecke waren es allerdings nur ca. 2000 Fahrer.

Die Organisation ist gut. Technische Unterstützung gibt es allerdings nur an zwei großen Verpflegungsstellen. Die Notrufnummer war „nur“ ein Abholservice. Wenn man also einen größeren Defekt hat, wie ich es leider hatte, dann ist das Rennen definitiv vorbei.

Das Start und Ziel anderthalb Zugstunden auseinanderliegen ist für einen Solo Jedermannfahrer logistisch recht aufwendig. Aber wenn man auf der Profistrecke fahren will ist das halt so.

Allerdings hätte ich mir einen richtigen Start gewünscht und vor allem eine Zeitmessung. Auch die Teilung mit dem „doppelten Startgelände“ in Brügge ist wirklich blöd. Dann doch bitte einen richtigen Start am Stadion. Eventuell könnte man die Strecke ja dann über den Marktplatz führen.

Die Flandernrundfahrt ist sehr früh im Jahr und wäre ein echter erster Test für die Form gewesen. Auch deshalb bin ich natürlich etwas frustriert, dass ich so früh wegen der beschädigten Schaltung aufgeben musste. Mehr noch ärgert mich aber, dass ich genau in der ersten Helling aufgeben musste. D.h. das, was die Flandernrundfahrt eigentlich ausmacht habe ich nicht mitbekommen, die kurzen aber sehr giftigen Anstiege, die größtenteils mit Kopfstein gepflastert sind. Die hundert Kilometer, die ich bis dahin absolviert hatte waren ja nur „Anfahrt“.

Trotzdem habe ich die Frustration eigentlich ganz gut im Griff. Ich kann halt eh nichts mehr ändern. Meine Motivation für die nächsten Trainingswochen wird das hoffentlich nicht beeinträchtigen. Nur muss ich halt nächstes Jahr nochmal fahren, denn einmal möchte ich die Ronde de Flanderen schon zu Ende fahren. Schade, dass das Unternehmen doch recht teuer ist. Vor allem die Übernachtungen in Brügge sind sehr teuer wenn man nah am Start wohnen möchte. Aber wohnen in Oudenaarde und Transfer früh morgens ist für mich keine Alternative.

Fazit ist also, dass die Veranstaltung für einen deutschen Fahrer recht teuer ist. Auf Grund der fehlenden Zeitmessung und des Startfensters hat das ganze erstmal RTF Charakter, gefahren wird aber "richtig". Wenn man die Profistrecke fährt hat man das logistische Problem, dass Start und Ziel anderthalb Zugstunden auseinanderliegen. Also eher so eine "muss man mal gefahren haben"-Veranstaltung. Regelmäßig werde ich sicher nicht daran teilnehmen.

Statistik Flandernrundfahrt

Kilometer bis zur Havarie: 101
Gesamtdauer: 3:20 h
Höhenmeter: 450
Gesamte Arbeit an der Kurbel:  2798 kJ
Durchschnittliche Leistung an der Kurbel: 254 Watt
Normalisierte Leistung:  284 Watt
Durchschnittliche Temperatur: 1,4° C (min -2° C / max 9° C)
Durchschnittlicher Puls: 149

Fahrradgewicht: 11,3 kg inkl. Trinkflaschen, Luftpumpe, Flickzeug, Schlauch, Radcomputer
Fahrergewicht: 79,55 kg
Kleidung und Nahrung: 4 kg
Gesamt(system)gewicht ca. 93,55 kg

Fahrrad:
Rahmen: Specialized S-Works Roubaix SL3 2011
Laufräder: Mavic R-SYS SL 2012 mit Tune Schnellspanner DC 14
Schaltung: Shimano Dura Ace 7970 Di2 mit
SRM - Dura Ace 7950 Kompakt 34/50 vorne, SRAM (MTB) XX Kassette 11-32 hinten)
Bremsen und Kette: Shimano Dura Ace 7900
Pedale: Shimano Dura Ace SPD-SL
Lenker: Syntace Racelite CDR Alu
Sattel: Selle SMP Avant
Radcomputer: SRM Powercontrol 7 und Garmin Edge 800

Samstag, 30. März 2013

Flandernrundfahrt (DNF)

Vom müde und genervt ist heute morgen nichts mehr zu spüren. Zwar habe ich nicht perfekt geschlafen, aber auch ohne Wecker bin ich rechtzeitig wach und um sechs Uhr gibt es das vorbestellte Radfahrspezialfrühstück.

Naja, genau genommen gibt es erst mal trockenes Brot und Zimtbrötchen, aber dann haben wir auch Zugang zu Käse und O-Saft, und Tee gibt es auch. Wir, das sind außer mir noch ein weiterer Flandernrundfahrtteilnehmer und sein Begleitteam. Die haben große Listen gebastelt mit genauen Kilometerangaben, und sie schmieden umfangreiche Pläne, wann sie wo sein müssen usw.

Meine Pläne sind da etwas einfacher, ich habe 5 Gels und zwei Riegel dabei, nehme mir vor die brav alle aufzuessen und will nicht stürzen. Klar, eine brauchbare Zeit will ich natürlich auch fahren, aber da ich die Strecke überhaupt nicht kenne und auf Grund der Hellinge auch nicht recht einschätzen kann, muss ich da raten und gehe von ca. 8 Stunden aus.

Die Idee den Gepäckservice zu nutzen, damit ich im Ziel frische Klamotten habe muss ich gleich verwerfen, denn dass muss man am Stadion abgeben, der eigentliche Start ist aber am Markt, und dort habe ich mich auch einquartiert. Und mit der Tasche irgendwie auf'm Oberrohr nochmal 5 Kilometer hin und her gurken, nee danke. Mit dem Auto hinfahren und wieder zurück, auch Schwachsinn.

Egal, im Zug zurück wird’s ja wohl warm sein...

So rolle ich um kurz vor sieben Uhr zum Markt. Zwar ist das Kopfsteinpflaster ganz leicht feucht, aber das Wetter ist zu meiner Überraschung super. Es sind -2° C, fühlt sich aber nicht so schlimm an, der Wind weht aus Nordost, aber eher schwach, und es deutet sich an, dass die Sonne auch ein bisschen durch die Wolken kommt.

Ich überlege kurz, lasse dann aber die Jacke an, Kurzarmtrikot wäre dann doch etwas übertrieben. Zu meiner Enttäuschung gibt es ja keine echte Zeitmessung mit Chip, sondern man hat eine Karte die gelocht wird. Allerdings nicht am eigentlichen Start, sondern am Stadion. Da ich meine Unterlagen aber gestern schon in Oudenaarde geholt habe, war ich da ja heute gar nicht. Ist mir aber eh wurscht, dieses Stempelsammeln a la Randonneur mag ich eh nicht, Diplom brauche ich keins und Zeitmessung mache ich selbst.

Also starte ich meinen Radcomputer und fahre kurz nach sieben über die Startlinie in Brügge am Markt, vor beeindruckender mittelalterlicher Kulisse. Ich hänge mich gleich an eine Gruppe um mich nicht zu verfahren, denn ich muss erst mal abwarten wie gut das Ganze beschildert ist. Abgesperrt ist nämlich kein Teil der Strecke.

Die leichte Feuchtigkeit ist auch auf dem Kopfsteinpflaster in der Stadt kein Problem, auch als es über eine längere Brücke geht auf der etwas Reif zu sehen ist, gibt es keine Probleme.

Das einzige Bild bis zum unfreiwilligen Ende, sonst keine Gelegenheit...
Offensichtlich mischen sich hier Teilnehmer mit ganz unterschiedlichen Zielen, so dass auch das Tempo der Fahrer sehr unterschiedlich ist. Kein klassisches Radrennen also, jedenfalls nicht für alle. Ich halte mich erst mal an die Schnellen, langsamer werden kann man immer noch...

Es wird viel auf Fahrradwegen gefahren, das kann ich leiden wie Zahnschmerzen, denn erstens ist es dort eng wenn in großen Gruppen gefahren wird, überholen ist nicht ohne, und vor allen Dingen müssen wir öfters an Einmündungen die Straße überqueren, die ja nicht für den normalen Verkehr gesperrt ist. Geht aber alles gut. Nur an einer Brücke verengt sich der Radweg extrem, und wir brettern da mit 35 km/h drauf zu. Aber seltsamerweise geht alles haarscharf gut, der Massensturz bleibt aus und außer Flüchen in allen möglichen Sprachen und quietschenden Bremsen passiert nix.

Schnell finde ich zwei Fahrer die optisch einen fitten Eindruck machen, gutes Tempo haben und geschickt überholen, da hänge ich mich dran. Tempo macht nur einer, warum weiß ich nicht, aber ist mir auch recht.

So kommen wir gut vorwärts und obwohl ich ja recht früh im Startzeitfenster gestartet bin holen wir immer wieder recht große Gruppen ein. Teils fährt man dann auch eine Weile in größerer Gruppe, um sich dann wieder abzusetzen. Es ist zunächst fast völlig flach und der Wind kommt meist von hinten. Dafür fahren wir eigentlich gar nicht so schnell. Es macht aber auch keinen Sinn jetzt schon Körner zu verschießen.

Irgendwann kommt schon die erste Verpflegungsstation. Obwohl ich gar nicht anhalten will werde ich trotzdem dorthin gewunken, so fahre ich einfach durch die mampfenden Radler und gleich wieder auf die Straße. Wir sind noch nicht mal warmgefahren und sollen schon was essen...?

Dabei verliere ich die zwei Jungs, finde aber schnell andere, die dann wohl zu einer größeren Gruppe gehören, und so bildet sich ein kleines Peloton mit einem Team mit giftgrünen Trikots vorne. Ich fahre direkt hinter den Grünen.

So fahren wir eine ganze Weile, zeitweise über geteerte Feldwege. Wir fahren zwar so 35 km/h, aber für eine so große Gruppe mit Rückenwind finde ich das zu wenig. Statt schön hinter der Gruppe zu bleiben fahre ich irgendwann nach vorne und hoffe ein bisschen Speed reinzubringen, aber irgendwie will keiner mitziehen. Ihr wollt meine Tempoarbeit nicht? Ok, dann fahre ich halt alleine. Weiter vorne kann ich eine weitere große Gruppe sehen, so versuche ich dort ranzufahren. Dazu muss ich ein Auto vor mir überholen, dessen Anhänger vor mir hoch und runter hüpft. Der Weg ist aber zu eng. Das Lauern auf die Überholgelegenheit nimmt mein Konzentration so in Anspruch, dass ich die Rufe hinter mir gar nicht richtig wahrnehme, erst als ich nach zwei Kurven die vordere Gruppe nicht mehr sehe und auch hinten niemand mehr ist, merke ich, dass ich eine Abzweigung verpasst habe. Mist. Also wieder zurück, vielleicht ein Kilometer, aber die anderen sind natürlich weg.

Ich gebe ziemlich Gas, vielleicht komme ich ja wieder ran, aber die sind nirgends zu sehen. Ein paar Kilometer sind nur etwas langsamere Radler vor mir, einzeln oder in kleinen Gruppen. Dann formiert sich aber bald wieder eine Gruppe von vier, fünf Leuten mit denen ich halbwegs zusammen fahre.

Nach ein Paar Kilometer werden wir schon wieder in eine Verpflegungsstation geleitet. So greife ich mir zwei Apfelsinenviertel, Getränke und alles andere habe ich noch in Mengen, und fahre weiter.

Das hat natürlich die Gruppe aufgelöst, aber etwas weiter vor mir sind zwei Fahrer mit gutem Tempo und dazwischen ist noch ein Fahrer der versucht die beiden zu erreichen. Ich versuche wiederum ihn zu erreichen, und nach anderthalb Kilometern sind wir zusammen. Ein weiterer Fahrer überholt uns und wir hängen uns dran. Jetzt haben wir ganz gutes Tempo, ist allerdings deutlich anstrengender als die großen Gruppen vorher.

Vor allem geht es jetzt immer mal leicht berghoch, was für die Fahrer im Windschatten dann auch etwas mehr Anstrengung bedeutet. Vor allem fährt der vorne auch die, zwar nicht langen aber deutlich spürbaren vierprozentigen Steigungen, mit richtig Dampf hoch. Ich muss echt richtig powern (400 bis 500 Watt) um dranzubleiben.

Eine Steigung ist deutlich steiler, auch hier geißeln wir ziemlich hoch, so dass ich erstmals hundert Prozent abrufen muss, und da merke ich deutlich, dass ich immer noch nicht fit bin und diese dämliche Atemwegsinfektion mir noch richtig Power nimmt. Die Lunge brennt.

Aber oben angekommen, lassen die Jungs immer erst mal die Beine hängen, so dass ich immer dranbleiben kann. Eigentlich keine kluge Taktik, besser wäre mit gleichmäßiger Leistung zu fahren, aber ich muss mich natürlich nach den Anderen richten, sonst ist die Gruppe weg.

Wir laufen auf andere Gruppen auf, und es entsteht ein etwas größeres Feld. An einer Stelle mit Gegenwind wird ein Versuch gestartet zu Kreiseln. Ich dachte die Belgier haben das alle drauf, aber es klappt überhaupt nicht, es kommt überhaupt kein Kreisel zustande.

Na egal, es rollt auch so. Die Schaltung ist immer wieder ein Genuss, nachdem ich ja auf Lanzarote im Trainingslager die „alte“ Red Gruppe gefahren bin, ist das jetzt ein Traum. Die Dura Ace ist nicht nur eine andere Liga, das ist ein anderer Planet. Das Fahrrad läuft wie Sau, und auch wenn man zwischendurch immer wieder ordentlich Leistung abrufen muss um an der Gruppe dranzubleiben oder den Ziehharmonikaeffekt auszugleichen, so kann man doch immer wieder mal die Beine hochnehmen. Eine Art zu fahren die mir sehr entgegen kommt.

Dann geht es etwas berghoch nach Tiegem, ich schalte runter und plötzlich kracht es hinten, die Schaltung blockiert. Mist! Was war das denn?
Oje, ich habe vorne großes Kettenblatt und hinten größtes Ritzel geschaltet. Normalerweise nicht dramatisch, aber da ich mich mit dem 32er Ritzel weit außerhalb der Dura Ace Spezifikation befinde, sollte man das unbedingt vermeiden. Passiert mir auch wirklich selten, und wenn ging es bis jetzt immer gut. Diesmal allerdings nicht.

Ich komme aber noch aus den Pedalen, und keiner fährt auf mich drauf, so dass ich absteigen und das Schaltwerk aus den Ritzeln befreien kann. Sieht nicht gut aus, etwas verbogen. Aber ich kriege zumindest alles so hin, dass ich wieder aufsteigen und weiterfahren kann.

Die Gruppe ist natürlich weg. Es geht durch Tiegem, erst noch etwas berghoch, dann in eine Senke und dann kommt die erste Helling.

Kommt mir jetzt aber gar nicht so steil vor, und vor allem schöner Asphalt, kein Kopfsteinpflaster. Das erste Stück hat so knapp 6% Steigung, dann kommt eine Kurve und es wird etwas flacher. Oben kann man schon sehen, dass da tatsächlich richtig viele Leute stehen. Cool, also auch beim Jedermannrennen gibt es Publikum für die Kletterer.

Ich bin jedoch mehr mit meiner Schaltung beschäftigt. Es flacht ja etwas ab, ich würde gerne hochschalten, aber der Umwerfer schaltet nicht, obwohl sich der Motor bewegt. Mist, bin auf dem 28er, so komme ich ja kaum vorwärts, also schalte ich vorne, das funktioniert ja noch.

Und dann kracht es richtig, das Schaltwerk wickelt sich ums Ritzelpaket, das Schaltauge reißt ab und durch die Wucht reißt es das Hinterrad aus den Ausfallenden. Ich komme gerade noch aus den Pedalen. Oh nein! Das war's, das ist nichts was man eben mal reparieren kann. Ich kann erst mal gar nix bewegen, muss die Kette öffnen um das Schaltwerk zu befreien. Aber machen kann ich jetzt nichts mehr. Nach nur hundert Kilometern, noch bevor die erste Helling bewältig ist, ist es vorbei.



So schnell will ich nicht aufgeben, ich rufe die Servicenummer für technische Notfälle des Rennens an. Obwohl ich den Ortsnamen auf deutsch und auf vermeintlichem belgisch nenne und auf englisch buchstabiere, scheint es mir so als würde die nette Dame am Telefon mich nicht recht verstehen, aber sie will jemanden schicken. Ein bisschen Hoffnung, immerhin gibt es ja Shimano Service.

Ich baue das Hinterrad wieder ein und rolle ohne Kette den Berg wieder hinunter. Unten meint eine Zuschauerin, dass es in Tiegem einen Radshop gäbe, nur 200m weg.

So schiebe ich das Rad nach Tiegem. Die 200m sind 1200m, in Radschuhen nicht so geil, aber der Radshop hat tatsächlich auf.

Dem Besitzer schildere ich mein Problem und wir gehen in die Werkstatt. Mittlerweile friere ich sehr, denn die Klamotten funktionieren nur wenn man mindestens 200Watt tritt, sonst kommen die Minusgrade durch. Und auch in der Werkstatt ist es arschkalt.

Der gute Mann sieht seine erste Di2 im Leben, und obwohl er sich an die Arbeit macht, ist mir klar, dass das hier nichts wird. Immerhin bekommt er das Schaltauge wieder montiert, es ist allerdings verbogen.

Der Service meldet sich, die sind ganz woanders hingefahren, ich gebe sie weiter an den Werkstattmann und der erklärt wo sie hinkommen müssen. Ein bisschen Hoffnung habe ich noch, dass die Shimano Leute das doch irgendwie hinkriegen.

Ich erkläre dem Radshopbesitzer wie man das Schaltwerk anschließt (Stecker rein halt...) und wir warten auf den Service. Mir ist elend kalt. Mein Missmut steigt, das kann's doch nicht schon gewesen sein.

Endlich kommen Fachleute. Dachte ich jedenfalls. Aber der Notfallservice ist nur ein Team, dass mit einem Kleinlaster die Gestrandeten einsammelt. Keineswegs Shimanoleute. Die beiden bestaunen die Di2, ich könnte schreien.

Nette Helfer, aber leider können die mir bei der Reparatur nicht weiterhelfen.

Egal, der Radshop knöpft mir 25 Euro ab, das Rad wird verladen, die beiden wollen mich zum Bahnhof bringen. Rennen gelaufen.

Ich frage höflich was denn mit den Shimano Servicestationen wäre. Meine Frage löst fast hysterische Begeisterung aus, oh ja, tolle Idee.

Es dauert eine ganze Weile bis wir dort ankommen. Im Radshop hatte ich schon 1:20 h verloren, jetzt kommt die nächste dazu. Wenn die's reparieren, bis ich wieder zurück in Tiegem bin, sind wohl vier Stunden verloren.

Die anderen fahren noch, auch nach nach anderthalb Stunden kommen noch viele Fahrer an meiner Havariestelle vorbei.
Aber selbst das würde nicht klappen, denn niemand würde mich zurück nach Tiegem bringen. Die beiden erklären mir, dass ich an der Servicestation, die auch eine große Verpflegungsstation an einem Knotenpunkt aller Strecken ist, die Möglichkeit hätte noch 100 Kilometer auf der mittleren oder um die 50 auf der kurzen Strecke zu fahren.

Ich erkläre, dass das völlig uninteressant ist, ich mittlerweile ziemlich durchgefroren bin, und eigentlich gleich zum Bahnhof möchte. Aber irgendwie komme ich nicht durch, die zwei sind immer noch so begeistert von meiner Idee den Shimanoservice aufzusuchen, dass ich keine Wahl bekomme.

So bringe ich das Rad zum Shimano Stand. Die vorhersehbare Antwort ist aber leider, dass sie nix machen können. Das Schaltauge ist Specialized spezifisch (alte Regel: immer ein Schaltauge dabeihaben!), und auch das Schaltwerk können sie weder reparieren, noch hätten die ein Ersatzteil, ganz zu schweigen vom Preis den das kosten würde.

An dieser Verpflegungsstation treffen sich Radler aller drei Strecken

Leider können auch die mir nicht helfen

So habe ich wenigstens nochmal sinnlos in der Kälte gestanden und will jetzt nur noch zum Bahnhof. Die beiden bringen mich nach Oudenaarde in die Nähe des Bahnhofs, dann müssen sie den Nächsten holen, hoffentlich hat der mehr Glück...

Das mit dem Zug klappt erstaunlich reibungslos, allerdings treffe ich am Bahnhof einen Belgier aus Brügge, der das Rennen aufgegeben hat und ebenfalls zurückfährt, so dass ich an der richtigen Stelle umsteige :)

Als er mir erzählt, dass er aufgegeben hat, weil er nach der zweiten Helling, nach dem Essen an der Verpflegungsstation kotzen musste, denke ich nur, er hätte mir doch eine Helling vorher sein Fahrrad leihen können, dann hätte ich wenigstens zuende fahren können.

Anyway, meinen Frust habe ich ganz gut im Griff, kann halt passieren. Ein Profi hätte sich über die zwei Minuten geärgert, die er für den Fahrradtausch gebraucht hätte, für mich ist es halt vorbei.

Zurück in Brügge muss ich aber dann doch aus Frust einen Cheeseburger mit Pommes essen, schmeckt allerdings nicht so recht und verfehlt seine Wirkung. Die ersten beiden Events des Jahres (Trainingslager Lanzarote und Flandernrundfahrt) waren beide sehr teuer und haben ohne Nutzwert geendet. Schade. Sehr schade.

Das nächste Ziel ist nun „Rund um den Finanzplatz“ am 01. Mai. Dort möchte ich auf jeden Fall schneller sein als letztes Jahr.


Freitag, 29. März 2013

Brügge sehen und sterben?

Gestern noch schnell das Fahrrad zusammengeschraubt, dass lag noch in Einzelteilen eingemottet vom Winter. Irgendwie kam der Termin der Flandernrundfahrt schneller als gedacht. Für ein neues Lenkerband hat es nicht mehr gereicht, aber frische Kette, neue 25er Reifen und frisch kalibriertes SRM sind schon mal was.

Leider konnte ich dann aus Zeitnot und wegen des Schnees keine Probefahrt mehr machen. D.h. ich hoffe einfach, dass alles gut funktioniert. Zum Glück ist die Di2 extrem einfach einzustellen und auch nach der Winterpause muss eigentlich kaum was justiert werden.

Eigentlich hatte ich ernsthaft überlegt abzusagen, da ich immer noch erkältet bin, und das Wetter selbst für Flandernrundfahrtverhältnisse richtig böse werden könnte, aber irgendwie war ich plötzlich so wettkampfgeil, dass das nicht in Frage kam.

So geht es heute morgen nach dreieinhalb Stunden Schlaf nochmal 90 Minuten auf den Ergometer und dann auf die Autobahn. In Deutschland läuft es gut, auch wenn es manchmal ein bisschen schneit, aber Belgien ist eine Katastrophe, eine Stunde Stau in Lüttich, eine in Brüssel und dann nochmal fast eine in Brügge in der Stadt, nur wenige hundert Meter vom Hotel entfernt stehe ich da tatsächlich im Stau.

Die Idee mein Auto von Brügge dann nach Oudenaarde zum Zielort zu bringen und mit dem Zug zurück nach Brügge zu fahren um morgen nach Zielankunft mit dem Auto zurückfahren zu können kann ich mir abschminken, ich will ja nicht nachts irgendwann zurückkommen. Mist. das mit dem unterschiedlichen Start- und Zielort ist für ein Jedermannrennen wirklich nix, viel zuviel logistischer Aufwand.

Anyway, vielleicht regnet es ja nicht so heftig, und die Temperaturen werden so mild wie heute mit 5° C, dann wäre ich schon ganz zufrieden. Die Hellinge werden auf jeden Fall richtiger Kampf, bis zu 22% Steigung auf Kopfsteinpflaster über mehrer hundert Meter, und dann auch noch scharenweise Radler, da heißt es heil durchkommen.

Die mindestens zwei Kilo Übergewicht helfen auch nicht gerade..., bin gerade müde und genervt.

Bilder von der Registrierung in Oudenaarde:

Dimensionen wie beim Ötztaler


Startgelände in Brügge am Markt:

Hier starten am Sonntag auch die Profis

Impressionen vom Markt in Brügge, sogar die Sonne scheint etwas:




Mittwoch, 27. März 2013

Erste Gedanken zur Flandernrundfahrt

Endlich geht es wieder los. Sowas in der Richtung sollten eigentlich die Gedanken zum ersten Rennen der Saison sein.

Aber so hundertprozentig spiegelt das meine Gedanken zur Ronde de Flanderen am kommenden Samstag nicht wieder. Auch wenn ich leistungsmäßig zu diesem Zeitpunkt im Jahr sicher weiter bin als 2012, so steckt mir doch das frustrierende Trainingslager auf Lanzarote noch in den Knochen. Bis zwei Tage vor Abreise hatte ich mich der Grippewelle widersetzen können, und dann hat es mich doch erwischt. Als Folge habe ich die erste Woche zur Hälfte im Bett verbracht, und auch in den restlichen Tagen konnte ich nie richtig frei fahren. Ergebnis dieses frustrierenden Verlaufs war, dass ich weder die Blogposts online gestellt habe, noch habe ich den anvisierten Trainingseffekt erreicht oder gar die gewünschten anderthalb Kilo abgenommen. Im Gegenteil, aus Frust habe ich zuviel gegessen, so dass ich jetzt noch mit Übergewicht zu kämpfen habe.

Das unangenehmste ist, dass ich die Grippe, Erkältung oder was auch immer das war bis jetzt noch nicht richtig losgeworden bin. So ist an ein Training draußen gar nicht zu denken. Mal ganz abgesehen davon, dass der ausdauernde Winter sicher nicht nur meine Geduld auf eine harte Probe stellt.

So sind die Vorzeichen für die Flandernrundfahrt für Jedermänner, die am Samstag in Brügge startet alles andere als gut. Auch die konkrete Wettervorhersage geht von Temperaturen um Null Grad aus. Selbst für die traditionell mit schlechtem Wetter gesegnete Flandernrundfahrt heftige Bedingungen.

Kopfsteinpflaster mit Steigungen über 20%, eisige Temperaturen, etwas angeschlagen, vielleicht sollte ich besser absagen? Das würde mir auch die unsägliche logistische Rumeierei ersparen. Denn Start- und Zielort liegen 70 Kilometer auseinander. Und der angebotene Shuttleservice bringt einen nicht etwa nach dem Rennen zum Startort zurück, sondern fährt morgens um 5:15 Uhr vom Ziel zum Startort. So ein Blödsinn.

Aber egal, das lässt sich alles lösen. Und ich werde einfach schauen wie das Wetter dann wirklich aussieht. Eine harte Prüfung wird es aber auf jeden Fall...